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Schmerztherapie Schmerz muss behandelt werden

Jeder Schmerz bei Kindern ist 'behandlungsbedürftig'. Dafür braucht es aber nicht immer einen Arzt oder Medikamente. Auch elterlicher Trost oder ein Stück Schokolade können im Einzelfall eine Art 'Therapie' sein. Reicht das alleine nicht, ist der nächste Schritt, die schmerzende Stelle zu kühlen.

Stand: 12.10.2018

Jeder Schmerz bei Kindern ist 'behandlungsbedürftig'. Im Bild: Baby bei der Verabreichung eines Zäpfchens in die Nase. | Bild: colourbox.com

Erst, wenn auch das nichts mehr hilft, kommen leichte Schmerzmittel wie Ibuprofen zum Einsatz. Gleichzeitig sollte dann ein Arzt aufgesucht werden.

Schmerztherapie ohne Medikamente

Bei Kleinkindern hilft oft schon Trost gegen den Schmerz. Im Bild: Kleinkind daumenlutschend auf dem Arm eines jungen Mannes. | Bild: colourbox.com

Ein wenig Trost hilft bei Kleinkindern oft schon gegen den Schmerz.

Bei Kindern mit chronischen Schmerzen müssen oft nicht-medikamentöse Therapiemethoden angewandt werden, da sie auf Medikamente nicht ansprechen. Meist wird dann in einer sogenannten 'multimodalen Therapie' zusammen mit dem Patienten ein individuelles Anti-Schmerz-Programm erstellt, in das verschiedene Ärzte und Therapeuten Behandlungselemente einbringen. Solche Therapieprogramme werden in speziellen Einrichtungen zur Schmerzbehandlung angeboten.

Elemente nicht medikamentöser Schmerzbehandlung

Zu den Elementen nicht medikamentöser Schmerztherapie können gehören:

  • Altersgerechte Entspannungsmethoden (bei kleinen Kindern z.B. Phantasiereisen)
  • Wärme- oder Kälteanwendungen
  • Übungen mit dem Igelball (z.B. um Gegenreize zu setzen)
  • verhaltenstherapeutische Hilfen im Umgang mit dem Schmerz
  • Förderung von körperlicher und geistiger Aktivität (Devise: nicht immer nur Schmerz erleiden)
  • Schulung über Ursachen des Schmerzes und die Schmerzverarbeitung
  • Aktivierung

Zur Therapie können grundsätzlich sowohl Maßnahmen gehören, die vom Schmerz ablenken, als auch solche, die helfen, ihn bewusst wahrzunehmen und aktiv zu bekämpfen.

Darf Schmerztherapie wehtun?

Grundsätzlich sollte Schmerztherapie mit so wenig zusätzlichen Schmerzen wie möglich verbunden sein. In einigen Ausnahmefällen – wie etwa bei sehr fortgeschrittenen regionalen Schmerzstörungen (z.B. ein Fuß, der wegen Schmerzen nicht mehr benutzt wird und seine Funktion deshalb nicht mehr erfüllen kann) – ist das jedoch nicht ganz zu vermeiden.

Qualität der Schmerztherapie für Kinder

Die schmerztherapeutische Versorgung von Kindern in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren - zumindest im Akutbereich - erheblich verbessert. Bei der Behandlung von chronischen Schmerzen sieht es dagegen leider anders aus. Sowohl im Kinder- als auch im Erwachsenenbereich gibt es zu wenige speziell ausgebildete Schmerztherapeuten.

"Es fehlen vor allem spezielle Therapieeinrichtungen für Kinder und Jugendliche und der entsprechende Fortbildungsweg für Kinderärzte. Viele unserer Patienten sind schmerztherapeutisch bereits seit Monaten oder gar Jahren unterversorgt, bevor sie zu uns kommen."

Prof. Dr. Johannes-Peter Haas, Ärztlicher Leiter der Kinderklinik Garmisch-Partenkirchen

Medikamente gegen Schmerzen

Medikamente werden vor allem größeren Kindern zur Schmerzlinderung verabreicht.

Medikamente kommen vor allem in der Behandlung von akuten Schmerzen bei größeren Kindern zum Einsatz. Je nach Stärke des Schmerzes werden folgende Präparate eingesetzt:

  • Glukose: Vor allem bei Frühchen und Säuglingen reduziert die orale Gabe von Zucker – etwa bei Blutabnahmen – das Schmerzempfinden.
  • Lokalanästhetika (z.B. Lidocain oder Eis) zur Betäubung einzelner Stellen helfen etwa, wenn Kinder häufiger gestochen werden müssen oder bei Operationen.
  • Leichte Schmerzmittel (Ibuprofen, Paracetamol) hemmen die Herstellung schmerzvermittelnder Proteine im Körper.
  • Metamizol bekämpft stärkere Schmerzen. Es darf aber nur unter ärztlicher Kontrolle eingenommen werden, da das Blutbild kontrolliert werden muss.

Wichtig: Bei Säuglingen und Kleinkindern kommen (mit Ausnahme vor allem der Glukose) deutlich weniger Medikamente zum Einsatz, weil viele Mittel für diese Altersgruppe nicht zugelassen sind!

Opiate: Morphin in der Schmerztherapie

Das Problem bei der Anwendung von Opiaten in der Schmerztherapie sind ihre unerwünschten Nebeneffekte: Viele von ihnen machen entweder euphorisch oder müde. Außerdem besteht – wie bei nahezu allen Schmerzmitteln – die Gefahr einer Abhängigkeit. Deshalb waren Opiate wie Morphin in der Schmerztherapie für Kinder lange komplett verpönt. Heute hat man die Gefahr einer Abhängigkeit besser im Griff. Darüber hinaus hat Morphin einen großen Vorteil: Im Gegensatz zu anderen Mitteln verursacht es bei richtiger Dosierung keine Organschäden!

Antidepressiva und Narkotika

Auch einige Antidepressiva haben einen gewissen schmerzstillenden Effekt, aber natürlich auch starke Nebenwirkungen auf die Psyche. Deshalb werden sie - gerade bei Kindern und Jugendlichen - nur selten eingesetzt. Narkotika nehmen dem Patienten nicht nur den Schmerz, sondern auch das Bewusstsein und finden daher praktisch nur bei Operationen Verwendung.

Dosierung von Schmerzmitteln bei Kindern

Wie Schmerzmittel bei Kindern dosiert werden, hängt von ihrem Alter, ihrem Gewicht und ihrer Körpergröße ab. Außerdem gilt es abzuschätzen, wie heftig der Schmerz wird und wie lange er voraussichtlich andauert. Das ist deshalb notwendig, weil die Wirkung einiger Schmerzmittel sofort aufhört, sobald ihre Gabe (etwa über eine Infusion) unterbrochen wird. Andere Mittel sollten aus Gründen der Verträglichkeit möglichst nicht zu lange verabreicht werden.

Folgen nicht behandelter Schmerzen

Werden Schmerzen in einem sehr frühen Lebensalter nicht oder nur unzureichend behandelt, kann das dazu führen, dass der Betroffene später Schmerzen stärker empfindet, stärker als andere mit Stress auf Schmerzen reagiert oder eine geringere Schmerztoleranz entwickelt. Gleichzeitig wächst auch die Gefahr, irgendwann eine chronische Schmerzstörung mit überdurchschnittlich ausgeprägten Symptomen zu erleiden.


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