Bayern 2 - Bayerisches Feuilleton


17

"Die Erwählte" Die Emanzipation der Elisabeth Mann Borgese

Elisabeth Mann war das geliebte "Kindchen" ihres Vaters. In seinen Werken wurde sie im "Gesang vom Kindchen" und als "Lorchen" in der Novelle "Unordnung und frühes Leid" verewigt. Als Einzige der sechs Geschwister konnte sie von einer glücklichen Kindheit und einem Leben berichten, das nicht durch das Verhältnis zu ihrem berühmten Vater belastet wurde.

Von: Kerstin Holzer

Stand: 30.03.2013 | Archiv

Elisabeth Mann Borgese vor einem Foto ihrer Familie | Bild: picture-alliance/dpa

"Ich war als Zwölfjährige begeistert vom Europa-Gedanken, aus purem Idealismus. Und wie weit ist es heute! Das erzähle ich immer meinen Studenten. Die Realisten von heute sind morgen tot. Und die Utopisten von heute sind die Realisten von morgen." - Ausgebildete Konzertpianistin, Verfasserin von Novellen, einziges weibliches Gründungsmitglied des Club of Rome, Mitverfasserin der UN-Seerechtskonvention, engagierte Meeresschützerin - und bis zu ihrem Tod im Jahr 2002 Professorin für Internationales Seerecht an der Universität im kanadischen Halifax: Elisabeth Mann Borgese hat früh ihren Weg aus dem Schatten des berühmten Vaters gefunden. Dabei behauptete sie immer, "sehr scheu" gewesen zu sein - vor allem als junges Mädchen.

Sie war immer Thomas Manns geliebtes "Kindchen"

Thomas Mann

Der öffentlichen Meinung, die Mann-Kinder hätten unter der Kälte und intellektuellen Egozentrik des großen Vaters gelitten, ist sie stets entgegen getreten. Natürlich war sie, man kann es nachlesen, immer das geliebte "Kindchen", neben Erika die "Lieblingstochter" Thomas Manns. Sie war willkommen, erwünscht, geliebt, ohne sich diese väterliche Zuneigung verdienen zu müssen. Doch daran allein kann es nicht liegen, dass Elisabeth als Einzige der Geschwister immer sagte, sie habe "ein glückliches Leben" geführt. Das familiäre Erbe prägte sie - aber es lähmte sie nicht. Und es scheint das Vermächtnis ihrer vitalen Mutter Katia zu sein, das Elisabeth vor der Mannschen Zerrissenheit zwischen Begabung und Labilität bewahrte.

Ausstellung im Literaturhaus München vom 6.3. - 2.6.2013

Eine Sendung von Kerstin Holzer - zur Ausstellung "Elisabeth Mann Borgese und das Drama der Meere", die seit dem 6. März im Münchner Literaturhaus zu sehen ist.

Hörbuchtipp: "Die Kinder der Manns"

Hörbuch "Die Kinder der Manns" | Bild: Hörverlag

Hörbuch "Die Kinder der Manns", Hörverlag (2006)

Verlag: der Hörverlag (21. Juli 2006)
ISBN-10: 3899407741
ISBN-13: 978-3899407747

Thomas Mann zum Vater zu haben, war für die Kinder ein "problematisches Glück", sagte einst Golo Mann. Das einzige der sechs Kinder, das sich von der elterlichen Dominanz befreien konnte, war wohl die temperamentvolle Erika. Klaus galt zwar als liebenswert und hoch begabt, zerbrach aber unter dem Schatten des übermächtigen Vaters. Der spätere Historiker Golo war in den Augen seiner Eltern ein hilfsbereiter Sonderling. Monika nannten sie gar das "dumme Mönle". Elisabeth war als Spätgeborene neben Erika der Liebling des Vaters. Michael, der Jüngste, galt als problematische Persönlichkeit.

Die Kinder der Manns dokumentiert eine außergewöhnliche Familiengeschichte und präsentiert zugleich ein Panorama des 20. Jahrhunderts: sechs spannende und informative Features über die Kinder der Manns mit vielen Original-Tönen der Familie Mann sowie den Stimmen von Rufus Beck, Gert Heidenreich, Sophie von Kessel, Ilse Neubauer u. v. a.


17