Bayern 2 - Bayerisches Feuilleton


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Beatlemania in Bayern 50. Jahrestag des Münchner Beatles-Konzerts

Am 18. Juni 2016 feiert Paul McCartney seinen 74. Geburtstag. Erst vor kurzem ist er im Münchner Olympiastadion aufgetreten. Und am 24. Juni vor 50 Jahren spielte er mit den Beatles im Circus Krone. Ein Ereignis, das Geschichte geschrieben hat. Das Bayerische Feuilleton erinnert an das legendäre Doppel-Konzert und den Besuch der Beatles in Bayern. Fans, Manager und Prominente kommen zu Wort - alles Zeitzeugen, die hautnah miterlebten, wie die vier Liverpooler die bayerische Landeshauptstadt in einen Rauschzustand versetzten.

Von: Tom Fleckenstein

Stand: 17.11.2016 | Archiv

200 Polizisten sind im Einsatz und auf das Schlimmste vorbereitet: Krawalle, Radau und Ausschreitungen wie bei dem Besuch der Rolling Stones werden befürchtet, kurz: eine Massenpsychose. Einer der Polizeibeamten: Kurt Gstattenbauer aus Simbach am Inn. Er trägt keine Dienstwaffe an der Hüfte, sondern eine 16mm-Kamera auf der Schulter. Der 36jährige Polizeiobermeister filmt, als die Beatles die Gangway des Flugzeugs betreten und freundlich winken. Ringo Starr mit Sepplhut auf dem Kopf.

"Meine normale Tätigkeit bei der Polizei war ja Sprengstoffsachbearbeiter. Und nachdem nicht jeden Tag ein Flugzeug runtergefallen ist - was auch in unsere Dienststelle reingehört - und nicht jeden Tag ein Sprengstoffanschlag war, haben wir zusätzlich die Schießausbildung übernommen und dann, hieß es, macht ihr noch die Filmerei, die Beweismittelsicherung. So bin ich zur Filmerei gekommen."

(Kurt Gstattenbauer, ehemaliger Polizist)

Die "Abendschau" berichtete damals:

Die Schwabinger Krawalle vom Sommer 1962 wirkten noch nach

Im Juni 1962 war es im Münchner Stadtteil Schwabing zu Straßenschlachten zwischen 40.000 zumeist jugendlichen Demonstranten und dem teils berittenen Polizeiaufgebot gekommen. Danach wurden die Mittel der Beweissicherung durch Polizeifilme ausgebaut.

"Wir haben eine Woche Ausbildung gehabt bei Arnold und Richter über die Handhabung dieser Kameras, andere machen das in Jahren, wir haben das in einer Woche gemacht. Wie hat der Präsident damals gesagt, die Goldene Kamera kann ich ihnen nicht verleihen."

(Kurt Gstattenbauer, ehemaliger Polizist)

Aus Kostengründen wurde auf den Ton verzichtet. Und dennoch ist Kurt Gstattenbauers Material der einzige Farbfilm des Besuchs der Beatles in Bayern. Ein einmaliges Dokument der Zeitgeschichte.

"Bravo"-Chefreporter Thomas Beyl organisierte alles

Chrystal Beyl

Chrystal Beyl lernte die Beatles aus nächster Nähe kennen. Denn sie war die Verlobte von Bravo-Chefreporter Thomas Beyl. Der kannte James Dean und Elvis persönlich. Und jetzt begleitete er exklusiv für die Jugendzeitschrift die Bravo-Beatles-Blitztournee.

"Bei den Beatles war es so, er (Thomas Beyl) durfte, immer wenn er in London war, die Privatwohnung von Paul Mc Cartney nutzen, er durfte die nutzen, wusste, wo der Schlüssel liegt, es war einfach Vertrauen. Der Thomas war derjenige, der sich um alles gekümmert hat, der hat die abgeholt in London, während wir die Begleitpersonen waren, ich hatte damals einen Bravo Mitarbeiter-Ausweis bekommen, weil ich war ja mit dabei, um dem Thomas zu helfen, was er nicht hören konnte, hab ich gehört." (Chrystal Beyl)

Die damals 18jährige Chrystal hatte als Bravo-Mitarbeiterin ein Zimmer im Bayerischen Hof bezogen und beobachtete das Spektakel, als tausende Fans das Hotel belagerten.

"Im Bayerischen Hof war hohe Sicherheitsstufe, unauffällige Personen, die alles bewacht haben. Die hatten ja eine ganze Etage gemietet für die Beatles, mit ihrer Equipage, wo die Beatles untergebracht worden sind, die Presseleute waren woanders untergebracht und keiner konnte da einfach durch. Es wurde alles gecheckt." (Chrystal Beyl)

Totale Hysterie in München

Toningenieur Peter Schenk war der "Herr des Sounds"

Neben Paul McCartney: die angeblich "besten Lautsprecher der Welt"

Zwei Auftritte waren im Circus Krone geplant. Eine Nachmittagsvorstellung und eine Abendshow. Für den Sound war Peter Schenk verantwortlich. Der damals 24jährige Toningenieur baute sogar extra Boxen für die Deutschland-Tournee der Beatles. Der Konzertveranstalter Karl Buchmann und Beatles Manager Brian Epstein gaben die Anlage persönlich in Auftrag.

"Wir haben die besten Lautsprecher der Welt eingebaut. Da haben wir gesagt, es geht nur über die Größe, je mehr Endstufen, umso lauter wird es auf der Bühne. Ich hab die ganze Anlage in einem VW-Bus transportiert. Gitarrenverstärker und Boxen." (Peter Schenk)

Das Geschrei der Fans drohte die Musik zu übertönen

Das Fan-Gekreische übertönte stellenweise die Musik

Lautstärke war auch nötig. Denn die Beatles-Fans brüllten im Circus Krone so laut, dass man von der Musik nichts mehr hörte. Der BR Reporter von 1966 fasste das Ereignis, das München in den siebten Beat-Himmel schweben ließ, so zusammen:

"Es ist wahr, rein musikalisch hat man mehr davon, wenn man sich die Beatles zu Hause vom Plattenspieler einträufelt. Doch könnte man daheim zwischen Bücherbord und Fernsehecke jemals so aus dem Häuschen geraten?"

Beatlemania in den Sixties

Buchtipps:

The Beatles: Eight Days A Week: Mit den Fab Four auf ihrer letzten Welttournee
Herausgeber:
Marcus Hearn
Fotograf: Robert Whitaker
Übersetzerin: Madeleine Lampe
Gebundene Ausgabe: 156 Seiten
Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf (29. August 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3896028596
ISBN-13: 978-3896028594

Die Bravo-Beatles-Blitztournee Fünf Tage Beatlemania in Deutschland im Juni 1966: 50 Jahre Edition
Autor:
Thorsten Knublauch
Gebundene Ausgabe: 300 Seiten
Verlag: Books on Demand; Auflage: 5 (4. Januar 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3842353561
ISBN-13: 978-3842353565


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