Bayern 2


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Riese mit Rückgrat Das kurze Leben des Peter Zimmermann

Peter Zimmermann, der "Regensburger Goliath", war in jeder Beziehung ein außergewöhnlicher Mensch. Der Priester, der am Ende seines Lebens 2,24 Meter groß war, besaß nicht nur ein heiteres Gemüt und einen wachen Verstand, sondern auch großen Mut.

Von: Ulrich Zwack

Stand: 31.05.2018 | Archiv

Im Ersten Weltkrieg galt Peter Zimmermann als größter Soldat des gesamten deutschen Heeres. Indes war er alles anderes als kriegerisch veranlagt. Im Gegenteil. Schon im Januar 1916 wurde er aus der Armee entlassen und noch im selben Jahr in Regensburg zum Priester geweiht.

Der ständig Kränkelnde erhielt keine eigene Pfarrei sondern wurde als sogenannter Benefiziat im Maristenkloster Furth bei Landshut seelsorgerisch eingesetzt. Wegen seines heiteren Wesens war er vor allem bei den jüngeren Klosterschülern bald sehr beliebt.

Zimmermann wuchs bis ans Ende seines Lebens

Das Priesterseminar in Regensburg

Das krankhafte Längenwachstum des 1891 als armer Bauernbub in Warzenried im Bayerischen Wald Geborenen setzte während der Pubertät ein und endete erst bei 2,24 Metern – er wuchs bis ans Ende seines Lebens.

Bereits als Kind hatte er einen wachen Verstand bewiesen und durfte deshalb auf Empfehlung seiner Volksschullehrer das Priesterseminar in Regensburg besuchen.

"Rein körperlich war der Bub zunächst völlig unauffällig. Erst ums Jahr 1906 herum begann er plötzlich unverhältnismäßig stark zu wachsen. Schuld daran war wohl ein Gendefekt oder ein gutartiger Tumor in der Hirnanhangdrüse. Das Riesenwachstum des Ältesten stellte die Eltern vor große Probleme."

(Ulrich Zwack)

Akromegalie (Riesenwachstum)

Der Türke Sultan Kosen mit seiner Frau. Er ist der derzeit größte Mensch der Welt (2,51m). Wie Peter Zimmermann, leidet auch er an Akromegalie.

Akromegalie (von gr. "akros" – "extrem" und "megas" – "groß") ist die Bezeichnung für eine seltene Stoffwechselerkrankung, bei der die Drüsen chronisch zu viel Wachstumshormon ("GH" oder "Somatropin")  produzieren. Die Ursache dafür ist meist ein gutartiger Tumor in der Hirnanhangdrüse.

Die Betroffenen leiden unter verminderter körperlicher Belastbarkeit und Konzentrationsschwäche; sie schwitzen vermehrt und haben oft Kopfschmerzen und Gelenkbeschwerden. Weil Akromegalie schleichend verläuft, dauert es oft lange, bis die richtige Diagnose gestellt wird – im Durchschnitt erfolgt sie erst neun bis zehn Jahre nach dem Beginn der Symptome, meist zwischen dem 3. und 5. Lebensjahrzehnt der Erkrankten.

Im Verlauf der Krankheit verändert sich das Aussehen der Betroffenen deutlich: die Gesichtszüge werden gröber, die Zuge wächst und die Zähne im Unterkiefer treten auseinander. Wenn die Krankheit bereits in der Kindheit beginnt, hat sie zudem Riesenwuchs (Gigantismus) zur Folge.

In Deutschland leben rund 5000 Menschen mit Akromegalie. Sie haben im Vergleich zum Durchschnitt eine deutlich niedrigere Lebenserwartung. Das liegt neben den direkten Manifestationen der Erkrankung auch an den Folgeerscheinungen wie Bluthochdruck und Zuckerkrankheit; beides kann zudem zu Herzkreislauferkrankungen führen.

Bis heute ist Akromegalie nicht heilbar. Der Verlauf kann aber durch Hormontherapien und Bestrahlungen deutlich abgemildert werden.

Peter Zimmermann engagierte sich gegen die aufkommende Nazidiktatur

Auch als Seelsorger verlor er die weltlichen Dinge nie aus den Augen. Die zunehmende politische Radikalisierung während der späten Weimarer Republik betrachtete er mit höchster Sorge. Fast täglich veröffentlichte er Artikel im Landshuter "Kurier für Niederbayern", in denen er vor dem drohenden Heraufdämmern der Nazidiktatur warnte. Dafür kam er später, als die Nationalsozialisten tatsächlich an der Macht waren, zweimal in "Schutzhaft"; mindestens einmal wurde er dabei körperlich schwer misshandelt. Seinen Humor jedoch hat der "Regensburger Goliath", wie er sich selbst nannte, trotzdem nie verloren.

Er starb mit nur 45 Jahren an Herzversagen

Peter Zimmermanns, des "bayerischen Riesen" weiteres Schicksal ist leider rasch erzählt. Die Last des übergroßen Körpers krümmte seinen Rücken. Sein körperlicher Verfall nahm danach immer bedenklichere Ausmaße an. Am 28. Dezember 1936 starb Peter Zimmermann im Alter von 45 Jahren an Herzversagen.

Den schrecklichen, von ihm deutlich vorhergesehenen Hitlerkrieg musste er nicht mehr miterleben. Zehn junge Maristenbrüder trugen bei der Beerdigung den Sarg mit den sterblichen Überresten des ebenso schweren wie langen Riesen zu Grabe. Die Landshuter Zeitung berichtete:

"Schon lange sah keine Beerdigung eine so große Teilnahme mehr als diese."


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