Bayern 2

Zum 40. Todestag Romy Schneiders Kindheit in Berchtesgaden

Romy Schneider hat die spannende Umbruchszeit bei Kriegsende hautnah miterlebt. Erzählt jedoch hat "unsere Sissi" davon in der Öffentlichkeit nie. Carola Zinner, selbst in Berchtesgaden aufgewachsen, hat sich auf die Spuren von Romys Kindheit begeben - und fand ein Stück Nachkriegsgeschichte. Romy Schneider starb vor 40 Jahren, am 29. Mai 1982.

Author: Carola Zinner

Published at: 21-5-2022 8:05 AM | Archiv

"Steck Deine Kindheit in die Tasche
und renne davon,
denn das ist alles, was du hast!"

(Max Reinhardt)

Als Romy Schneider ihren ersten Film drehte, schickte ihr der Vater Wolf Albach-Retty einen Zettel mit diesem Satz von Max Reinhardt. Romy Schneider hat ihn ihr ganzes Leben lang aufbewahrt.

Doch wie hat sie ausgesehen, diese Kindheit?

St. Bartholomä am Königssee

Geboren 1938 in Wien, wuchs Romy in einer der schönsten Gegenden Bayerns auf, in der Berchtesgadener Gemeinde Schönau. Dort hatte sich ihre Mutter Magda Schneider im Jahr 1935 das "Haus Mariengrund" erbauen lassen - eine hübsche Villa im bäuerlichen Stil, mit Swimmingpool und Blick auf den Obersalzberg, den "Heiligen Berg" der Nationalsozialisten.

"Zwischen Berchtesgaden und dem Königssee liegt der Ort Schönau, und diese Gegend ist im wahrsten Sinne des Wortes eine schöne Au. Der Grundstein zu dem Häuschen wurde 1936 gelegt. Es erhielt den Namen 'Mariengrund'."

(Magda Schneider in ihrem Buch: 'Meine Tochter Romy. Ein Leben wie jedes andere')

Mit der Entscheidung für die Berchtesgadener Schönau entscheidet sich die Augsburgerin Magda Schneider auch für eine ganz besondere Nachbarschaft: Berchtesgaden ist seit einigen Jahren die "Wahlheimat des Führers". Hitlers Privathaus auf dem Obersalzberg, der "Berghof", liegt fast in Sichtweite von Haus Mariengrund.

"Magda hat ihn, lange bevor er in Berlin an die Regierung kam, in München kennengelernt. Sie war damals Soubrette am Gärtnerplatztheater, ein Liebling des Publikums und bienenfleißig. Hitler saß in jeder Premiere in der ersten Parkettreihe, klatschte die Pausen durch und schickte ihr am Schluss der Vorstellung Blumen an die Garderobe.

Jahre später, als sie und Wolf (Albach-Retty) gemeinsam mit Hunderten Kollegen von Oper, Theater und Film zu einem Empfang in die Berliner Reichskanzlei geladen waren, erinnerte er sie an diese Zeit. 'Ja, Magda Schneider', sagte er, 'ich hoffe, Sie wissen, dass ich damals nur Ihretwegen ins Theater gegangen bin'."

(Rosa Albach Retty aus 'So kurz sind 100 Jahre', Heyne Verlag)

Romys Eltern Magda Schneider und Wolf Albach-Retty (1935)

"Romys Eltern waren die Idole meiner Großeltern. Magda Schneider und Wolf Albach-Retty. Eines der Traumpaare des deutschen Films. 1937 schienen die beiden auch privat auf ein Happy End zuzusteuern. Standesamtliche Trauung in Berlin, drei Monate später die kirchliche auf der Halbinsel Sankt Bartholomä am Königssee. Fotos zeigen das Brautpaar im Boot. Sie im bodenlangen Dirndl, mit  Blütenkranz im Haar. Er im Trachtenanzug; Hut mit kleinem Gamsbart. Am Ruder ein hemdsärmliger Trachtler, dahinter die Felsen der Echo-Wand."

(Carola Zinner)

Der "Göring-Zug" am Untersteiner Bahnhof

Hermann Göring als Gast Hitlers auf dem Obersalzberg

Bei Kriegsende - Romy war damals sieben Jahre alt - quartierten sich amerikanische Truppen im "Mariengrund" ein; Magda Schneider zog mit Romy und Bruder Wolf-Dieter in das nahe gelegene alte Schulhaus von Unterstein. Und damit fast direkt neben den so genannten "Göring-Zug", der damals am Untersteiner Bahnhof stand: mehrere Eisenbahnwaggons voller Schätze, die der Reichsmarschall hier in vermeintliche Sicherheit hatte bringen lassen.

Buchtipps:

Der Fall Romy Schneider: Eine Biographie
Autor: Michael Jürgs
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Ullstein Taschenbuch


Romy Schneider: Die Biographie
Autor: Günter Krenn
Taschenbuch: 415 Seiten
Verlag: Aufbau Taschenbuch


Nachbar Hitler: Führerkult und Heimatzerstörung am Obersalzberg
Autoren: Ulrich Chaussy und Christoph Püschner
Broschiert: 248 Seiten
Verlag: Ch. Links Verlag; Auflage: 7., aktualisierte Auflage 2012