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Eigeninitiative Was kann ich selbst tun?

Schmerzpatienten können viel für sich selber tun. Denn zahlreiche Therapien können nach Anleitung zu Hause alleine durchgeführt werden.

Stand: 12.10.2018

Frau bei Yoga-Übungen | Bild: colourbox.com

Zur Eigenverantwortung der Patienten gehört auch, gestörte Körperfunktionen durch Übungen zu verbessern.

"Es gibt sogenannte postisometrische Entspannungsübungen (PIR), die weder durch Massage noch durch Krankengymnastik ersetzt werden können. Nur der Patient selbst kann sie ausführen. Viele dieser Übungen sind hochwirksam, wenn sie täglich gemacht werden."

Dr. Müller-Schwefe

Trankskutane elektrische Nervenstimulation TENS

Die trankskutane elektrische Nervenstimulation, kurz TENS genannt, ist ein Verfahren, das dazu dient, die körpereigene Schmerzkontrolle zu aktivieren. Aufgelegten Hautelektroden wird Strom zugeführt und somit die Produktion körpereigener Endorphine angeregt. Im Rahmen der Schmerztherapie werden die entsprechenden Körperstellen wie auch die Stromform vom Arzt ausgetestet. Anschließend können Patienten das Verfahren selbstständig täglich zu Hause anwenden.

Von Fakiren lernen

Schmerzpatienten können sich durch sogenannte psychologische Schmerztherapieverfahren selbst helfen.

Diese Verfahren arbeiten häufig mit Visualisierungen, also mit Vorstellungen und Bildern, die die Patienten in bestimmten Situationen aufrufen und für sich wirksam einsetzen können. Auf diese Weise kann die körpereigene Schmerzkontrolle sehr gut aktiviert werden.

Auch extreme Schmerzen sind beeinflussbar

Hochwirksam ist auch das Biofeedbackverfahren. Hier lernen die Patienten, biologische Signale wie die Muskelspannung, die sie normalerweise nicht registrieren, wahrzunehmen und dann zu beeinflussen. Diese Verfahren wirken auch bei starken oder chronischen Schmerzen. Voraussetzung ist allerdings, dass man die Patienten vorher in einen Zustand bringen muss, der es ihnen ermöglicht, Eigeninitiative einzubringen. Hierzu benötigt der Schmerztherapeut häufig Medikamente.

Dr. Marianne Koch zu neuen Behandlungschancen:

"Ein neues Behandlungsmodell wird derzeit im Rahmen der "Integrierten Versorgung" von einigen Kassen unterstützt und hat sich als hoch wirksam herausgestellt: Patienten, die seit Wochen an Rückenschmerzen leiden, werden von ihrer Kasse zu einer zunächst vierwöchigen Intensivtherapie ausgewählt. Das bedeutet, dass sie in besonderen Schmerzzentren bis zu fünfmal wöchentlich interdisziplinär von Schmerztherapeuten, Physiotherapeuten und Schmerzpsychologen behandelt werden. Sollten ihre Beschwerden nach vier Wochen noch nicht so gebessert sein, dass sie wieder arbeitsfähig sind, dann kann sich daran noch einmal eine Behandlungszeit von bis zu vier Wochen anschließen. Erfreulicherweise hat sich gezeigt, dass die Behandlungserfolge hervorragend sind - 92 Prozent der Patienten waren spätestens nach acht Wochen wieder arbeitsfähig, in der normalen Versorgung sind dies nur 53 Prozent. Und die Patienten waren äußerst zufrieden, auch wenn sie eine Menge selbst für ihre Genesung tun mussten. Bezahlt wird diese Komplextherapie durch die an dem Modell teilnehmenden Kassen, die auf diese Weise Krankengeld sparen."

Tipps zur Vorbereitung auf eine Schmerztherapie

  • Hilfreich ist es, wenn man schon vor dem ersten Besuch beim Schmerztherapeuten einen sogenannten Schmerzfragebogen ausfüllt. Er umfasst nicht nur Fragen zu Dauer, Zeitpunkt und Intensität der Schmerzen, sondern geht auch auf Beeinträchtigungen im häuslichen und beruflichen Bereich ein. Durch die Auseinandersetzung mit diesen Fragen gewinnt das Erstgespräch mit dem Arzt an Effizienz.
  • Vor Beginn einer Schmerztherapie erweist sich das Führen eines Schmerztagebuchs als sinnvoll. In Vordrucken, die zum Beispiel über die Deutsche Schmerzliga zu erhalten sind, notiert man unter anderem über den Tage hinweg die Schmerzintensität.

Einen Schmerztherapeuten finden

Eine erste Anlaufstelle (auch telefonisch) bietet die Deutsche Schmerzliga. Sie vermittelt Adressen von Schmerzexperten in der jeweiligen Gegend und bietet für viele weitere Probleme Lösungen an.

Beratungs-/Schmerztelefon der Deutschen Schmerzliga:
069 / 20 019 019
montags / mittwochs / freitags in der Zeit von 9:00 – 11:00 Uhr 
Aber: montags von 18:00 – 20:00 Uhr unter der Telefonnummer: 06201 / 60 49 415


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