Bayern 2 - Bayerisches Feuilleton


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Eugen Oker Oberpfälzer Dichter und Spieleerfinder

Der bayerische Autor Eugen Oker war ein Tausendsassa und Homo ludens, wie er im Buche steht. Er hat Bücher geschrieben und auch verlegt, hat gemalt und gedichtet, war Jäger und Sammler von Geschichten für Funk und Fernsehen. - Bernhard Setzwein - ein bayerischer Schriftsteller auch er - ist seinen Lebenslinien gefolgt.

Von: Bernhard Setzwein

Stand: 09.07.2016 | Archiv

Eugen Oker mit seiner Frau Maria Gebhardt vor ihrem Haus in der Münchner Haldenbergerstaße 21 | Bild: Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg

"Des hat mich vielleicht am allermeisten beeindruckt: diese also … die Vielseitigkeit und diese Neugier rundumadum. Der Mann konnt' malen, der Mann hat alle möglichen Absonderlichkeiten gesammelt auch, ja, er hat Hervorragendes, als Schriftsteller natürlich wirklich Großartiges geleistet, und er hat dieses offene Auge gehabt auf alles, und hat auch alles gelten lassen."

(Gerd Burger, Lektor)

Eine "nicht unperfide Heimatkunst"

Der Marktplatz in Schwandorf mit der Kirche St. Jakob

Als 1978 erstmals Eugen Okers Oberpfälzer Mundartgedichte unter dem leicht hinterfotzigen Titel "so wos schüins mou ma soucha" erschienen, meinte der Hamburger Dichterkollege und gesamtdeutsche "Lyrikwart" Peter Rühmkorff, das sei "nicht unperfide Heimatkunst". Heimatkunst auf alle Fälle, denn der 1919 in Schwandorf geborene Erfinder der BR-Sendereihe "Bayern, wo’s kaum einer kennt" liebte und kannte seine Heimat wie nur wenige. Und wenn "nicht unperfide" meinen sollte, dass Oker nie ein Blatt vor dem Mund nahm, dann stimmt auch das. Seine Mitmenschen und vor allem auch sich selbst konnte er in aller Unvollkommenheit und unfreiwilligen Lächerlichkeit beschreiben. Der Realitätsgehalt seiner dreibändigen Autobiographie "Lebensfäden", "Lebenspullover" und "Zahlbar nach dem Endsieg" war so groß, dass sich Oker in seiner Geburtsstadt Schwandorf einen Beleidigungsprozess einhandelte.

Patricia Preuß, Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg | Bild: BR

Patricia Preuß, Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg

"Der Prozess fand 1986 statt und Oker musste in einem Vergleich Schmerzensgeld von 3000 DM zahlen. Die Zahlung übernahm der Süddeutsche Verlag, wo 'Lebenspullover' erschien, die Restexemplare durften noch verkauft werden. Die Klägerin, eine Schwandorferin, sah ihre Eltern verunglimpft, die sie trotz geänderter Namen für jedermann identifizierbar hielt. Es ging um die Beschreibungen 'überspannter Hohlkreuzdrücker' für eine Figur, in der sie ihren Vater zu erkennen glaubte, und 'ungewöhnlich schlampige Frau' für die Figur, in der sie ihre Mutter beschrieben sah. In der Klageschrift wird lang und breit aufgedröselt, warum die Identität der beiden für alle Schwandorfer erkennbar gewesen sein soll."

(Patricia Preuß)

Dieser verlorene Prozess markiert einen Knick in Eugen Okers Biographie

Von diesem Tag an ging er auf deutliche Distanz zu seiner Geburts- und Heimatstadt, besonders als es dann auch noch der damalige Bürgermeister ablehnte, auf einer Festveranstaltung des Bezirks Oberpfalz zu erscheinen, wo Oker lesen sollte. Das Band war zerschnitten. Eugen Oker ist danach nie mehr offiziell in Schwandorf aufgetreten.

Fast schon ein bayerischer Klassiker

Eugen Oker (2.v.r.) erklärt ein Spiel in einer Fernsehsendung mit Werner Schneyder (70er Jahre)

Dabei lässt sich kaum ein humorvollerer und liebenswürdigerer Mensch vorstellen als Eugen Oker. Zeitlebens ist er ein Kindskopf geblieben, ein "homo ludens", alle Spiele interessierten ihn, er war der erste, der in Deutschland "Spielerezensionen" verfasste. Überhaupt war er ein "Allround"-Talent mit skurrilen Einfällen: Am 7.7.1977 um 7 Uhr sieben ließ er 1977 Papierschifferl am Chiemsee zu Wasser, dann wieder erfand er eine "Schirgel"-Post oder sammelte hunderte von Obst-Biggerln in ganz Europa. - In Bernhard Setzweins Feuilleton kommt nicht nur Oker als prächtiger Erzähler selbst zu Wort, sondern auch einige seiner Freunde, Weggefährten, Verwandten erinnern an ihn. Mittlerweile ist er fast schon ein bayerischer Klassiker.

Hier wird der Nachlass von Eugen Oker aufbewahrt:

Buchtipps:

Eugen Oker
... und ich der Fahnenträger
Ein negativer Erziehungsroman – eine unheimlich wahre Satire
Neuausgabe 2010, mit einem Nachwort von Reinhard Wittmann, Klappenbroschur, 152 S., Lichtung Verlag, ISBN 978-3-941306-02-8
Wie war das möglich? Warum konnten sich Adolf Hitler und die Nationalsozialisten in Deutschland durchsetzen und ihr Terrorregime errichten? Das fiktive Tagebuch eines unbedarften Schulbuben und HJ-Fahnenträgers zeigt, wie sich das nationalsozialistische Gedankengut allmählich in den Köpfen breitmacht.


Eugen Oker
Bloß der König und andere Geschichten

Neuausgabe 2009, Klappenbroschur, mit Zeichnungen des Autors, 160 S., Lichtung Verlag, ISBN 978-3-941306-01-1
Der Erzählband enthält 21 wunderbar bayerische Geschichten des Oberpfälzer Schriftstellers Eugen Oker (1919-2006).


Eugen Oker
Zahlbar nach dem Endsieg
Neuausgabe 2008, Klappenbroschur, mit Zeichnungen und zahlreichen Abbildungen aus dem Tagebuch des Autors, 256 S., Lichtung Verlag, ISBN 978-3-941306-00-4
Eugen Oker erzählt die Geschichte des jungen Topografen Fritz Kagerer, der sich zunächst freiwillig zum Kriegsdienst im Zweiten Weltkrieg meldet, am Ende aber desertiert. Dem Oberpfälzer Erzähler gelingt mit seinem autobiografischen Roman ein authentischer Rückblick auf diese unheilvollen Jahre deutscher Geschichte.


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