Bayern 2


48

Ratgeber: Gut durch die Wechseljahre

Von: Monika Dollinger

Stand: 12.03.2018

Verzweifelte Frau im Bett | Bild: colourbox.com

Experten:

Prof. Marion Kiechle, Direktorin und ärztliche Leiterin der Frauenklinik der Technischen Universität in München
Prof. Olaf Ortmann Direktor, Klinik und Lehrstuhl für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Universität Regensburg, Caritas-Krankenhaus St. Josef in Regensburg, Vorsitzender der Kommission zur Überarbeitung der Leitlinie zur Hormontherapie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
Gynäkologinnen Dr. Katrin Schaudig und Dr. Anne Schwenkhagen vom Hormonzentrum Hamburg; Dr. Schaudig ist auch Vizepräsidentin der Deutschen Menopause-Gesellschaft
Prof. Vanadin Seifert-Klauss, Weiterbildungsbefugte Oberärztin gynäkologische Endokrinologie und Kinderwunsch an der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde der Technischen Universität München des Klinikums rechts der Isar
Prof. Christian Thaler, Leiter Hormon- und Kinderwunschzentrum, Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, LMU München

Die Wechseljahre gehen für nicht wenige Frauen mit Schlafstörungen, Hitzewallungen und Herzrasen einher - Beschwerden, die das Lebensgefühl deutlich reduzieren können. Doch Frauen können etwas dagegen unternehmen. Was? Darüber kursieren viele Gerüchte, deswegen gilt die grundsätzliche Regel: Sich informieren! Denn die Wechseljahre sind ein wichtiger und spannender Abschnitt im Frauenleben.

Begriffsklärung

Klimakterium: Die Wechseljahre, meist zwischen dem 45. und dem 55. Lebensjahr. Sie dauern meist sechs bis sieben Jahre, davon eines nach der letzten Blutung: Dies kann aber sehr individuell sein (siehe unten).

Vasomotorischer Beschwerden (VMS): Beschwerden, die mit den Wechseljahren einhergehen: Hitzewallungen und nächtliches Schwitzen. Häufig treten sie in Kombination mit Schlafstörungen, depressiven Verstimmungen oder Angstgefühlen auf.

Menopause: Die letzte durch den Eierstock gesteuerte Blutung. Sie findet bei Frauen mit durchschnittlich 50,5 Jahren statt. Ein Prozent der Frauen erlebt die Menopause erst mit 60 und ein Prozent schon mit 40 Jahren.

Perimenopause: Ein, zwei Jahre um die Menopause.

Postmenopause: Zeit nach der letzten Regelblutung.

Beginn der Wechseljahre

Die Wechseljahre kündigen sich meist mit Veränderungen der Regelblutung an: Sie kann unregelmäßig werden, alle zwei bis drei Wochen kommen, sehr stark sein oder eine Schmierblutung.

"Es ist interessant, dass relativ gesehen eher übergewichtige Frauen durchschnittlich etwas später, nämlich ein bis drei Jahre das Menopausenalter erreichen. Und einen ganz deutlichen Effekt hat auch das Zigarettenrauchen: Frauen, die viel und schon lange rauchen, erleben ihre Menopause ein paar Jahre eher."

Prof. Christian Thaler, Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, LMU München

Gut oder weniger gut durch die Wechseljahre

Ein Drittel der Frauen hat in den Wechseljahren starke Beschwerden, ein Drittel so gut wie keine, und das letzte Drittel liegt in der Mitte. Bei Frauen mit Problemen kommt es oft auf die Lebensumstände an, ob sie mit den körperlichen Veränderungen zurechtkommen oder nicht.

"Zwei ganz konträre Beispiele aus meiner Sprechstunde: Auf der einen Seite habe ich die Bauersfrau, die sagt: 'Ja, natürlich schwitze ich, aber ich arbeite sowieso den ganzen Tag körperlich, ich mache die Wäsche, ich pflücke die Äpfel. Ob da noch eine Hitzewallung mehr dazukommt, das stört mich nicht.' Auf der anderen Seite habe ich die Staatsanwältin, die sagt: 'Es ist furchtbar, wenn ich mitten im Plädoyer meine Hitzewallungen bekomme und denke, jeder sieht es mir an. Ich werde unsicher und das geht auf gar keinen Fall. Ich bin nicht mehr berufsfähig.' Oder auch wenn Frauen ganz schlecht schlafen, brauchen sie eine wirksame Behandlung."

Prof. Marion Kiechle vom Klinikum rechts der Isar in München

Hoffnungsschimmer

Unmittelbar nach Eintritt der Wechseljahre sind die Beschwerden am stärksten. Mit der Zeit verlieren sie sich, werden weniger.

Dauer von Wechseljahresbeschwerden: zwei große Gruppen

Die Dauer der sogenannten vasomotorischer Beschwerden (VMS) ist nach einer aktuelleren Studie deutlich länger als früher angenommen. Möglicherweise hat dies mit der zunehmenden Berufstätigkeit von Frauen zwischen 50 und 60 Jahren über die letzten Jahrzehnte zu tun. Über 13 Jahre wurden über 1500 Frauen mit VMS in der großen Study of Women’s Health Accross the Nation (SWAN) beobachtet. Die Autoren fanden, dass vasomotorische Symptome durchschnittlich 7,4 Jahre anhielten, davon 4,5 Jahre nach der letzten Menstruation. Frauen, die bereits früh - in der Perimenopause – mit noch vorhandener Östrogenversorgung unter vasomotorischen Symptomen litten, berichteten häufiger über eine längere Persistenz der Symptome (11,8 Jahre). Dagegen litten Frauen, die beim Auftreten vasomotorischer Symptome bereits postmenopausal waren, deutlich kürzer unter diesen Symptomen (median 3,4 Jahre). Risikofaktoren für das lange Anhalten vasomotorischer Symptome waren Rauchen, ein hoher Body Mass Index (BMI), Angststörungen und depressive Störungen.

Frau in den Wechseljahren sieht ungewiss in die Ferne. | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Jahre des Übergangs Ablauf der Wechseljahre

Die ersten Anzeichen der Wechseljahre beginnen ein paar Jahre vor der letzten Periode – Mediziner sprechen von der Perimenopause. [mehr]

Frau bekommt Hitzewallungen beim Zeitunglesen. | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Hitzewallungen, Schlafstörungen & Co. Beschwerden während der Wechseljahre

Zwei Drittel der Frauen in den Wechseljahren klagen über Beschwerden. Davon hat jedoch nur ein Drittel so schwere Beschwerden, dass sie behandelt werden müssen. [mehr]

Menstruationszyklus in der Grafik | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Rolle der Hormone Was Östrogene können

Hormone bestimmen das Leben der Frau – vor allem von der Pubertät bis zu den Wechseljahren. Und das Hormon Östrogen zum Beispiel ist für weit mehr verantwortlich als nur Fruchtbarkeit. [mehr]

Hormonpräparate für Frauen in den Wechseljahren können sinnvoll sein. Im Bild: Präparate für eine Hormonersatztherapie. | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Was ist die Hormonersatztherapie? Hormonersatz- bzw. Hormontherapie

Hormone nehmen, um jung zu bleiben – dieses Anti-Aging ist überholt. Aber Hormone zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden werden noch immer verschrieben. [mehr]

Hormonersatztherapie senkt das Herzibfarktrisiko bei Frauen nicht. Im Bild: Älterre Frau mit Schmerzen in der Brust. | Bild: colourbox.com zum Artikel Hormonersatztherapie Risiko für Herzinfarkt

Die große amerikanische WHI-Studie wurde durchgeführt, um herauszufinden, ob Hormone vor Herzinfarkt schützen können. Denn es besteht ein Zusammenhang zwischen Abnahme der Hormone und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. [mehr]

Steigt das Brustkrebsrisiko durch die Einnahme von Hormonen? Das lässt sich nicht eindeutig sagen. Im Bild: Frau beim Brustkrebs-Screening. | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Hormonersatztherapie Risiko für Brustkrebs

"Bekomme ich eher Brustkrebs, wenn ich Hormone nehme?" Das ist die Angst, die Frauen haben, seitdem die Hormonersatztherapie in der Kritik steht. [mehr]

Ratlose Frau | Bild: Image Source zum Artikel Empfehlung Regeln für die Hormontherapie

Einen Hormonersatz einzunehmen, ist nicht nötig und sollte auch nicht jeder Frau in der Menopause angeboten werden. Aber es ist auch nicht so, dass Frauen gar keine Hormone nehmen dürfen: Es kommt darauf an welche, wann, wie - und auch auf das individuelle Risiko. [mehr]

Bei Wechseljahrsbeschwerden können auch pflanzliche Präparate helfen, vielversprechend ist vor allem eine Kombination aus Traubensilberkerze und Johanniskraut. Im Bild: Johanniskraut | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Alternativen Pflanzliche Präparate, SERMS, Antidepressiva

Es müssen nicht unbedingt Hormone sein, um die Wechseljahrsbeschwerden zu behandeln. Jede Frau kann selbst etwas tun oder alternative Therapien ausprobieren. [mehr]


48