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Schädliches Schwermetall Was Quecksilber so gefährlich macht

Am 10. Oktober 2013 haben rund 90 Staaten das sogenannte Minamata-Protokoll unterzeichnet. Benannt ist das Protokoll nach einer japanischen Stadt, in der in den 50er-Jahren Tausende Menschen durch quecksilberhaltige Abfälle aus einer Chemiefabrik vergiftet wurden und starben. Ziel der Vereinbarung ist es, den Ausstoß von Quecksilber weltweit einzudämmen. Was ist aus diesem Vorhaben geworden?

Von: Uwe Pagels

Stand: 10.10.2018

Quecksilber, kleine Menge in einer Petrischale | Bild: picture-alliance/dpa/WILDLIFE/D.Harms

Ein Gespräch mit Manfred Santen, Diplom-Chemiker bei Greenpeace und Experte für Schadstoffe wie Quecksilber.

radioWelt: Was macht Quecksilber so gefährlich für den Menschen?

Manfred Santen: Quecksilber gehört zu den Schwermetallen. Es ist eines der besonders toxischen Schwermetalle. Es schränkt die Hirnfunktion ein. Es kann auch das Immunsystem schädigen, aber in erster Linie wirkt es nachteilig aufs Gehirn. Und zu den bekannten Nebenwirkungen gehört zum Beispiel Haarausfall.

radioWelt: Die Vertragsstaaten von Minamata haben sich vor fünf Jahren verpflichtet, die Verwendung von Quecksilber zu reduzieren. Haben Sie da bis heute Fortschritte beobachtet?

Manfred Santen: Na ja, es gibt immer so kleine Fortschritte. Die Ratifizierung der Europäischen Gemeinschaft zum Beispiel ist ja erst letztes Jahr erfolgt. Dieses Problem ist aber ewig lange bekannt. Und das ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass man Probleme zwar erkennt, aber trotzdem Jahre und Jahrzehnte vergehen können, bis es dann wirklich zu Handlungen kommt. Und das macht das Ganze natürlich zu einem weniger guten Beispiel.

radioWelt: Wo und wie gelangt Quecksilber heute noch in die Umwelt?

Manfred Santen: In Deutschland ist die Verbrennung von Braunkohle ein großes Problem. Denn da haben Sie immer geringe Mengen Quecksilber als Begleitstoff in der Kohle. Und wenn Sie das verbrennen, sammelt sich das zu bedeutsamen Mengen an. Wenn es keine vernünftige Filtration der Rauchgase gibt, gelangt das Quecksilber über die Schornsteine in die Umwelt. Dasselbe geschieht in Müllverbrennungsanlagen.

radioWelt: Und in welchen Produkten wird Quecksilber noch verwendet? Früher gab es das in Batterien…

Manfred Santen: Das gibt es immer noch in Batterien. Aber auch da ist die Entwicklung zu quecksilberarmen Batterien doch weit fortgeschritten. Auch in Lötzinn konnten Sie früher solche Stoffe finden. Auch das ist schon deutlich besser geworden. Aber nach wie vor gibt es noch Vorkommen. Und wir erinnern uns alle an die Diskussion um Energiesparlampen: Dort haben Sie auch Quecksilber in Leuchtstoffröhren. Umso wichtiger ist es, diese Produkte einzusammeln und fachgerecht zu entsorgen.

radioWelt: Was müsste aus Ihrer Sicht unbedingt getan werden, damit Quecksilber in der Umwelt weiter verringert wird?

Manfred Santen: Gerade diese Energiesparlampen sind ein gutes Beispiel dafür, wo man ansetzen kann. LED-Lampen sind deutlich umweltfreundlicher. Deshalb ist es sehr wichtig, dass der Übergang auf LED-Lampen konsequent weiter betrieben wird. Und wenn Sie einen vernünftigen Ausbau von erneuerbaren Energien hätten, brauchen Sie heutzutage auch keine Braunkohle mehr. Da könnte man die Quecksilber-Belastung der Umwelt drastisch senken - nicht nur bei uns, sondern auch im benachbarten Ausland oder auch in China.


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