Bayern 2 - Bayerisches Feuilleton


33

Böse bayerische Buben Die Band "Sparifankal"

Die "Sparis" waren nicht nur Musiker - Till Obermaier erfand das Wort "Rübelmusik" für den bayerisch-bluesigen Freistil -, sie waren auch Poeten, Philosophen, Philologen, Psychologen und Pädagogen. Ulrike Zöller sprach mit einigen der Bandmitglieder über die Ideale der wilden 70er Jahre, und was daraus geworden ist.

Von: Ulrike Zöller

Stand: 07.05.2016 | Archiv

"Sozialpädagogische Initiative Sparifankal": (l.-r.) Monika Dimpfl, Jan Dosch, Carl Ludwig Reichert, Florian Laber, Till Obermaier,  daneben die Schwestern "Tina und Dödi" | Bild: Carl-Ludwig Reichert

"Mir san ja am Anfang eher so über die 'Artie Fartie'-Szene neikumma", erinnern sich die Sparifankal-Gründer Carl Ludwig Reichert und Till Obermaier-Kotzschmar – und meinen damit die Avantgarde-Kunstszene, Gammler- und Hippietum, politisch-soziales Engagement. Das alles gehörte Ende der 60er und in den beginnenden 1970er Jahren in München zusammen. Als sich der musizierende Kunststudent Till und der bereits bayerisch poetisierende Altphilologiestudent Carl Ludwig durch Vermittlung des linksalternativen Sängers und Produzenten Julius Schittenhelm zusammenfanden, entstand daraus mehr als die erste – und zwischenzeitlich legendäre – bayerische Blues-Band: Ein ganzer Kosmos mit Namen "Sparifankal" wurde geboren.

"Also angesprochen hat uns keiner, weil da war schon so eine völlige Trennung zwischen der ganzen Szene wie MUH, Fraunhofer, das war diese Liedermacherbühne, das war der Ringsgwandl, das war der Willi Michl, das war der Fredl Fesl oder auch  der Zither-Manä. Die wussten von uns, aber die haben nie mit uns gespielt, und hat auch nie einer gefragt, und ich würde auch sagen, dass wir da auch gar nicht reingepasst haben, wir waren halt eine Rockband. Und Rockbands hat's net so viele gegeben, wir waren halt irgendwie 'Ton Steine Scherben' auf Bairisch. Wir haben früher 'Ton Steine Scherben' gehört, das war ja früh dran, wie die ihre erste Platte gemacht, da weiß ich noch, wie wir in Landshut hockten bei einem Bekannten auf dem Bauernhof, und haben unseren Bandbus umgebaut."

(Till Obermaier-Kotzschmar)

Vielseitige musikalische Einflüsse

Paul Kantner von "Jefferson Airplane"

Die "Sparis" waren nicht nur Musiker – Till Obermaier erfand das Wort "Rübelmusik" für den bayerisch-bluesigen Freistil –, sie waren auch Poeten, Philosophen, Philologen, Psychologen und Pädagogen. Das Sparifankal- Konzept war weder ein rein musikalisches, noch ein rein performatives: Selbstverständlich wohnte man zusammen in einer WG, die damals noch "Kommune" genannt wurde und das berufliche wie private Leben bestimmte. Musikalisch beeinflusst wurden Till Obermaier und Carl Ludwig Reichert hauptsächlich vom amerikanischen Blues und Folk, von Crazy Horse, Captain Beefheart, Grateful Dead und vor allem durch Jefferson Airplane. In Bayern wiederum beeinflussten sie mit ihrer Musik und ihrer Haltung eine ganze Generation und genießen – auch als ehemalige Moderatoren beim Bayerischen Rundfunk – bis heute Kultstatus.

Idealvorstellungen vom selbstbestimmten, autarken Leben in der Land-Kommune

Der Leitnerhof, ehemaliger Wohnsitz der "Sparifankal"-Kommune

Der Leitnerhof steht als denkmalgeschützter  Vierseithof in traumhafter Alleinlage auf einem Hügel in Illbach bei Pleiskirchen, im Landkreis Altötting. 1975 kaufte Sparifankal dieses damals renovierungsbedürftige Anwesen. - In der Aufbruchsstimmung der 70er Jahre wollte man alternative Wohnformen ausprobieren und die Idealvorstellungen vom selbstbestimmten, autarken Leben in die Tat umsetzen. Da zudem die Mieten für Wohnungen und Übungsräume in der Stadt rasant angestiegen waren, zogen viele Kommunen aufs Land. Und wurden zu Hausbesitzern. 

Wegen der Agrarkrise dieser Zeit und der damit einhergehenden Landflucht wiederum waren viele Höfe unbewirtschaftet und unbewohnt, verfielen allmählich und wurden von den Hoferben billig verkauft. 100.000 Mark, also etwa 50.000 Euro, kostete der stattliche Hof in Illbach, den Monika Dimpfl und Till Obermaier nach vielen Fahrten quer durch Bayern ausfindig gemacht hatten. Rudi Haunreiter, Jan Dosch, Carl Ludwig Reichert, Monika Dimpfl und Till Obermaier  legten zusammen und erwarben das Gehöft.

Auf dem Land wurden die mutigen, aber doch etwas naiven "Stoderer" von der Lebenswirklichkeit eingeholt: Das verfallende Gebäude musste mit viel Mühe wieder aufgebaut werden. Es waren auf einmal andere  Fähigkeiten gefragt, als in der Sozial- und Kulturarbeit. Immerhin, meint Jan Dosch, der heutige Instrumentenbauer, führte die Arbeit bisweilen zu bahnbrechenden künstlerischen Erkenntnissen!


33