Bayern 2 - Bayerisches Feuilleton


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Pionierinnen in Fels und Eis Frauen im Alpinismus

Von Königin Marie von Bayern bis zu den Munich Mountain Girls: Ein Expeditionsbericht, der von beschwerlichen und beglückenden Touren der Bergsteigerinnen erzählt. Eine kleine Geschichte des Alpinismus aus Frauenperspektive.

Von: Justina Schreiber

Stand: 11.05.2019 | Archiv

"Wir sind alles starke Frauen, die auf jeden Fall an Grenzen gehen und über sich hinauswachsen und starke Leistungen erbringen. Aber eigentlich geht es uns darum, Spaß zu haben, gute Zeit miteinander zu verbringen, die Natur zu genießen und es geht nicht immer darum, möglichst hohe Berge zu besteigen in möglichst kurzer Zeit."

(Steffi Ramb, von den 'Munich Mountain Girls')

Es war kein Spaziergang!

Bergsteigerin an der Waldrastspitze im Stubaital (1910)

Die ersten Bergsteigerinnen ließen sich von nichts und niemandem aufhalten - nicht einmal von ihren Reifröcken oder anderen unpraktischen Begleiterscheinungen weiblichen Lebens.

Sie brauchten viel Mut, um die gefährlichen Wege des Hochgebirges zu erklimmen.

Da konnten sie auch gleich mit den Konventionen brechen und undamenhafte Knickerbocker tragen.

Die Vorurteile erwiesen sich teils als kaum zu bewältigende Überhänge

Bergsteigerin in Pose (1935)

Die Pionierinnen des Alpinismus, die die Frauenemanzipation tüchtig vorantrieben, gehörten meist zur upper class. Denn das musste man sich erst einmal leisten können: diese Frechheit, mit männlichen Höchstleistungen konkurrieren zu wollen!

Außerdem kosteten Ausbildung und Geleit durch heimische Bergführer Geld. Und noch viel mehr! Die Vorurteile erwiesen sich teils als kaum zu bewältigende Überhänge.

Doch irgendwann waren sie oben, ganz oben!

Von Königin Marie von Bayern bis zu den "Munich Mountain Girls"

Die erste Frau auf dem Matterhorn, die erste Frau auf der Zugspitze und die erste Frau auf dem Mount Everest. In ihren Fußtritten wagten sich mehr und mehr Sportlerinnen bis ganz hinauf "on top". So entstanden zahlreiche imaginäre Frauenseilschaften, wie etwa die der kraxelfreudigen Königin Marie von Bayern mit den modernen "Munich Mountain Girls".

Hannelore Schmatz - die erste Frau auf dem Mount Everest

Die Bergsteigerin Hannelore Schmatz bei der Everest-Expedition 1979

Diese Sendung ist Hannelore Schmatz gewidmet, der Frau, die als erste deutsche Bergsteigerin auf dem Dach der Welt stand… und 500 Meter unterhalb des Gipfels starb.

"Frau Hannelore Schmatz und ein weiteres Mitglied der Bergsteigermannschaft kamen beim Abstieg vom höchsten Berg der Erde ums Leben. Bisher sind einige Fragen offen geblieben, so die: warum Frau Schmatz, die als besonnene und erfahrene Alpinistin galt, zum Everestgipfel aufstieg, obwohl sie noch zuvor gesagt hatte, sie wolle auf gar keinen Fall über 8000 Meter hinausgehen."
('Südfunk aktuell', Sendung aus dem Jahr 1979)

An ihren Rucksack gelehnt schien sich Hannelore Schmatz nur auszuruhen.

"Die saß lange am Südgipfel, glaub ich, mit wehendem Haar."
(Billi Bierling, Bergsteigerin)

Jahre lang war ihr von der Kälte konservierter Körper Mahnmal und Wegweiser zugleich, bis ihn wohl jemand – oder etwas – außer Sichtweite beförderte.


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