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Erste Hilfe Was man sofort tun sollte

Das Wichtigste ist, dass man überhaupt an den Schlaganfall denkt, wenn man bei einem Menschen plötzliche neurologische Ausfälle beobachtet. Die Ausfallserscheinungen können sehr unterschiedlich sein.

Stand: 08.03.2018

Bei einem Schlaganfall ist die Akutbehandlung entscheidend über dessen Folgen - im Bild: ein Notarzt | Bild: fStop Images

Zum Beispiel liegt eine neurologische Ausfallserscheinung dann vor, wenn man nicht mehr in der Lage ist zu reden, zu gehen, seine Arme oder Beine zu bewegen oder zu schlucken.

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Die Symptome eines akuten Schlaganfalls zeigen sich im Gesicht, an der Sprache und an den Armen. Hier geht's zur Anleitung:

Zeit ist Hirn

Dann gilt: 'Zeit ist Hirn!' und 'Schlaganfall- jede Sekunde zählt!' Man sollte sofort den Notarzt oder die Rettungsleitstelle verständigen, damit der Kranke umgehend in das nächstgelegene Zentrum gebracht wird. Die Telefonnummer lautet 112.

"Auf keinen Fall sollte man den Patienten selbst ins Auto packen, um ihn zum Arzt oder ins Krankenhaus zu bringen, denn wenn unterwegs eine Verschlechterung eintritt, wird alles noch komplizierter."

Neurologe Prof. Gerhard Hamann

Jede Minute zählt!

Nur innerhalb der ersten viereinhalb Stunden nach dem Schlaganfall kann man eine sogenannte Thrombolyse durchführen, also das Gerinnsel im Gehirn medikamentös auflösen. Das Medikament heißt rt-PA und wird auch beim Herzinfarkt eingesetzt. Damit erreicht man eine deutlich bessere Prognose für den Patienten, etwa 30 Prozent weniger bleibende Behinderung. Viereinhalb Stunden sind sehr wenig Zeit: Wenn der Patient morgens um 8.00 Uhr zu Hause zusammenbricht, erscheint der Notarzt circa um 8.30 Uhr. Bis der Patient in der Klinik ist, ist es vielleicht schon 9.00 Uhr. Bis die Untersuchungen durchgeführt sind, vergeht oft leider noch eine Stunde. In vielen Klinken gelingt es heute diese Zeit zu verkürzen und mehr Patienten besser zu helfen.

Erste-Hilfe-Maßnahmen

  • Vor allem sollte ein Laie den Notarzt oder die Rettungsleitstelle rufen.
  • Wenn der Patient Schluckstörungen hat, kann man ihn in die stabile Seitenlage bringen. Dies gilt insbesondere auch, wenn sich jemand erbrochen hat oder die Gefahr hierfür besteht.

"Mehr kann ein Laie nicht tun. Auch der Notarzt kann nicht viel mehr tun, als einen venösen Zugang zu legen und den Patienten mit Flüssigkeit zu versorgen. Denn es gilt die Regel: Keine spezifische Therapie vor dem eigentlichen Krankenhausaufenthalt!"

Neurologe Prof. Gerhard Hamann

Stroke Unit – was das ist

Ideal ist dafür eine sogenannte Stroke Unit, also eine spezielle Schlaganfalleinrichtung. Dort wird man versuchen, innerhalb kurzer Zeit mittels neurologischer Untersuchungen, Laboruntersuchungen, EKG, einer Computertomographie des Gehirns und einer Ultraschalluntersuchung zu klären, welche Art von Schlaganfall vorliegt, und dann entsprechend therapieren.

Thrombektomie bzw. mechanische Rekanalisation

Darstellung einer thrombovaskulären Therapie | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Thrombektomie Spezielle Behandlung bei Schlaganfall

Die sogenannte 'Thrombektomie' oder 'mechanische Rekanalisation' ist ein Verfahren, um ein im Rahmen eines Schlaganfalls entstandenes Blutgerinnsel (Thrombus) aus einem Hirngefäß zu entfernen. [mehr]

Im Jahre 2014 und Anfang 2015 kam es zu einer Art Revolution der Akuttherapie des Schlaganfalls. Fünf Studien zur katherterbasierten mechanischen Gefäßwiedereröffnung sind mit positiven Ergebnissen veröffentlicht worden. 2016 kamen noch zwei weitere positive Studien hinzu. Rund 25 Prozent Effektstärke von Verbesserungen innerhalb von sechs Stunden nach Schlaganfallbeginn sind hier zu erreichen. Bei diesem Verfahren der mechanischen Rekanalisation wird ein Katheter meist über die Leiste eingeführt, bis zu dem verschlossenen Hirngefäß vorgeführt, wo der Verschluss mit einem sogenannten Stent-Retriever überstentet und nach einiger Zeit mitsamt Stent und Blutgerinnsel wieder entfernt wird. Im Resultat gelingt es, ca. 90 Prozent der verschlossen Hirngefäße oft innerhalb kurzer Zeit (30 - 60 min) zu öffnen. Dieses Verfahren ist extrem wirksam und effektiv für eine Gerinnselentfernung und verbessert den klinischen Zustand des Patienten signifikant. Es eignet sich vor allem für schwere Schlaganfälle und wird in den nächsten Jahren für fünf bis zehn Prozent aller Schlaganfallpatienten eine gute Alternative sein. Derzeit etablieren sich überall Netzwerke, die die Patientenzuverlegungen und -rückverlegungen organisieren, um für Patienten diese hochspezialisierte Therapie anzubieten.


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