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"Ride of Silence" ADFC: Weiße "Ghost Bikes" erinnern an tote Radler

In vielen Städten weltweit gedenken Radler mit einem "Ride of Silence" der im Straßenverkehr getöteten Fahrradfahrer. Viele von ihnen könnten noch leben, wenn die Bedingungen für sie besser wären, erklärt Bernadette-Julia Felsch, ADFC Bayern.

Stand: 16.05.2018

Bayern 2-radioWelt: München wollte mal Radler-Hauptstadt werden. Wie weit ist man damit gekommen?

Bernadette-Julia Felsch, ADFC: München ist unter den Millionenstädten noch ziemlich gut mit dem Radverkehrsanteil. Aber bei der Infrastruktur ist man dem Anspruch nicht gefolgt. Die Infrastruktur hält nicht Schritt mit dem Anteil der Radfahrer am Verkehrsaufkommen. Es gibt ein Flickwerk aus verschiedenen Radwegtypen, die dann gerne auch mal im Nichts enden. So fühlt man sich nicht sicher. Und dann gibt es natürlich die Kreuzungen, wo man durch Rechtsabbieger gefährdet ist, vor allem von Lkw. Lkw sehen durch den großen toten Winkel die Radfahrer nicht. Das sind die typischen Unfälle, bei denen Fahrradfahrer leider zu Tode kommen.

Bayern 2-radioWelt: Müsste man Lkw nicht anders ausrüsten, damit Radler nicht unter die Räder kommen?

Bernadette-Julia Felsch: Ja, das ist eine unserer zentralen Forderungen seit 2012. Da haben wir angeregt, dass ein runder Tisch im Bundesverkehrsministerium eingerichtet wird. Seither gibt es auch schon Sicherheitsvorrichtungen, die man einbauen könnte: Kameras leuchten den toten Winkel aus, Warnsysteme können zum Teil auch notbremsen, wenn jemand in diesem toten Winkel ist. Aber sie werden nicht eingebaut, weil sie natürlich Geld kosten. So zwischen 500 und 2.000 Euro, das sparen sich die Speditionen leider. Wir wollen, dass das Pflicht wird.

Bayern 2-radioWelt: Manchmal sind die Radwege ein Stück entfernt von der Straße, da sind ein Grünstreifen, Bäume und Wahlplakate dazwischen, und es ist manchmal sehr schwer, den Radfahrer noch zu sehen. Wäre es nicht sinnvoller, das Radeln auf die Straße zu verlegen?

Bernadette-Julia Felsch: Das war tatsächlich die Radverkehrspolitik der letzten Jahre. Man hat gesagt: Wenn die Radfahrer auf der Straße fahren, dann werden sie besser gesehen. Das stimmt auch, aus Autofahrer-Perspektive. Dann hat man aber festgestellt, dass Radfahrer sich dort nicht sicherer fühlen als auf diesen Bordstein-Radwegen. Sie werden zwar gesehen, aber die Radstreifen werden zugeparkt oder nicht respektiert - und es wird sehr eng überholt.

Bayern 2-radioWelt: Heute findet der "Ride of Silence" statt - was passiert in München?

Bernadette-Julia Felsch: Den "Ride of Silence" gibt es seit 2003 in über 300 Städten weltweit. Es wird der getöteten Radfahrer im Verkehr gedacht. Man radelt schweigend und in Weiß gekleidet. In München werden wir an den Stellen, an denen im letzten Jahr Radfahrer im Straßenverkehr getötet wurden, weiße "Ghost Bikes" aufstellen und dort jeweils eine Schweigeminute einlegen.


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