Bayern 2


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Zwischen Schaubachhütte und Suldenspitze Schneeschuhwandern unter der Königsspitze

Wer im März und April mit Schneeschuhen wandern möchte, der muss hoch hinaus. Das Ortlergebiet eignet sich gut dafür. Ausgangspunkt ist Sulden mit der Schaubachhütte.

Von: Ernst Vogt

Stand: 09.03.2018

Unterwegs zwischen Schaubachhütte und Suldenspitze  | Bild: BR; Ernst Vogt

Das berühmte Dreigestirn

Das Bergdorf Sulden liegt bereits auf 1900 Metern Höhe. Zur Schaubachhütte auf 2580 Metern kann man am Rande der Abfahrtspiste zu Fuß aufsteigen oder mit der Seilbahn hinauffahren. Von dort zieht man seine Spur über sanfte Moränenmulden hoch zum Suldenferner mit seinen imposanten Eisbrüchen. Eindrucksvoller könnte die Kulisse kaum sein: mit dem Dreigestirn Ortler, Zebru und Königsspitze.

Froh um Föhn

Ab und zu reißt es auf

Unser Ziel ist die Suldenspitze, 3376 Meter hoch. Aber der Gipfel versteckt sich. Ein Gemisch aus Wolken und Nebel hüllt wie eine wallende Decke die Berge um uns herum ein. Olaf Reinstadler, Leiter der Bergrettung Sulden und Bergführer, legt die Spur mit traumwandlerischer Sicherheit an. Und er ist froh um den kräftigen Föhn, „damit es mal wieder aufreißt und wir nicht die ganze Zeit im Nebel laufen müssen“.

Hintergrat und Königsspitze-Nordwand

Interview im Sturm

Die Eisbrüche des Suldengletschers glitzern furcheinflößend. Wir bewegen uns in einer anderen Welt. Aber die Ausblicke sind selten. Wir sehen ein Stück vom Hintergrat in Richtung Ortlergipfel und einen Ausschnitt aus der Nordwand der Königsspitze. „Konditionell ist es schon a bissl anstrengend“, meint Olaf Reinstadler, „von der Seilbahn bis zum Gipfel der Suldenspitze sind es 800 Höhenmeter“. Mit zweieinhalb bis drei Stunden Aufstiegszeit müssten wir schon rechnen.

Mit Klettergurt, Lawinenschaufel und Sonde

Los geht die Schneeschuhtour im Bereich der Schaubachhütte. Gleich nach wenigen Minuten erreichen wir eine Lawinenpieps-Check-Station. Jeder, der vorbeigeht, wird kontrolliert, ob sein Verschütteten-Suchgerät ordnungsgemäß funktioniert. Bei Olaf Reinstadler steht Sicherheit an erster Stelle. Ohne Lawinenpieps geht er nicht los; Schaufel und Sonde sind im Rucksack, die Klettergurte haben wir angelegt und das Seil ist mit dabei.

Gipfel im Nebel

Origineller Wegweiser

Nach zwei Stunden haben wir die Dreitausender-Grenze überschritten. Aber das Wetter hat sich weiter verschlechtert. Es fängt an zu graupeln. „Viel alpiner muss es jetzt nicht mehr werden“, meint unsere Mitwanderin Inge. Wenn der Nebel herunterdrückt, kommen wir uns phasenweise wie im „Whiteout“ vor. Aber Olaf Reinstadler kennt sich auf dem Suldenferner hervorragend aus. Er hat den Aufstieg über den Gletscher gewählt, weil dort der Schneedeckenaufbau gut ist. Aber auch sonst ist es für uns ein einzigartiger Tag: Geheimnisvolle Wolkenstimmungen wechseln zwischen drohend dunkel und heiter aufgehellt. Wir treffen keine Menschenseele im weiten Rund unterhalb der Königsspitze. Im Nebel wird der Gipfel unwichtig. Für uns ist bei etwas über 3000 Metern Schluss.

Größte Sammlung von Ortler-Bildern

Original-Ausrüstung

Das Weitergehen nach oben ist nicht verlockend. Verlockender ist die Aussicht auf einen Kaiserschmarrn in der Schaubachhütte. Anschließend lassen wir unseren Schneeschuhtag bei einem Besuch im Messner Mountain Museum Ortles ausklingen. Das Museum ist dem Thema „Eis“ und dem „Ortler“ gewidmet. Dort sind u.a. Ausrüstungsgegenstände aus zwei Jahrhunderten ausgestellt: von den Steigeisen des Münchener Kletterers Willo Welzenbach bis zum Eispickel, den „Pseirer Josele“ bei der Ortler-Erstbesteigung im Jahr 1804 benutzt hat. Museumsleiter Robert Eberhöfer, ebenfalls Mitglied der Bergrettung Sulden, deutet auf die klobigen genagelten Schuhe und die Holzski. „Vor den Bergsteigern aus dem letzten Jahrhundert muss man seinen Hut ziehen“, sagt er. Bekannt geworden ist das Messner-Museum in Sulden u.a., weil es die weltweit größte Sammlung von Ortlerbildern enthält.

Die Wintersaison läuft in Sulden am Ortler noch bis 1. Mai. Auch das MMM Ortles hat bis einschließlich 1. Mai geöffnet. Täglich von 14 bis 18 Uhr. Am Dienstag ist Ruhetag. Das Museum wird dann am 4. Sonntag im Mai wiedereröffnet und kann bis Mitte Oktober besucht werden. http://www.messner-mountain-museum.it/ortles/museum/       

Die Königsspitze


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