Bayern 2


22

Ursachen und Risikofaktoren Gründe für einen Schlaganfall

Risikofaktor Nummer eins für den Schlaganfall ist ein hoherder Bluthochdruck. Würde man den Blutdruck regelmäßig messen und konsequent behandeln, ließe sich die Hälfte aller Schlaganfälle vermeiden.

Stand: 08.03.2018

Schlaganfall-Risikofaktor Nummer eins ist ein hoher Blutdruck - im Bild: Junge Frau bei der Blutdruckmessung | Bild: colourbox.com

Neben dieser Hypertonie erhöhen auch Herzerkrankungen, insbesondere das Vorhofflimmern, Blutfettstoffwechselstörungen, Arteriosklerose und Diabetes mellitus die Gefahr, einen Schlaganfall zu erleiden. Eine bislang häufig unterschätzte Rolle spielen auch genetische Veränderungen.

Welche Vorerkrankungen Schlaganfall begünstigen

Kardiale Erkrankungen erhöhen das Risiko eines Schlaganfalls sehr deutlich. Zum Beispiel rechnet man damit, dass rund zehn Prozent aller Patienten in den ersten sechs Wochen nach einem Herzinfarkt einen Schlaganfall erleiden. Bei Patienten mit Vorhofflimmern liegt das Hirninfarktrisiko bei 15 Prozent pro Jahr, wenn sie nicht behandelt werden.

Definition Vorhofflimmern

Vorhofflimmern ist eine Art von Rhythmusstörung, bei der das Herz in den Vorhöfen elektrisch so schnell erregt ist, dass sich diese gar nicht mehr bewegen und praktisch still stehen. In den Vorhöfen gibt es sogenannte Vorhofohren, auch Herzohren genannt, weil sie an die Form der Ohren erinnern. Fließt nun das Blut sehr langsam in diese Herzohren, kann es dort gerinnen. Wenn dann das Herz zwischenzeitlich einen normalen Rhythmus bekommt und der Vorhof schlägt, wird das Blutgerinnsel herausgespült und kann in das Gehirn wandern. Dort kommt es dann zum Schlaganfall.

"Es gibt eine wichtige Untersuchung zu Löchern in der Herzscheidewand. Dieser Bereich des Herzens trennt den rechten und linken Vorhof. Ein Drittel aller Menschen hat dort eine Öffnung, das sogenannte ovale Loch. Diese Öffnung ist kein echter Herzfehler, sondern nur eine Anomalie, und spielt normalerweise keine Rolle. Wenn man aber hustet oder presst, kann es passieren, dass Blut aus dem rechten Vorhof in den linken Vorhof übertreten kann - was normalerweise nicht sein soll. Wenn ausgerechnet in diesem Moment ein Gerinnsel im Blut schwimmt, weil man zum Beispiel eine unerkannte Beinvenenthrombose hat, dann kann es nach links schlüpfen und nach oben ins Gehirn gespült werden."

Neurologe Prof. Gerhard Hamann

Warum Arteriosklerose den Schlaganfall fördert

Wenn sich die Arterien verändern, verhärten sie nicht nur, sondern durch Kalkeinlagerungen verringert sich auch der Durchmesser des Gefäßes. Es kommt zu Einengungen (Stenosen) oder flächigen Veränderungen der Gefäßwand (Plaques). Das kann direkt zum Schlaganfall führen: Wenn typischerweise Plaques aufreißen, setzt sich sofort ein Blutgerinnsel darauf und sichert diese Stelle ab, damit das Blut vorbeifließen kann. Doch dieses Gerinnsel kann so groß werden, dass die Arterie ganz verschlossen wird. Es können sich auch aus dem Gerinnsel kleine Teile lösen und in das Gehirn gespült werden.

Rolle von Diabetes

Diabetes begünstigt die Entwicklung arteriosklerostischer Gefäßwandverletzungen und damit mittelbar Gehirninfarkte. Zudem kommt es gehäuft zum Auftreten von mikroangiopathischen Hirninfarkten (Erkrankung der kleinen und kleinsten Hirngefäße).

Bluthochdruck: Risikofaktor Nummer eins für Schlaganfälle

Hypertonie fördert Arteriosklerose und damit indirekt Gehirninfarkte.

Bei der intrazerebralen Blutung, also bei der direkten Blutung ins Gehirn, sind Patienten, die einen meist unbehandelten hohen Blutdruck haben, ebenfalls eine der Hauptrisikogruppen. Ursächlich für die Schlaganfallart "Subarachnoidalblutung“ sind fast immer Blutungen aus Gefäßmissbildungen.

"Für die Auslösung ist häufig ein Blutdruckanstieg verantwortlich: Wenn man zum Beispiel bei kaltem Wetter aus der warmen Wohnung ins Freie tritt, steigt durch diesen Kältereiz der Blutdruck. Gleiches kann auch heftige Aufregung bewirken."

Neurologe Prof. Gerhard Hamann

Genetisch bedingte Veränderungen als Ursache für Schlaganfälle

Bei der Subarachnoidalblutung sind die Gefäßmissbildungen genetisch bedingt. Auch viele der klassischen Risikofaktoren, die zum Gehirninfarkt führen, sind zum Großteil genetisch bedingt. Genetische Erkrankungen führen beispielsweise dazu, dass man hohen Blutdruck entwickelt und daraufhin einen Schlaganfall erleiden kann. Auch weniger bekannte Erkrankungen sind in den vergangenen Jahren in den wissenschaftlichen Blickpunkt gerückt.

Zum Beispiel Homozystein

Wenn diese Aminosäure vermehrt im Blut vorkommt, ist dies mit vorzeitiger Arteriosklerose verbunden und verursacht damit auch Schlaganfälle. Man hat festgestellt, dass es im Aminosäurestoffwechsel eine genetische Komponente gibt, die den Abbau dieses Homozysteins stört, sodass es sich im Blut anreichern kann. Diese Störung kann mit Vitamin B 12 und Folsäure reduziert werden.

"Allerdings kann zwar Homozystein durch die Gabe von Vitamin B12 und B 6 gesenkt werden, aber leider, wie neuere Untersuchungen zeigten, senken die Hormongaben nicht die Rate von vaskulären Komplikationen wie auch Schlaganfällen."

Prof. Hamann, Neurologe in Wiesbaden

Zum Beispiel erbliche Gerinnungsstörungen

Bestimmte Bluteiweiße führen dazu, dass das Blut leichter gerinnt. Junge Frauen können deswegen nach einer Geburt, wenn das Gerinnungssystem durch die große Wundfläche in der Gebärmutter besonders aktiviert ist, Schlaganfälle bekommen - vorausgesetzt sie haben eine bestimmte Gerinnungsanomalie.

"Wenn also Schlaganfallpatienten keine der gängigen, sogenannten klassischen Risikofaktoren haben, überprüfen wir mittlerweile auch seltene Risikofaktoren"

Neurologe Prof. Hamann


22