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US-Mondprojekt Raumfahrtexperte: "Ich bin sehr skeptisch"

Die US-Regierung macht Druck: Binnen fünf Jahren sollen Amerikaner wieder auf dem Mond landen - vor den Chinesen. Doch die Eile könnte gefährlich für die Besatzung werden, sagt Matthias Knopp, Raumfahrtexperte beim Deutschen Museum.

Stand: 28.03.2019

Innerhalb der nächsten 5 Jahre will die US-Regierung wieder Astronauten auf den Mond bringen. Ist die NASA überhaupt technisch in der Lage, eine solche Mondmission innerhalb kurzer Zeit durchzuführen? Für mich als Laien ist das irgendwie schwer verständlich. Ich denke mir, vor fast 50 Jahren hat’s ja schon mal geklappt mit so einer Mondlandung, das müsste dann doch eigentlich für heutige Zeiten überhaupt kein Problem sein, oder?

Das stimmt, aber man muss auch sehen, dass die Amerikaner sehr viel investiert haben. Bevor Apollo 11 erfolgreich war, haben sie 20 bemannte Missionen gestartet, mit dem Ziel, diese Mondlandung vorzubereiten. Das ging Schlag auf Schlag. Die Amerikaner haben sich nur darauf konzentriert und das ist jetzt natürlich in Frage gestellt in dieser kurzen Zeit: es gibt noch nicht einmal eine Trägerrakete, die in der Lage wäre, diese großen Nutzlasten zum Mond zu bringen. Also es gibt Fragen über Fragen.

Das heißt, die alte Technik ist zu veraltet, um sie noch einzusetzen, und die neue ist noch nicht genug getestet?

Sie werden lachen: die alte Technik ist sehr wohl mit dabei! Das große Trägerraketensystem, das die NASA plant, verwendet Raketenmotoren aus dem Shuttle-Programm. Das ist der Grund, warum Sie heute in keinem Museum der Welt Motoren aus dem Shuttle-Programm sehen. Die wurden eingesammelt. Das sind 16 Aggregate gewesen, die wurden zwar upgedated, aktualisiert, die sollen beim Einsatz der großen NASA-Trägerrakete verwendet werden!

Sollte die NASA das nicht schaffen, hat US-Vizepräsident Pence schon angedroht, auf private Raumfahrtunternehmen wie Space-X von Elon Musk zurückzugreifen. Wären die denn dazu in der Lage, wenn es die NASA nicht schafft?

Also, Elon Musk hat ja selbst ehrgeizige Pläne. Er wollte zum Mars fliegen – die hat er eingestellt. Auch die Kommerziellen wären dazu im Moment nicht in der Lage. Dass die NASA aber mit Kommerziellen zusammenarbeitet, ist nicht neu. Derzeit wird ja gerade ein System erprobt, mit dem Space-X und Boeing amerikanische Astronauten zur Raumstation bringen will. Das ist schon lange geplant und ist auch keine Neuheit mehr. Eine bemannte Mondlandung könnten im Moment auch die Kommerziellen nicht gewährleisten.

Schauen wir noch auf China. Die USA sagen ja, sie wollen sich nicht von China überholen lassen. Wie weit ist denn China überhaupt mit seinem Raumfahrtprogramm?

China ist ganz zielstrebig. Sie haben den ersten Tyconauten in den Weltraum gebracht, danach eine bemannte Raumstation gebaut, jetzt kommt das Mondprogramm und zunächst mit Robotern. Der nächste Schritt wird sein, dass ein Roboter Mondboden zurückbringt. Mit der bemannten Landung von Chinesen hält man sich sehr zurück, weil die Chinesen auch wissen, da gibt es sehr viele Fragezeichen, und wenn man Menschen in den Weltraum schickt, muss die Sicherheit einfach im Vordergrund stehen. Deshalb halten sich die Chinesen da auch sehr mit Terminangaben zurück.

Kann man denn den Wettlauf heute zwischen den USA und China vergleichen mit dem Wettlauf damals zwischen den USA und der Sowjetunion?

Ich glaube nicht, dass man das vergleichen kann. Man muss mal sehen: es ist für die Amerikaner unglaublich deprimierend, dass sie in den letzten Jahren selbst keine Astronauten, keine Amerikaner in den Weltraum bringen konnten. Und dass sie jetzt evtl. noch Gefahr laufen, dass ihnen die Chinesen, auch was den Mond angeht, den Rang ablaufen, ist einfach unerträglich für die Amerikaner. Das ist mit ein Grund. Damals, zur Apollozeit, war es mehr der Kalte Krieg, der diesen Wettlauf dominiert hat.


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