Bayern 2 - Bayerisches Feuilleton


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Schau-Spiel und Licht-Bild Die Friedrich Wilhelm Murnau-Connection

Markus Metz und Georg Seeßlen würdigen den expressionistischen Filmemacher Friedrich Wilhelm Murnau und gehen der Frage nach, welche Spuren die "Murnau-Connection", das Zusammentreffen mit den Expressionisten der Gruppe "Der blaue Reiter" um Wassily Kandinsky und Franz Marc, im Schaffen des Filmkünstlers hinterlassen hat.

Von: Markus Metz und Georg Seeßlen

Stand: 21.01.2017 | Archiv

"Nosferatu", "Faust", "Der letzte Mann", "Sunrise", "Tabu" – Friedrich Wilhelm Murnau ist einer der bedeutendsten Regisseure der Stummfilmzeit, er prägte das Weimarer Kino und arbeitete auch in Hollywood. Geboren wurde er als Friedrich Wilhelm Plumpe 1888 in Bielefeld. Dass er sich 1910 umbenannte, hatte – abgesehen davon, dass es nicht gerade der ideale Name für die angestrebte erste Karriere als Schauspieler auf der Bühne war – mehrere Gründe. Es signalisierte den Bruch mit den Eltern, die sich weder mit seinen künstlerischen Ambitionen noch mit seiner vergleichsweise offenen Homosexualität arrangieren konnten. Es war aber auch eine Hommage an Murnau und die Kunstszene der Moderne, auf die der junge Schauspieler stieß, als er im Sommer 1910 in Oberbayern weilte.

Max Reinhardt in Murnau

Max Reinhardt (1905)

Neben den expressionistischen Malern war es auch der legendäre Theatermann Max Reinhardt, der F. W. Murnaus Leben und seinen Gestaltungswillen beeinflusste. Und tatsächlich gastierte dieser Max Reinhardt in dieser Zeit ebenfalls in Murnau.

Reinhardt, 1873 als Maximilian Goldmann in Baden bei Wien geboren, hatte den Weg vom Theater zum Film geöffnet. In seiner eigenen Kinoarbeit erinnert manches an Friedrich Wilhelm Murnau, die Stimmungs- und Naturbilder, der Erotismus und der fließende Schauspielstil.

Welche Verbindung gab es zwischen F. W. Murnau und dem "Blauen Reiter"?

Wassily Kandinsky in Murnau (1910)

Man kann es nur vermuten. Persönliche Freundschaft. Die Toleranz, die Aufgeschlossenheit, die Solidarität der Künstler, vielleicht. Vor allem aber auch dieser Geist des Neuen, der Aufbruch … Es waren ja nicht nur Maler, die sich in Murnau trafen.

Dazu der Filmhistoriker und Publizist Hans Helmut Prinzler:

"Offenbar eine sehr reizvolle Umgebung und dass sie auch eine Gemeinschaft dort bilden konnten als Künstler. Else Lasker-Schüler gehörte da mit dazu, Maler der Gruppe 'Blauer Reiter' - also es war eine Art von Society, die sich da gebildet hatte, und die hat Friedrich Wilhelm Plumpe gut gefallen und die Verbindungen haben dann auch eine ganze Weile vorgehalten.
Man weiß nicht so ganz genau, was dort alles vorgefallen ist, weil darüber gibt es keine wirklichen Aufzeichnungen. Manches sind dann Vermutungen und Rekonstruktionen: Murnau hat weder eine Autobiografie geschrieben noch gibt es über alle Einzelheiten gerade dieser Jahre irgendwelche Dokumente. Er ist in vielem seines Lebens gern geheimnisvoll geblieben und insofern muss man dann daraus schließen, dass diese Gesellschaft, die er dort vorfand, einfach mit ihm gut kommunizieren konnte und dass ihm das gefallen hat."

Ausstellungstipp:

STÄDTISCHE GALERIE IM LENBACHHAUS
25. Oktober 2016 – 26. Februar 2017
"Friedrich Wilhelm Murnau
Eine Hommage"


http://www.lenbachhaus.de/ausstellungen/friedrich-wilhelm-murnau/

Friedrich Wilhelm Murnau im Lenbachhaus - Bilder der Ausstellung

Filmische Retrospektive:

Münchner Stadtmuseum
Friedrich Wilhelm Murnau
8. Januar bis 18. Februar 2017


http://www.muenchner-stadtmuseum.de/film/filmreihen/friedrich-wilhelm-murnau.html


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