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Nach einer wahren Geschichte Roberto Saviano: "Der Clan der Kinder"

Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren übernehmen die Kontrolle  über ein Stadtviertel, über eine ganze Stadt. Es sind Mafia-Kinder, die mit Kokain dealen, Polizisten korrumpieren und bis zu 200.000 Euro im Monat verdienen. Roberto Savianos Buch "Der Clan der Kinder" basiert auf einer wahren Geschichte.

Von: Antonio Pellegrino

Stand: 13.03.2018

Schriftsteller Roberto Saviano und BR-Journalist Antonio Pellegrino | Bild: BR/Philipp Kimmelzwinger

"Babygangs treiben in Neapel ihr Unwesen" titelten vor kurzem italienische Zeitungen und versetzten das ganze Land in Aufruhr. In der Tat attackierten minderjährige Bandenmitglieder ihre Schulkameraden, stahlen ihre Handys, raubten Passanten aus, gingen mit Messern auf ihre Lehrer los.

Diese brutalen Rotzlöffel mischen aber auch im Drogenhandel mit - als Kuriere und Konsumenten. Und kommen aufgrund ihres Alters straffrei davon. Genauso so wie die Protagonisten von Roberto Savianos Roman "Der Clan der Kinder".

"Der italienische Titel lautet 'La paranza dei bambini'. 'Paranza' ist ein maritimer Ausdruck. So nennt man die Boote, die nachts zum Fischen auslaufen. Ihr Licht lockt die Fische an, die glauben, es sei das Sonnenlicht. Und schon landen sie im Netz. Im kriminellen Jargon nennt 'paranza' diejenigen, die Menschen rekrutieren, die fähig sind, auch einen Mord zu begehen."

Roberto Saviano

Kinder an der Spitze eines Camorra-Kartells

Roberto Saviano: "Der Clan der Kinder"

Nicolas, der Anführer der respektlosen Rotznasen, stammt aus einem bürgerlichen Milieu. Sein Vater ist Sportlehrer, seine Mutter betreibt eine kleine Wäscherei. Und er ist ziemlich intelligent. Trotzdem hat er keinen Bock auf eine konventionelle Karriere, wie etwa sein Vater, den er für seine Schwäche verachtet. Nicolas macht lieber in Drogen.

"Mein Roman basiert auf einer wahren Geschichte von kriminellen Kindern. Jugendliche waren immer ein Teil des organisierten Verbrechens. In Kolumbien, in der Türkei, in Italien, in Frankreich. Aber nirgends konnten Kinder an die Spitze eines Camorra-Kartells gelangen, wie in meinem Buch. Zum ersten Mal in der Geschichte der Mafia übernehmen minderjährige Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren die Kontrolle  über ein Stadtviertel, über eine Stadt - wenn auch nur für drei Jahre. Es sind Kinder, die mit Kokain dealen, Polizisten korrumpieren. Mit ihren Machenschaften können sie bis zu 200.000 Euro im Monat verdienen."

Roberto Saviano

Eine Kindheit, in der man sich verteidigen muss

Bestseller-Autor Roberto Saviano

Um das schnelle große Geld zu machen, ist Nicolas jedes Mittel recht. An einer Stelle im Roman sagt einer dieser brutalen Lümmel: "Um ein Junge zu werden, hab ich zehn Jahre gebraucht, um dir ins Gesicht zu schießen, brauche ich eine Sekunde." Was er auch ohne mit der Wimper zu zucken kaltblütig tut.

"In jedem anderen Land Europas macht jedes Kind eine normale Entwicklung durch, entdeckt kontinuierlich die Wirklichkeit, in der es heranwächst. Durch die Schule, die Familie. Indem es Fußball, Basketball oder Tennis spielt. In Neapel bist du bereits als Kind in der Welt der Erwachsenen. Man bringt dir bei, wie die Welt funktioniert. Das heißt nicht, dass jedes Kind zwangsläufig zum Kriminellen wird. Aber man weiß, dass man betrogen wird, wenn man selbst nicht betrügt. Man weiß, dass man ständig auf der Hut sein muss und sich zu verteidigen hat."

Roberto Saviano

Kampf gegen die Mafia

Der aus Neapel stammende Schriftsteller und Autor des Weltbestseller "Gomorrha" kann sich aufgrund eines von der Camorra ausgesprochen Todesurteils kaum frei bewegen. Er wird ständig von Leibwächtern begleitet. Bereut aber keineswegs, das Buch geschrieben zu haben. Seinen Kampf gegen die Mafia führt Roberto Saviano mit spitzer Feder weiter.  


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