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Welttag des Radios Radiohören in Deutschland und weltweit

Jedes Jahr am 13. Februar ist "Welttag des Radios". In vielen Regionen der Welt ist das Radio die einzige Informationsquelle.

Von: S. Diettrich (Indien), L. Staude (Kenia), L. March (Südafrika), Ivo Marusczyk (Argentinien), Lena Bodewein (Indonesien)

Stand: 13.02.2019 | Archiv

Archivbild: Ein Mann in Indien hört Radio | Bild: picture-alliance/dpa/Jagadeesh Nv

Der "Welttag des Radios" wurde von der UNESCO ins Leben gerufen. Er wird seit 2012 jedes Jahr am 13. Februar begangen. Das Datum erinnert an den Gründungstag des Radios der Vereinten Nationen am 13. Februar 1946, das als als freie Radioanstalt Medienorganisationen die Möglichkeit bot, Beiträge zur Arbeit der Vereinten Nationen zu senden.

Radio erreicht die hintersten Winkel

Radio ist ein Massenmedium mit dem weltweit größten Publikum, schreibt die UNESCO, die Weltkulturerbe-Organisation der Vereinten Nationen als Begründung für den "Welttag des Radios". Und weiter: Radio ist ein mächtiges und gleichzeitig ein relativ billiges Medium für Hörer wie für Produzenten. Seine Nutzung reiche bis in die hintersten Winkel der Erde und ermögliche abgeschieden lebenden Menschen wie auch gesellschaftlichen Randgruppen es zu nutzen und daran mitzuwirken.

"Radio bleibt auch in Zeiten des digitalen Umbruchs das unangefochtene Leitmedium. Der beste Beleg dafür ist: Radio wird in diesem divergenten und fragmentierten Medienumfeld insgesamt von beinahe 80 Prozent der Bevölkerung täglich über vier Stunden am Tag gehört. Besonders freut mich das große Interesse an qualitativ hochwertigen Audioinhalten. Ob Podcasts, Hörbücher oder Hörspiele - Audio boomt. Seit dem Start der neuen ARD Audiothek vor rund einem Jahr wurden bereits 21 Millionen Audios dort abgerufen - Tendenz steigend."

Martin Wagner, Vorsitzender der ARD-Hörfunkkommission und BR-Hörfunkdirektor, zum 8. Welttag des Radios 2019

Radio weltweit: Argentinien, Indien, Indonesien, Kenia, Südafrika

In Argentinien gibt es natürlich auch Tango-Sender - aber genaugenommen führt der Tanz in argentinischen Radiosendern ein Nischendasein, wie überall auf der Welt dominieren Pop-Wellen das UKW-Band. Den größen Marktanteil aber hat in Argentinien Wort-Radio. Das gibt es vor allem auf der Mittelwelle, wobei die Programme völlig anders funktionieren als in Deutschland: Zwei oder drei Leute sitzen um einen Tisch und breiten ihre Sicht auf das Tagesgeschehen aus, oft mit einem per Telefon zugeschalteten Gast. Weiteres Markenzeichen: Alle fallen sich gerne gegenseitig ins Wort. Das kann auch mal zwei bis drei Stunden so gehen - abgesehen von Werbung gibt es kaum Zuspielungen oder Beiträge, die diese Talk-Runden unterbrechen. Gerüchte werden meist ungeprüft verbreitet, zwischen Meinung und Information wird nicht unterschieden. Meinungsstark aber ziemlich langatmig, so klingt Radio in Argentinien.

In Indien laufen auf sämtlichen Radiosendern die Bollywood-Hits rauf und runter. Die Gesellschaft ist stark hierarchisiert, aber diese Musik verbindet alle Inder, egal ob arm oder reich, aus der Stadt oder vom Land, Schüler oder Großmutter.

Narendra Modi

Einmal im Monat meldet sich der indische Premierminister Narendra Modi im Radio zu Wort. Seine einstündige Sendung heißt übersetzt in etwa: "Aus der Seele gesprochen". Modi traut den Medien eigentlich nicht, er gibt fast nie eine Pressekonferenz, kaum Interviews. Seine Show wird nur unter der Voraussetzung gesendet, dass niemand redaktionell eingreift. Eins zu eins werden die vermeintlich erfolgreichen Regierungsprogramme im staatlichen indischen Radio übertragen. Mit einer riesigen Reichweite. Denn gerade auf dem Land nutzen noch viele Inder täglich das Radio, um sich zu informieren.

In Indonesien wird oft und lange Radio gehört, weil man oft und lange im Stau steht - zumindest in den großen Städten. Von balinesischen Pop- und Electro-Wellen bis zum öffentlich-rechtlichen Wortprogramm: Die Indonesier nutzen Radio als Hintergrundbeschallung für Autofahrten, als Nachrichten-Lieferant zum Frühstück oder als aktustische Einschlafhilfe am Abend. Die Niederländer brachten Radioprogramm nach Indonesien als sie Kolonialherren von Holländisch-Ostindien waren, wie sie es nannten. Von 1945 bis 1965 war das öffentliche Radio-Republik-Indonesia der einzige Sender in dem riesigen Staatsgebiet zwischen Sumatra und Papua. Während der Diktatur unter Suharto war die Pressefreiheit stark eingeschränkt. Seit Ende der 1990er-Jahre genießen die Indonesier das ganze Wellenspektrum ob auf Englisch oder Indonesisch oder einer der vielen hundert Sprachen des Landes - wenn auch am häufigsten eben im Stau.

In Kenia ist Radiohören ein Muss, wenn man auf dem Laufenden bleiben will. Und die Kenianer tun das immer und überall - auf der Straße, bei der Arbeit, im Minibus. Einen Fernseher kann sich längst nicht jeder leisten. Und auch der regelmäßige Blick in die Tageszeitung ist für viele zu teuer. Rund 90 Prozent der Bevölkerung bekommen ihre Nachrichten und Informationen über ihren Lieblingssender, egal ob UKW oder Internet. Und da haben sie reichlich Auswahl: Allein in Nairobi gibt es über 40 Radiostationen. Manche senden landesweit andere richten sich an manchmal winzige Zielgruppen, Hörer in einem bestimmten Slum angehörige einer Volksgruppe oder einer Kirche. Es gibt Programme für Sportverrückte, für Geschäftsleute, für Fans einer speziellen Musikrichtung. Aber selbst bei Musiksendern gilt: Talk ist in, am liebsten mit den Hörern. Und on air reden die Kenianer einfach über alles: Politik und Privates, ja selbst Intimes. Anders als im direkten Gespräch gibt es keine Tabus. Für Eltern kann es schon ziemlich peinlich sein, wenn sie mit dem Nachwuchs Bus fahren und der Fahrer die Passagiere mit einer Diskussion über fremdgehende Ehepartner beschallt - mit allen schmutzigen Details über den außerehelichen Sex.

In Südafrika ist der Hörfunk so vielfältig wie die Bevölkerung. Es gibt Sender in allen elf Landessprachen. Die mit Abstand meisten Hörer hat der zulusprachige Sender "Ukhozi FM", gefolgt von "Umhlobo Wenene" auf Xhosa. Dass sie Programme in ihrer jeweiligen Muttersprache hören können, ist wohl einer der Gründe dafür, warum das Radio in Südafrika auch in Zeiten sozialer Medien noch immer so beliebt ist.

In Südafrika gibt das Radio allen eine Stimme

Laut Medien-Analyse schalten 28 Millionen Südafrikaner täglich das Radio ein, über 70 Prozent der Bürger, die älter sind als 15 - und das nicht nur für kurze Zeit, sondern für durchschnittlich vier Stunden am Tag. Umfragen zufolge sind ihnen dabei Musik und Nachrichten besonders wichtig, gefolgt von religiösen und Informationsprogrammen, sowie Sendungen mit Hörerbeteiligung. Gerade letztere sind für viele Südafrikaner ein wichtiger Bestandteil ihrer vergleichsweise jungen Demokratie, ebenso wie die vielen unabhängigen Lokalsender, die "Community Radios". Hier werden auch jene gehört, die sonst keine Stimme haben - und es werden Themen behandelt, die in landesweiten Programm zu kurz kommen.


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