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Risiko Blackout Was passiert nach einem Stromausfall?

Bayern 2 und ARD-alpha fragen am 12. März: Wie groß ist das Risiko, dass es bei uns zu einem flächendeckenden Stromausfall kommt? Was wird unternommen, damit es keinen großen Stromausfall gibt? Wie lange würden wir im Dunklen sitzen?

Stand: 02.03.2018

Ein Arbeiter in orangener Arbeitskleidung repariert eine Stromleitung | Bild: picture-alliance/dpa/Uwe Anspach

Das Licht bleibt aus, Computer ebenfalls, der Kühlschrank geht nicht mehr, ebenso die Elektroöfen. Was nun? Bayern 2 und ARD-alpha fragen am 12. März in diversen Sendungen: Was wäre, wenn in weiten Teilen des Landes der Strom ausfallen würde? Wie würden die Menschen auf einen großen Blackout reagieren?

"Blackout" ein Thementag bei Bayern 2 und ARD-alpha

Der Autor Marc Elsberg hat in seinem Roman "Blackout. Morgen ist es zu spät" schon vor einigen Jahren beschrieben, wie es dazu kommen könnte, dass in Europa alle Stromnetze zusammenbrechen.

Wie realistisch ist ein solches Szenario? Rund 13 Minuten Stromausfall pro Jahr erleben deutsche Endverbraucher im Durchschnitt, hat die Bundesnetzagentur errechnet. Was aber würde passieren, wenn doch der Strom für längere Zeit ausfällt?

Szenarien eines Blackouts im Alltag

Das Handy

Marc Elsberg, Autor des Bestsellers "Blackout - Morgen ist es zu spät" (erschienen 2013)

"Es fällt dann wirklich sehr viel sehr schnell aus, mit dem wir gar nicht rechnen. Die Festnetztelefonie ist dann weitestgehend sofort weg. Was viele überraschen mag, ist, dass dann auch die Mobilnetze relativ schnell weg sein werden. Die Funkmasten hätten zwar bis zu vier Stunden Batteriepufferung, aber andere Aspekte in diesen komplexen Systemen würden dazu führen, dass bereits nach einer halben Stunde keine Handys mehr funktionieren würden."

Der Supermarkt

Marc Elsberg, Autor des Bestsellers "Blackout - Morgen ist es zu spät" (erschienen 2013)

"Im Supermarkt geht auch nichts mehr. Das fängt damit an, dass sich die Türen nicht mehr öffnen und schließen lassen, weil auch diese in der Regel elektrisch betrieben werden. Die Kühlanlagen in den Supermärkten fallen aus. Die Kassen funktionieren nicht mehr. Die Kassiererin müsste von Hand in einem Verzeichnis nachschlagen, was diese Ware kostet. Aber das Ganze wäre ohnehin schwierig, weil ja auch kein Licht an der Decke funktioniert"

Das Wasser

Marc Elsberg, Autor des Bestsellers "Blackout - Morgen ist es zu spät" (erschienen 2013)

"Was ebenfalls sehr viele Leute nicht wissen: Auch die öffentliche Wasserversorgung hängt am öffentlichen Stromnetz! Das führt dann dazu, dass man in den Wohnungen kein Wasser mehr hat, das heißt kein Leitungswasser mehr zum Trinken und keines zu waschen oder duschen. Und auch das komplette sanitäre System bricht zusammen, weil die Klospülung nicht mehr funktioniert. Wenn das Klo nicht mehr funktioniert, dann wird das relativ schnell eine sehr unangenehme Situation."

Die Versorgung

Marc Elsberg, Autor des Bestsellers "Blackout - Morgen ist es zu spät" (erschienen 2013)

"Eine weitere Geschichte, die vielen Leuten nicht bewusst ist: Das Gros der Tankstellen in Deutschland funktioniert nicht mehr, wenn kein Strom mehr da ist, weil ja der Treibstoff aus den unterirdischen Tanks per elektrisch betriebener Pumpen in die Zapfsäulen gepumpt wird. Das ist auch deswegen so interessant, weil damit sämtliche Lieferketten zusammenbrechen werden: Dabei ist es ganz egal, ob es sich um Lieferketten für Lebensmittel oder Medikamente oder andere Güter handelt. Nichts von dem, was in irgendeinem Lager, in irgendeinem Hafen oder so liegt, kann dann noch weitertransportiert werden."

Das Fazit

Marc Elsberg, Autor des Bestsellers "Blackout - Morgen ist es zu spät" (erschienen 2013)

"Da geht dann einfach nichts mehr, gar nichts mehr. Nach zwei, drei Tagen wird die Situation also richtig dramatisch."

Vorbereitet sein auf einen Blackout

Strom ist für uns eine Selbstverständlichkeit. So selbstverständlich, dass wir uns gar nicht vorstellen können ohne ihn zu leben. Die gesamte Gesellschaft, die gesamte Infrastruktur sind davon abhängig. Doch was wären die Folgen, wenn der Strom flächendeckend über einen längeren Zeitraum ausfallen würde? Und wie lange würde in Falle eines Blackouts das totale Chaos auf sich warten lassen? Sogenannte "Prepper" versuchen sich auf genau diese beängstigende Situation vorzubereiten. Paranoia oder berechtigte Sorge? Auf ARD-alpha gibt es zu diesem Thema ab 20.15 Uhr zwei Dokumentationen und eine Diskussionsrunde zu sehen.

Gäste im alpha-thema "Blackout – Achtung, Stromausfall!"

alpha-thema-Moderatorin Özlem Sarikaya

In der Sendung "alpha-thema: Blackout – Achtung, Stromausfall!" auf ARD-alpha spricht Moderatorin Özlem Sarikaya mit drei Experten. Zu Gast im Studio sind Mathias Dalheimer, Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik, Heiko Linder, Leiter der Konzernkommunikation des Stromanbieters N-ERGIE, und Wolfram Geier, Leitender Regierungsdirektor im Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.

Mathias Dalheimer, Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik

"Wir leben in einer extrem vernetzten Welt. Wir haben im Endeffekt kein wirklich gutes Verständnis dafür, was passiert, wenn der Strom ausfällt. Und wir haben dadurch, dass wir die Energiewende vorantreiben, dadurch, dass wir versuchen, immer mehr Regelungstechnik und Komplexität in das Stromsystem selber einzubringen, ein immer verletzlicheres Gesamtsystem. [...] Ich schätze, das Szenario, dass wir so einen flächendeckenden Blackout haben, schon als ziemlich bedrohlich ein."

Heiko Linder, Leiter der Konzernkommunikation des Stromanbieters N-ERGIE

"Wir sind in Nürnberg in der glücklichen Lage, dass wir eine Versorgungssicherheit haben bzw. nur einen Ausfall von acht Minuten im Schnitt – der Bundesschnitt liegt bei 13 Minuten oder 14 Minuten. Was ja insgesamt schon sehr, sehr gut ist, wenn man mal in die europäischen Nachbarländer schaut. […] Insofern: Es sind Wahrscheinlichkeiten da, dass sowas passieren kann, das kann man nie ausschließen. […] Aber wir sind schon gut gerüstet.

Wolfram Geier, Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe

"Es kann durch Hackerangriffe, es kann durch menschliches, technisches Versagen oder aber eben auch durch Naturereignisse zu gewaltigen Störungen kommen im Gesamtsystem. Wir müssen die Bevölkerung sensibilisieren, dass sie sich auf solche Ereignisse einstellt, dass sie sich vorstellen kann, dass solche Ereignisse auch sie treffen. Wir müssen aber auch die öffentliche Hand, Behörden, Institutionen, Einrichtungen, die für das öffentliche Leben stehen, sensibilisieren."

Tipps für den Fall der Fälle - das sollte immer im Haus sein

In der Regel werden Stromausfälle in wenigen Stunden behoben. Aber es kann in Notsituationen durchaus auch einmal Tage dauern, bis der Strom wieder verfügbar ist, betont das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Grundsätzlich rät es jedem Haushalt für den Fall einer Katastrophe wie Hochwasser, Sturm oder Stromausfall zu einem Vorrat, der für 14 Tage reichen soll.
Ratgeber für Notfallvorsorge vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe

"Risiko Blackout" - alle Sendungen auf Bayern 2 und in ARD-alpha
Montag, 12. März 2018 
Bayern 2, 06.05 UhrradioWelt am Morgen: Ein Blackout in Bayern - was wäre, wenn der Strom ausfällt?
radioWelt am Morgen: Interview mit Christoph Unger, Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe
Bayern 2, 10.05 UhrNotizbuch: Wie geht eine Familie damit um, wenn der Strom ausfällt? Eine Reportage aus Unterfranken
Bayern 2, 13.05 UhrradioWelt am Mittag: Indien, Türkei, USA: Die größten Blackouts der Geschichte
Bayern 2, 18.05 UhrIQ – Wissenschaft und Forschung: Pleiten, Pech und Pannen bei Stromnetz-Steuerzentralen
Bayern 2, 18.30 UhrradioMikro: Einen Tag lang ohne Strom - ein Selbstversuch
ARD-alpha, 20.15 Uhralpha-thema: "Blackout - Achtung Stromausfall!"
Dienstag, 13. März 2018
ARD-alpha, 21.00 Uhralpha-fokus: "Energiespeicher – Neue Wege für den Strom", Dokumentation 2017
ARD-alpha, 21.45 Uhralpha-fokus: "Licht aus! – Wenn Energie Luxus wird", Dokumentation 2013
Freitag, 16. März 2018
Bayern 2, 15.30 UhrNahaufnahme: Wenn es dunkel wird. Mit einem Stromsperrer auf Tour

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