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Warnsignale Wie sich ein Schlaganfall ankündigt

Etwa die Hälfte aller Gehirninfarkte kündigt sich an. In dieser Vorphase treten Warnsignale auf. Würden sie rechtzeitig erkannt und behandelt, ließe sich die Zahl der späteren, größeren Schlaganfälle halbieren.

Stand: 08.03.2018

Kurzzeitiges Erblinden auf einem Auge kann ein Warnsignal für einen Schlaganfall sein  - im Bild: Mann mit Kopfschmerzen und Sehstörungen | Bild: John Foxx Images

Der Fachbegriff für diese Anzeichen lautet transistorische ischämische Attacken, kurz TIA. Diese Durchblutungsstörungen führen zu neurologischen Ausfällen, die sich innerhalb von 24 Stunden zurückbilden. Sie äußern sich etwa durch Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen oder Sehbeeinträchtigungen.

Wie sich Schlaganfälle ankündigen

Klassische Warnsignale sind

  • die kurzfristige halbseitige Lähmung
  • die kurzzeitige halbseitige Gefühlsstörung
  • Doppelbilder
  • akuter Schwindel sowie
  • akute Kopfschmerzen
  • kurzzeitige Sehstörungen

"Eine charakteristische Störung wird häufig verkannt: Das kurzfristige, oftmals nur für Sekunden andauernde Erblinden auf einem Auge. Dieses Erblinden tritt auf, wenn im Bereich der Halsschlagader eine Verengung sitzt, aus der kleine Gerinnsel ins Auge gespült werden und so die Augenarterie kurzzeitig verschließen. Die Patienten schildern, dass das Auge kurzfristig komplett schwarz wurde und sie erst nach Sekunden, teilweise auch Minuten, wieder sehen konnten. Denn diese Gerinnsel lösen sich selbst wieder auf. Die meisten denken, ihnen sei etwas ins Auge geflogen, und ignorieren dieses Warnsignal. Immer wieder habe ich Patienten, die mit einem großen Schlaganfall kommen und von diesen kurzen Erblindungssymptomen berichten."

Neurologe Prof. Gerhard Hamann

Tipp: Wann man den Arzt aufsuchen sollte

Bei derartigen Warnsignalen sollte man unbedingt zum Arzt gehen. Wird nach einem kurzfristigen Erblindungssymptom zum Beispiel eine Verengung der Halsschlagader entdeckt, kann die Stelle aufgedehnt (und mit einem Stent versorgt) oder operiert werden. So kann ein größerer Schlaganfall meist verhindert werden. Jede kurzfristige neurologische Störung sollte Grund genug sein, um mit dem Arzt darüber zu reden. Prof. Hamann: "Es gibt natürlich auch banale Ursachen für manche Störung. Beispielsweise kann ein Taubheitsgefühl im Arm schlicht daher rühren, dass man auf diesem Arm geschlafen hat. Aber ein Laie kann nicht entscheiden, welche Signale ernst zu nehmen sind und welche nicht. Diese Unterscheidung muss der Arzt treffen.“

Vorlaufzeit der Warnsignale

Die Vorlaufzeit kann von wenigen Minuten bis zu Wochen gehen.

Untersuchungen zur Früherkennung

"Hat jemand gestern beispielsweise kurzfristig auf einem Auge nicht mehr gesehen, wird kontrolliert, ob eine Verengung der Halsschlagader vorliegt oder etwa eine Verengung der Gefäße im Gehirn."

Neurologe Prof. Gerhard Hamann

Dies geschieht durch Ultraschalluntersuchung. Man wird zudem das Blut auf Auffälligkeiten hin untersuchen und auch eine neurologische Untersuchung durchführen, um zu sehen, ob eventuell Störungen zurückgeblieben sind.

Wichtig

Jede Untersuchungsmethode hat ihren Graubereich. Selbst wenn jemand nach einer kurzfristigen Durchblutungsstörung untersucht wird, gewinnt man keine absolute Sicherheit. Aber das Risiko, dass die Hinweise auf einen Gehirninfarkt übersehen werden, liegt unter fünf Prozent.


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