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Retter der Alpen 100 Jahre Bergwacht

Es war der 14. Juni 1920, als im Münchner Hofbräuhaus ein Dutzend Bergfreunde die bayerische Bergwacht gründete. Was damals als Blumenpolizei verspottet wurde, ist 100 Jahre später eine professionelle alpine Rettungsorganisation.

Von: Thomas Grasberger

Stand: 09.06.2020 | Archiv

Gründerväter

Das Motiv der Gründerväter war keineswegs die Rettung verunglückter Menschen in den Bergen. Es ging vielmehr um die Rettung der Berge vor den Menschen. In den wirtschaftlich schwierigen Nachkriegszeiten waren Wilderer zuhauf unterwegs. Edelweiß und Enzian wurden körbeweise ausgerupft. Und die Sitten auf den Hütten ließen Puritanern die Haare buchstäblich zu Berge stehen.

Der erklärte Zweck der Bergwacht war es anno 1920:

"Unsere Berge vor den Auswüchsen übelster Elemente zu säubern … um zu verhindern, dass sich der Abschaum der menschlichen Gesellschaft in unserer hehren Bergwelt einnistet und sie mit ihren Orgien besudelt."

Auszuzg aus den Gründungsunterlagen

Mit der Zahl der Bergsteiger, Skifahrer und Wanderer im Alpenraum nahm auch die Zahl der Unfälle zu. So wurde aus dem Sittenwächterverein bald eine Rettungsorganisation.

Einige der wichtigsten Rettungsgeräte entwickelte der Münchner Ludwig Gramminger. Als Handwerker konnte er seine Ideen gleich selber in die Praxis umsetzen. So macht der heute noch bekannte Gramminger-Sitz Bergungen aus nahezu jeder Wand möglich. Obwohl auch Gramminger in der NSDAP war, wurde sein Spruchkammerverfahren 1947 eingestellt. Er gehörte von Anfang an und bis zu seinem Tod 1997 zu den führenden Köpfen der Bergwacht. 

Die Bergwacht im Dritten Reich

In Bergsteigerkreisen und im Umfeld des Alpenvereins waren Antisemitismus und nationalsozialistisches Gedankengut weit verbreitet. Gipfelkreuz und Hakenkreuz ließen sich gut miteinander verknüpfen, zumal sich der Bergfreund Hitler auch als Förderer der Bergwacht erwies.

"Profitiert hat die Bergwacht sicherlich auch, wo Adolf Hitler die ersten Geländewagen der Bergwacht spendiert nach einem spektakulären Einsatz in der Watzmann-Ostwand. Also zu sagen die Bergwacht wäre hier völlig unpolitisch, wäre mit Sicherheit falsch, allerdings in persona oder in politischer Weise ist da nichts erkennbar."

Roland Ampenberger, Pressesprecher der Bergwacht Bayern

Die Bergwacht und die Frauen

Es ist noch gar nicht so lange her, dass auch Frauen in die Bergwacht aufgenommen werden. Dazu hat es 1992 erst ein Gerichtsurteil gebraucht, das dann prompt heftige Diskussionen auslöste - in der traditionsbewussten Männerwelt der Bergwacht. Heute sind 14 Prozent der 5250 Mitglieder weiblich. Es dürften aber gerne mehr sein.