Bayern 2 - Bayerisches Feuilleton


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Gabriel von Max Affenliebe und Geistersuche

Als Künstler war Gabriel von Max vor rund 100 Jahren weltberühmt. Als Spiritist war er seinen Zeitgenossen nicht ganz geheuer. Als passionierter Naturforscher kam er posthum zu Ehren. Erst mit der großen Ausstellung im Münchner Lenbachhaus vor vier Jahren fanden sämtliche Facetten seiner Persönlichkeit und seines Werkes die verdiente Aufmerksamkeit.

Von: Bettina Stummeyer

Stand: 15.11.2014 | Archiv

"Affen als Kunstrichter" von Gabriel von Max | Bild: picture-alliance/dpa

Um die Wende zum 20. Jahrhundert zog es viele Künstler, Schriftsteller und Sinnsucher an den Starnberger See. Darunter war auch der in Prag geborene Gabriel von Max, der am Ostufer des Sees in Ammerland ein Landhaus erwarb.

Die Suche nach dem metaphysischen Sinn der Existenz

Porträt des Malers Gabriel Ritter von Max (1840-1915)

Gabriel von Max war zu seinen Lebzeiten ein äußert gefragter Maler, der sich zu allem Übernatürlichen, zum Spiritismus, zum Religiösen hingezogen fühlte und dies nicht nur in vielen seiner Bilder thematisierte. In der Villa Max fand 1884 die zweite offizielle Sitzung der theosophischen Loge Germania statt. Zu deren Mitgliedern gehörte unter anderen der Schriftsteller Gustav Meyrink, der sich in seinem Werk mit übersinnlichen Phänomenen und dem metaphysischen Sinn der Existenz beschäftigte. Gabriel von Max war auch befreundet mit seinen Nachbarn, dem Mediziner und Parapsychologen Albert von Schrenck-Notzing und dem Spiritisten und okkulten Schriftsteller Karl du Prel, deren Ansichten und Ideen ihn in seinem Spätwerk sehr beeinflussten.

"Alles, was existiert, entsteht im kleinen wie Großen nach demselben Prinzip auf die selbe Art. Die Schöpfung ist eine Materialisation Gottes. Das brauchen die Menschen noch nicht zu wissen. Nichts geht verloren. Entstehen und Vergehen existiert nur in unseren Augen. Erde, Wasser, Luft, Feuer der Alten Art treffen sich. 4321 ist Entstehung, 1234 Vergehung, es gibt noch eine 5, welche wir ahnen. Dieses ist das bleibende Ewige. Die Sonne unseres Planetensystems wird so lange leuchten, bis der Kreislauf des Geistes vollendet ist, das heißt bis aller in der Materie latenter Geist zum Bewusstsein gekommen ist - gleichsam ist."

(Gabriel von Max)

Als Affenmaler wurde er weltberühmt

"Affe vor Skelett" von Gabriel von Max | Bild: picture-alliance/dpa

"Affe vor Skelett" von Gabriel von Max

Mit dem Geld, das er mit der Kunst verdiente, pflegte Gabriel von Max außergewöhnliche Leidenschaften. Er war ein passionierter Forscher  der Vor- und Frühgeschichte, der Anthropologie, Zoologie und Ethnographie. Seine Sammlung umfasst rund 60.000 Objekte; er besaß die größte Schädelsammlung seiner Zeit. Seine große Liebe aber galt den Affen. In seinem Münchner Gartenhaus hielt er sich sogar eine Zeitlang eine eigene Herde und verbrachte viel Zeit mit der Aufzucht von Affen. Immer wieder dienten seine Lieblinge als Motive für seine Bilder. Als Affenmaler wurde er weltberühmt.

"Der (…) englische Gelehrte Thomas Henry Huxley sagt in einem berühmten Büchlein (über die) ‘Stellung des Menschen in der Natur’: ‘Die Frage aller Fragen, welche jeden zur Welt geborenen mehr interessiren muß als alle andern ist die: woher der Mensch kommt, wohin er geht.’ Lange, ehe er diesen Ausspruch gethan, war ich im Banne dieser Fragen. ‘Woher er kommt’ muß die Naturwissenschaft beantworten, ‘wohin er geht’ muß der Spiritismus beantworten, also mußte ich mich mit diesen zwei ‘Wissenschaften’ vertraut machen. Daß ich es ehrlich that, zeigt mein großes anthropologisches Museum und mein übler Ruf als Spiritist. Mann steht in der Mitte dieser zwei Arme; auf der Stelle ‘Gegenwart’, und um zu fixiren, welches die Eindrücke sind, die man empfangen, schreibt der Eine, der andere malt es. Ich gehör zu Letzteren."

(Gabriel Max, München 19.2.1896)

Mit seinen Gemälden traf er den Nerv der Zeit

Gabriel von Max gehörte zu den Malerfürsten um 1900. Mit seinen Gemälden traf er den Nerv der Zeit und zog eine unglaublich große Käuferschicht an. Nach seinem Tod geriet er allerdings in Vergessenheit - bis ihm das Münchner Lenbachhaus im November 2010 eine umfassende Ausstellung widmete …


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