Bayern 2


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Wenn Schriftsteller Radio machen (4/6) Georg Lohmeier über den Kriegsgewinnler Stacheldraht (1969)

Deutschland 1969: Mit Stacheldraht lässt sich viel Geld verdienen. Denn im Krieg kann man mit keinem anderen Material so gut Hindernisse bauen, wie mit den kleinen eisernen Spitzen. Die Sendung ist Teil der Radiofeature-Sommerreihe "Offenes Archiv".

Stand: 22.07.2018

"Überall, wo Krieg geführt wird, braucht man Stacheldraht. Auch dort, wo Soldaten vom Anlegen richtiger Sperren noch keine Ahnung haben. Wichtig, dass der Herr General ungefähr weiß, dass Drahthindernisse auf jeden Fall notwendig sind. Hat der Mann vom Hindernisbau überhaupt noch nichts gehört, dann lass ich immer das gleiche Verslein übersetzen: 'Exzellenz, sag ich, was machen Sie nach der Schlacht mit den vielen Gefangenen?' Das kapiert jeder. Und ich liefere etliche Kilometer Draht. Ich kann Ihnen versichern: Afrika ist noch ein ganz großes Geschäft. Freie Völker brauchen eben Stacheldrähte." (Ein Stacheldraht-Händler erklärt seine Verkaufstaktik, Ausschnitt aus dem Feature "Stacheldraht")

Die große Zeit des Stacheldrahtes

Wer den Stacheldraht erfunden hat, weiß niemand. Alte Kriegsgeschichtsbücher schreiben, dass er bewusst zum ersten Mal in Dänemark verwendet wurde: zur Verbarrikadierung der Düppeler Schanzen anno 1864 gegen die vereinigten Österreicher und Preußen. Die große Stunde des Stacheldrahtes aber kam im ersten Weltkrieg. Ohne Stacheldraht hätte dieser Krieg bestimmt keine vier Jahre gedauert. Man baute die Drahtverhaue so dicht und massiv, dass selbst nach stundenlangem Trommelfeuer die Verhaue noch erhebliche Hindernisse darstellten.

Der Autor

Wenn an den Schriftsteller Georg Lohmeier (gestorben 2015 in München) erinnert wird, dann ist meist zuerst die Rede von der ZDF-Vorabendserie "Das königlich bayerische Amtsgericht" aus den 1970ern, zu der er das Drehbuch verfasste, gefolgt von dem Hinweis, Lohmeier sei ein Anhänger der bayerischen Monarchie gewesen. Lohmeiers umfassendes Radioschaffen im Bayerischen Rundfunk galt vor allem der Unterhaltung, doch in seinen wenigen Hörbildern zeigt sich seine Kultur- und Gesellschaftskritik besonders deutlich.

Produktion: BR 1969

Sommerreihe "Offenes Archiv"

Im Bayern 2-Sommerradio öffnet der Bayerische Rundfunk sein Schallarchiv. In sechs Folgen widmet sich das „Offene Archiv“ der Frage: Wie klingt es, wenn Schriftsteller Radio machen?


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