Bayern 2 - Bayerisches Feuilleton


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Frauenoffensiven München und der Feminismus

München war Mitte der 70er Jahre ein Zentrum des Feminismus, einer der großen Aufbruchs- und Freiheitsbewegungen in der Bundesrepublik. - Martin Zeyn hat sich auf die Suche begeben nach den wenig bekannten Anfängen der Frauenbewegung - und fördert Überraschendes zutage.

Von: Martin Zeyn

Stand: 26.04.2014 | Archiv

Frauenoffensive München (Plattencover) | Bild: Frauenoffensive München (Barbara / Elisabeth)

Ende 1975. Auf der Buchmesse in Frankfurt wird die Gründung des Münchner Verlags Frauenoffensive gefeiert. Kurz danach macht der erste Frauenbuchladen der Bundesrepublik in der Arcisstraße auf. Die westdeutsche Frauenbewegung hatte, was wenige wissen, einen Schwerpunkt in der bayerischen Landeshauptstadt.

"Frauen, kennt ihr schon das Neueste, was sich tut in unserer Stadt,
haben jetzt ein Frauenzentrum, Isolierung haben wir satt
Frauen tun sich jetzt zusammen, denken endlich mal an sich
wollen nicht länger dienen, handeln ist erforderlich.
Habt ihr schon gehört, es gibt ein Zentrum
Haste schon gehört, es geht jetzt los."

(LP Frauenoffensive: 'Frauenzentrumlied')

Literatur spielte in der Neuen Frauenbewegung eine wichtige Rolle. Verena Stefans Roman, im Verlag Frauenoffensive erschienen, wurde zum Bestseller, zu einer Bibel der noch neuen Bewegung.

"Sexismus geht tiefer als rassismus als klassenkampf."

(Verena Stefan: 'Häutungen', Frauenoffensive München 1975, S.35)

"Männer und Frauen sind gleichberechtigt. […] Niemand darf aufgrund seines Geschlechts benachteiligt oder bevorzugt werden."

Frauen hatten nicht die gleichen Rechte wie Männer, weder bei der Arbeit noch in der Familie. Der Skandal war dabei noch nicht einmal, dass dem ganz und gar nicht so war, sondern dass die Mehrheit der Männer davon überzeugt war, dass es so gut war, dass es so zu sein habe. - Gleichberechtigung nicht nur auf dem Papier, sondern im Leben: als gleiche Macht, gleiche Bezahlung, gleiche Aufgaben. Das galt den allermeisten Männer als feministisch und Hexenwerk, war also undenkbar.

Das Grundgesetz war in diesem Punkt nur Papier. Doch anders als in den 50ern, als die Frauen klaglos von den Fabriken und Schutthalden wieder an den Herd zurückgekehrt waren, rumorte es nun. Der hehre Gleichheitsartikel taugte nach 25 Jahren nicht mehr als Beruhigungsmittel. Die Frauen, zumindest sehr viele, wurden ungeduldig. Es war höchste Zeit, mehr Gleichberechtigung zu wagen! Wandel lag in der Luft. Der Glaube an die Veränderbarkeit der Welt war ungebrochen.

Räume, zu denen Männer keinen Zutritt hatten

Frauenoffensive München, Treffen im Englischen Garten

Es ging den Frauen um 1970 darum, einen Platz in der Gesellschaft einzunehmen, statt sich nur um Kirche, Kinder, Küche zu kümmern. Noch war das Eherecht archaisch, noch empfanden sich die Männer als Krone der Schöpfung. Erst in Räumen, zu denen Männer keinen Zutritt hatten, konnten sich Frauen organisieren und zu einer eigenen Sprache finden.

"Frauen organisieren sich separat, […] weil sie in ihren persönlichen Lebenszusammenhängen die Fremdbestimmung nur individuell bekämpfen können. Wir wissen außerdem, dass viele Frauen, wenn sie mit Männern zusammenarbeiten, Verhaltensweisen entwickeln, die Männer von ihnen erwarten."

(Ursula Krechel: 'Selbsterfahrung und Fremdbestimmung', Darmstadt und Neuwied, 1975, S.12)

Nach fast 40 Jahren lohnt der Blick zurück: Was wurde erreicht? Was gibt es noch zu tun?


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