Bayern 2 - Bayerisches Feuilleton


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Karl Theodor und Graf Rumford Der Kurfürst und sein Weltverbesserer

Am 1. April 1792, vor 225 Jahre also, öffnete Kurfürst Karl Theodor den "Englischen Garten" für die Bürger der Stadt München. Seine Entstehung geht auf eine Anregung des Amerikaners Benjamin Thompson alias Graf Rumford zurück, der bei der Umwandlung des ursprünglichen Militärgartens in einen Volkspark auch die Oberaufsicht innehatte. Heute zählt der Englische Garten zu den größten Parkanlagen der Welt. Grund genug, an die zwei innovativen Männer zu erinnern, deren Spuren in Bayern heute noch überall zu finden sind.

Von: Justina Schreiber

Stand: 01.04.2017 | Archiv

Vorsintflutliches Bauernland Bayern! Ein Drittel der Stadtbewohner mussten sich ihr täglich Brot erbetteln. Verglichen mit Paris, London oder auch Mannheim erschien München als dunkelste Provinz. Von aufklärerischem Geist und gepflegter Kultur fand sich hier kaum eine Spur. Zwei reformwütige Zuagroaste jedoch brachten das Land auf Vordermann: der gebürtige Amerikaner Benjamin Thompson (1792 für seine Verdienste  als "Graf von Rumford" in den Adelsstand erhoben) und sein Gönner, der pfälzische Kurfürst Karl Theodor, der seit 1777 auch als bayerischer Herrscher zeichnete.

Kein großes Vorbild ...

Dr. Manfred Veit vor dem Mausoleum der Gattin Karl Theodors in Stepperg | Bild: Justina Schreiber

Dr. Manfred Veit vor dem Mausoleum der zweiten Gattin Karl Theodors in Stepperg

Der Kurfürst Karl Theodor gehört hierzulande zu den weniger beliebten Herrscherfiguren. Der Kreisheimatpfleger von Neuburg-Schrobenhausen Manfred Veit wirkt heute noch von ihm befremdet.

"Er kann für uns kein großes Vorbild hier sein. Erstens: Er ist ausgesprochen ungern oder nur zwangsweise nach München gegangen, er hat es die Leute spüren lassen. Zweitens: Wir wissen zu mindestens von acht außerehelichen Kindern, die er hatte, die Legenden sagen, er hätte ein paar hundert gehabt, also das, meine ich, sind Legenden, da tut man ihm zu viel der Ehre an, es mögen ein paar noch dabei gewesen sein außer den acht bekannten." (Manfred Veit)

Rumford und Karl Theodor - ein "Dreamteam"

Kurfürst Karl Theodor

Zehn Jahre lang, von 1789 bis 1799 bildeten die beiden Männer ein durchsetzungsfähiges "Dreamteam", vergleichbar mit Goethe und Herzog Karl-August von Sachsen-Weimar oder dem Preußenkönig Friedrich II. und Voltaire. Suppenküchen für die Armen, Militärgärten und Thermo-Unterwäsche für die Soldaten, eine Staatsgemäldesammlung, die Entfestigung der Stadt - und was der Verbesserungen mehr waren. - Die Einheimischen zeigten sich dennoch erleichtert, als der Spuk vorbei war.

Ehrungen:

Nach Sir Benjamin Thompson alias Graf Rumford sind eine Straße im Münchener Gärtnerplatzviertel und das Rumfordhaus im Englischen Garten benannt, heute eine städtische Jugendfreizeiteinrichtung. Ebenfalls im Englischen Garten, am Südende, gibt es einen Gedenkstein, der an den "Menschenfreund" als Erschaffer des Gartens erinnert. In der Maximilianstraße steht sein von Kaspar von Zumbusch geschaffenes Standbild. Seine Büste fand Aufstellung in der Ruhmeshalle.

Das "Rumford-Labor" von Yvonne Leinfelder und Alix Stadtbäumer

Yvonne Leinfelder und Alix Stadtbäumer

Die Münchner Künstlerinnen Alix Stadtbäumer und Yvonne Leinfelder haben ein Rumford-Labor ins Leben gerufen und Kollegen gebeten, sich mit Benjamin Thompson’s Reformen und Erfindungen auseinanderzusetzen. Sie selbst haben sich den sogenannten Rumford-Ofen zum Vorbild für eine große Video-Skulptur genommen.

"Unsere gemeinsame Arbeit ist der Nachbau dieses Ofens. Das ist eine Art großer Zylinder, ein Hohlkörper, wo man durch ein Glas, ein rundes Bullauge in diesen Körper reingucken konnte, in diesen Ofen und an der Rückseite des Ofens ist ein Film gelaufen, ein Video von Yvonne über Bienen. - Und was man sieht, ist erstmal so ein Gewusel, da sind Bienen auf einer Wabe, von hinten scheint die Sonne durch, ist alles sehr hell und licht. Und wenn man von weitem in den Ofen sieht, auch wenn man mit der Straßenbahn vorbei fährt, hat man den Eindruck das flackert was. Es könnte eigentlich auch Feuer sein." (Yvonne Leinfelder und Alix Stadtbäumer)

[www.rumfordlabor.de]


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