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Die mittelalterliche jüdische Gemeinde von Regensburg "Die Rabbiner sind große und heilige Männer"

Die jüdische Gemeinde von Regensburg ist die älteste in Bayern. Sie existiert, ähnlich wie in Köln, vermutlich bereits seit der Römerzeit. Im Mittelalter gehörte sie neben den Gemeinden in Worms, Speyer oder Mainz zu den bedeutendsten in Deutschland – bis zur Judenvertreibung 1519.

Von: Thomas Muggenthaler

Stand: 24.03.2021 | Archiv

Der Neupfarrplatz im Zentrum der mittelalterlichen Altstadt Regensburgs ist belebt und beliebt. Ein 7000 Quadratmeter großes Karree, in der Mitte eine Kirche, die Türme des Doms in der Nachbarschaft. Aber der Neupfarrplatz gehört nicht zu den seit der Antike gewachsenen Plätzen in Regensburg. Er ist eine Leerstelle in der historischen Bausubstanz, wenn auch schon Jahrhunderte alt. Hier stand im Mittelalter das jüdische Viertel, das 1519 zerstört wurde. Es zählte etwa 50 Häuser, in denen rund 500 Menschen lebten. 1995 begannen Archäologen auf dem Neupfarrplatz zu graben und entdeckten dabei das zerstörte jüdische Viertel.

"Was wir nicht wussten ist, dass wirklich 30 Zentimeter unter dem Kopfsteinpflaster schon die ersten Mauern dieses jüdischen Viertels zutage kommen. Plötzlich erschloss sich innerhalb kürzester Zeit dieses gesamte Wohnviertel, wo hier zig Häuser standen, ein Viertel mit Treppen, mit Keller, mit Fluren mit Straßen, mit Latrinen. Also es ist eine völlig unbekannte Welt wieder aus dem Boden aufgetaucht."

Silvia Codreanu-Windauer, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

Direkt vor der Neupfarrkirche haben die Archäologen zu ihrer Überraschung auch die Fundamente der gotischen Synagoge aus dem 13. Jahrhundert und Relikte eines romanischen Vorgängerbaus entdeckt. Bis dahin war man immer davon ausgegangen, dass die Synagoge unter der Kirche liegt. Der israelische Künstler Dani Karavan hat die Umrisse der gotischen Synagoge mit weißem Beton nachgezeichnet und bewusst einen "Ort der Begegnung" geschaffen. Hier sitzen Leute, unterhalten sich, essen Eis oder fahren Skateboard.

Nach den spektakulären Ausgrabungen hat die Stadt einige Kellerräume zugänglich gemacht. Eine Metalltreppe führt hinab in das sogenannte "document Neupfarrplatz". Hier ist auch ein Teil eines betonierten Luftschutzbunkers aus dem Zweiten Weltkrieg erhalten. Letztendlich zeigen die Ausgrabungen einen Querschnitt durch die Regensburger Geschichte von der Römerzeit bis ins 20. Jahrhundert. Am beeindruckendsten ist der letzten Raum: Der komplett erhalten gebliebene Keller eines jüdischen Wohnhauses, etwa 50 Quadratmeter groß, heute der zentrale Raum im Dokumentationsarchiv. Stühle stehen herum, ein Bildschirm hängt an der Wand, die Nachfrage im Dokumentationszentrum ist groß. Der steinerne Bogen der Tür, die in den Keller führt ist zerbrochen, aber hält gerade noch, ein Symbol der Zerstörung - und das Symbol des "document Neupfarrplatz". In den Gewölben fanden die Archäologen sogar einen kleinen Schatz, drei Behälter mit Goldmünzen. Ein rührendes Zeugnis der Menschen, die vergeblich hofften, wieder zurückkehren zu können.

"Man ist bewegt von dem, was man hier sieht, weil hier die Zerstörung fassbar, sichtbar ist. Und dennoch ist man auch bewegt, weil es auch eine Form des Lebens wiederspiegelt, ein Leben das hier stattgefunden hat über Jahrhunderte, wo Juden ihre Waren gelagert haben und insofern ist es auch ein Symbol für das jüdische Leben in der Stadt."

Eva Haverkamp-Rott, Professorin für mittelalterliche jüdische Geschichte, Ludwig-Maximilians-Universität München

Die jüdische Gemeinde von Regensburg gehört zu den ältesten in Deutschland. Vermutlich schon in der Antike lebten hier Juden, wie in den Städten überall im römischen Reich. Erstmals nachgewiesen sind sie allerdings erst in einem Dokument aus dem Jahre 891. Aber da blühte die Gemeinde bereits. Im Hochmittelalter lebten in Regensburg Gelehrte, die in der jüdischen Welt heute noch bekannt sind.

Jehuda he Chassid, Jehuda der Fromme, zum Beispiel. Er ist wohl der berühmteste Gelehrte von Regensburg, bekannt für seine Vorstellungen von besonderer Frömmigkeit. Er hat möglicherweise eine ganze Bewegung gegründet, die über Regensburg hinaus gottgefällige Frömmigkeit gefunden haben. Jehuda war nicht nur eine Autorität in Regensburg, sondern weit darüber hinaus in ganz "Ashkenas". Ashkenas ist die jüdische Bezeichnung für den jüdischen Kulturraum im deutschsprachigen Reich. Bekannt ist Jehuda he Chassid heute noch für sein Buch der Frommen, den sogenannten Sefer Chassidim, das wichtige Einblicke in das jüdische Leben des Mittelalters gibt. Dabei handelt es sich um eine Sammlung von Geschichten und Anweisungen zu einem frommen Leben. Es sind Geschichten aus Regensburg, weltberühmt bis heute.

Es war auch Jehuda he Chassid, der die Architektur der gotischen Synagoge entworfen hat, deren Fundament Dani Karavan auf dem Neupfarrplatz nachgezeichnet hat. Während die Synagogen in Speyer und Worms in der Mitte des Raumes zwei Säulen haben, gab es in der gotischen Synagoge in Regensburg eine dritte Säule. Diese dritte Säule sollte die Verbindung zu Gott noch einmal hervorheben: Ein metaphysischer Ausdruck der Schechina, der Präsenz Gottes. Nach dem Vorbild der Regensburger Synagoge wurde später die berühmte Prager Altneuschul erbaut, die es heute noch gibt. Die überregionale Bedeutung Regensburgs belegen auch Reiseberichte. Da berichtet ein "Petachja von Regensburg" von seinen Reisen, die ihn im 12. Jahrhundert auf die Krim, nach Bagdad und nach Palästina führten. Auch der Spanier "Benjamin von Tudela", der sich in das gelobte Land aufgemacht hat, erwähnt Regensburg.

"Bereits im 12. Jahrhundert, haben wir eine so wichtige Gemeinde, dass ein Benjamin von Tudela die Gemeinde in seinem Bericht hervorhob, als eine der wichtigsten Gemeinden in Aschkenas."

Eva Haverkamp-Rott, Professorin für mittelalterliche jüdische Geschichte, Ludwig-Maximilians-Universität München

Regensburg war bekannt nicht nur für seine Gelehrsamkeit und seine Gelehrten, sondern auch für seine Bücher, für die Sammlung von wichtigen jüdischen Kommentaren zur Bibel, zum Talmud und zu anderen Werken. In Regensburg gab es eine Talmudschule mit etwa 100 Schülern. Ein eindrucksvolles Zeugnis der jüdischen Gemeinde ist auch der sogenannten "Regensburger Pentateuch" aus der Zeit um 1300, der im Israel-Museum in Jerusalem aufbewahrt wird.

Die Frauen der Gemeinde waren sehr selbstbewusst. Sie führten eigene Siegel, tätigten Geschäfte unabhängig von ihren Männern oder vertraten die jüdische Gemeinde gegenüber der Stadt. Sie wurden auch von den Gelehrten immer wieder gelobt aber auch manchmal kritisiert für ihre Selbständigkeit und ihr Selbstbewusstsein.

Doch nach einer großen wirtschaftlichen und kulturellen Blüte im 11. bis 13. Jahrhundert begann Regensburg im Spätmittelalter zu verarmen. Der wirtschaftliche Druck auf die Bürger, auf Christen wie Juden, nahm zu. Immer schwerer fiel es Schuldnern die Darlehen, die sie bei den Juden aufgenommen hatten, zu bedienen. Anfeindungen von Christen gegenüber Juden häuften sich. Ausdruck dieser Judenfeindlichkeit sind zwei antisemitische Skulpturen am Regensburger Dom St. Peter. An einem Strebepfeiler an der Südseite des Doms ist eine sogenannte Judensau aus dem 14. Jahrhundert zu sehen, etwas verwittert, aber noch gut erkennbar. Es ist Stein gewordener Antisemitismus direkt gegenüber dem mittelalterlichen Judenviertel angebracht, das 1519 zerstört wurde. Dargestellt sind Juden, erkennbar an den typischen Judenhüten, die an den Zitzen einer Sau saugen und mit ihr über das Ohr kommunizieren. Dabei ist es Juden eigentlich verboten, mit Schweinen in Berührung zu kommen. Doch die Skulptur legt nahe, dass sich die Juden nicht an dieses Verbot halten. Überdies galt das Schwein im Mittelalter im Mittelalter als Symbol des Teufels.

"Diese Darstellung wollte nicht nur Ekel gegenüber Juden hervorrufen. Behauptet wurde auch, dass die Juden mit dem Teufel im Bund seien, von ihm genährt werden und seine Lehren aufnehmen. Im Mittelalter als dem Teufel nahe stehend oder als Kinder des Teufels zu gelten, hat eine viel größere Bedeutung, als man das heute vorstellen kann. Damit ist man nicht nur sündig, sondern auch der Feind des Christentums. Die Skulptur ist ein Angriff nicht nur auf das Judentum, sondern auch auf die Juden."

Eva Haverkamp-Rott, Professorin für mittelalterliche jüdische Geschichte, Ludwig-Maximilians-Universität München

Eine zweite, größere antisemitische Skulptur findet sich an der Westfassade, der Prunkseite des Doms: "Der Tanz um das goldene Kalb". Die Skulptur stammt aus der Zeit um 1420. Sie unterstellt den Jüdinnen und Juden von Regensburg Götzendienst zu begehen. Genauso wie sie damals das Goldene Kalb der Bibel verehrt hätten, verehrten sie immer weiter Geld und Gold.

Anfang des 16. Jahrhunderts spitzte sich die Situation in Regensburg zu. Die Stadt war pleite. Andererseits florierte das Geldgeschäfte der jüdischen Geldverleiher. Davon aber sah die Stadt nichts, denn die Juden waren ausschließlich dem Kaiser steuerpflichtig. Damit floß ein großer Teil der in Regensburg erwirtschafteten Gelder aus der Stadt ab. Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts versucht deswegen der Regensburger Stadtrat die jüdische Gemeinde aus der Stadt zu vertreiben. 1516 schließlich strengt er einen Prozess beim Kaiser an, den sogenannten "Innsbrucker Prozess" mit dem Ziel der Vertreibung der Juden.

Nach dreijähriger Prozessdauer ist noch kein Ende abzusehen, als Kaiser Maximilian I. am 12. Januar 1519 stirbt. Die Zeit bis zur Wahl eines Nachfolgers will der Stadtrat nutzen. Am 21. Februar 1519 beschließt er die Vertreibung der Juden. Einer der Stadträte, die der jüdischen Gemeinde den Beschluss übergeben, ist der Stadtbaumeister und berühmte Künstler Albrecht Altdorfer. Innerhalb von 24 Stunden haben die Juden die Synagoge zu räumen und innerhalb von fünf Tagen die Stadt zu verlassen. Es ist Winter, sehr kalt und es schneit. Die Juden ziehen über die Steinerne Brücke aus der Stadt. Alte und schwangere Frauen wurden auf zwei Schiffe gebracht. Eines geht bei bei Donaustauf unter, die Menschen ertrinken. Unmittelbar danach machen die Regensburger tabula rasa. Sie reißen das jüdische Viertel ab und zerstören die Synagoge.

Wie die Synagoge ausgesehen hat, ist durch zwei Kupferstiche von Albrecht Altdorfer überliefert. Altdorfer hat die leer geräumte Synagoge kurz vor ihrer Zerstörung dokumentiert und versah seine Kupferstiche mit der Bemerkung, dass die Synagoge "nach Gottes gerechtem Ratschluss" dem Erdboden gleichgemacht worden sei.

"Wenn man die Kupferstiche sieht, ist man schon fast dankbar für die Darstellung der 1519 zerstörten Synagoge, vergisst aber, dass Altdorfer selbst beteiligt war an der Vertreibung der Juden, dass er sie gutgeheißen hat, dass er sie als Ratsmitglied mitentschieden und mitgetragen hat."

Eva Haverkamp-Rott, Professorin für mittelalterliche jüdische Geschichte, Ludwig-Maximilians-Universität München

Altdorfer begleitet mit seiner Kunst auch den Transformationsprozess des Platzes hin zu einem christlichen Platz, zu einem Ort der Marienverehrung: Beim Abriss der Synagoge geschieht angeblich ein Wunder. Der Maurer Jakob Kern stürzt in die Tiefe, aber er überlebt - dank der Hilfe der Muttergottes, heißt es. Ein Wunder! Dass Kern wenig später dennoch stirbt, tut dem Hype um das angebliche Wunder keinen Abbruch. Eine große Wallfahrt setzt ein, die Wallfahrt zur "Schönen Maria". Gemalt hat die Schöne Maria Albrecht Altdorfer. Das Wallfahrtsbild Schöne Maria von Albrecht Altdorfer existiert heute noch und wird noch immer verehrt.

Damit besetzt die christliche Mehrheitsgesellschaft den ehemaligen zentralen Ort der jüdischen Minderheit. Anfangs steht die Schöne Maria lediglich in einer hölzernen Kapelle, die eilig auf den Fundamenten des jüdischen Gotteshauses wurde. Der Altdorferschüler Michael Ostendorfer hat die Kapelle und die Wallfahrt in einem großen Holzschnitt um 1520 verewigt. Er zeigt die Ekstase, in die die Regensburger und auch die Pilger an dem in ihrem Glauben an die Wundertätigkeit der schönen Maria verfallen.

Weil Tausende Pilger nach Regensburg strömen, beschließt man den Bau der Neupfarrkirche. Die Kirche hätte sich auch über den Fundamenten der Synagoge erheben sollen als triumphales Zeichen der Zerstörung des jüdischen Viertels und des Sieges des Christentums über das Judentum. Doch der Bau wurde vorher eingestellt. Selbst vor den Gräbern der Juden machten die Zertsörer nicht Halt. Sie schändeten und plünderten auch den großen jüdischen Friedhof im Süden der Stadt, außerhalb der Stadtmauer. Auf ihm waren nicht nur Mitglieder der Regensburger Jüdischen Gemeinde bestattet. Er war ein zentraler Friedhof, in dem mindestens für 100 bis 150 Jahre die Juden aus ganz Altbayern bestattet wurden. Eine wichtige Quelle für die Zerstörung des Friedhofs ist der Bericht des christlichen Mönchs Christoph Hofmann, der sich Christophorus Ostrofrancus nannte.

"Dieser Ostrofrancus berichtet uns, es wären circa 4200 Gräber gewesen, die da geschändet worden sind, er sagt uns, dass die Grabsteine weggenommen worden sind, um dann später als Baumaterial verwendet zu werden zum Beispiel für die Verkleidung der Neupfarrkirche. Er schreibt über die Schändung des Friedhofes über das Herausreißen, das Ausgraben von Leichen, das Durch-die-Stadt-schleifen und Ausstellen dieser Leichen, das skizziert ein fürchterliches Szenario."

Lutz-Michael Dallmeier, Archäologe Stadt Regensburg

Die Regensburger wussten sehr wohl, warum sie das taten. Sie wollten die Existenz der Juden komplett auslöschen und damit verhindern, dass sich je wieder Juden in der Stadt ansiedeln konnten. Denn der Friedhof war auch eine Pilgerstätte zu den Gräbern der berühmten Gelehrten gewesen. Juden aus ganz Ashkenas, dem deutschsprachigen jüdischen Kulturraum bis weit nach Osteuropa hinein, kamen eigens dafür nach Regensburg. Nun wurde er als Schweineweide genutzt. Die Grabsteine wurden wiederverwendet - weniger wegen des Baumaterials, vielmehr, möglichst sichtbar verbaut, demonstrativ als Symbole des Triumphes der Christen. Nicht nur in Bürgerhäusern, sondern sogar im Domkreuzgang.

"Die Elite der Stadt hat sich diese Grabsteine in ihre Fassaden und Toreinfahrten ein bauen lassen als Visitenkarte und sie zeigen diese Grabsteine mit Stolz. 'Laus deo', 'zum Lobe Gottes' kommentiert Bürgermeister Caspar Amann seinen Grabstein, dem er sich zur Dokumentation seiner Mitwirkung bei der Vertreibung der Juden in seinen eigenen Hof einbauen ließ."

Eva Haverkamp-Rott, Professorin für mittelalterliche jüdische Geschichte, Ludwig-Maximilians-Universität München

Ein sehr gut erhaltener Grabstein findet sich in der Toreinfahrt im Haus des städtischen Fechtmeisters Neue Waaggasse 2. Dort, in der repräsentativen Einfahrt, der Durchfahrt für die Kutschen und die Pferde, wurde er eingebaut; eine ganz bewusste Setzung, ein politisches Statement. Und natürlich gibt es auch einen ehemaligen jüdischen Grabstein im Rathaus. An einer besonders perfiden Stelle: Durch eine schwere Eisentür führt der Weg zur "Fragstatt", der Folterkammer des Mittelalters, heute eine der absoluten Touristenattraktionen im Weltkulturerbe Regensburg. Dort, im "Lochgefängnis", einem unterirdischen Raum wurde der Stein eingesetzt, nachdem in die Mitte eine kreisrunde Öffnung geschnitten wurde. Einst verehrter Grabstein diente den Gefangenen, dem Abschaum der Stadt, als Toilette.

"Bei dem Grabstein ist die Aussage völlig eindeutig. Da gibt es keinen Spielraum für Interpretationen welche Geisteshaltung dahinter steht."

Matthias Freitag, Stadtführer Regensburg

Die Juden waren vertrieben, das jüdische Viertel zerstört. Aber der Prozess, mit dem die Regensburger die Vertreibung durchsetzen wollten, lief noch. Erst im November 1519 fiel das Urteil: Die Regensburger verloren, die Vertreibung wurde als rechtswidrig gebrandmarkt. Zurückkehren aber durften die Juden dennoch nicht. Die Regensburger hatten Fakten geschaffen, die nicht mehr rückgängig gemacht werden konnten.

"Das Ganze ist in der Radikalität und Brutalität nur mit wenigen Orten im Reich zu vergleichen und es ist in dem Sinne erfolgreich gewesen, weil Juden als jüdischen Gemeinde erst weit in der Neuzeit in der Stadt wieder heimisch werden konnten und heimisch werden durften."

Eva Haverkamp-Rott, Professorin für mittelalterliche jüdische Geschichte, Ludwig-Maximilians-Universität München

Dennoch kamen im Lauf der Zeit wieder Juden in die Stadt. Zwar unter dem Schutz des Kaisers, von den Bürgern aber weiter abgelehnt. In der Kirche St. Kassian, gleich neben dem Neupfarrplatz, feiert ein Deckenfresco die Zerstörung des Jüdischen Viertels im Jahre 1519 unter dem Schutz der Schönen Maria, entstanden Mitte des 18. Jahrhundert, über dreihundert Jahre nach der Vertreibung der Juden. Hier steht die Schöne Maria über der Ratisbona, der Allegorie von Regensburg und schützt und schirmt all das, was Ratisbona macht - auch die Vertreibung der Juden.


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