Bayern 2


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Ausgebrannt und freudlos Depressive Erschöpfung

Am meisten gefährdet sind Menschen, die niedergeschlagen sind und sich ausgebrannt fühlen. Depressionen und chronische Erschöpfung führen zu einem Teufelskreis aus sozialer Isolation, ungesundem Lebensstil und negativem Selbstbild, der nicht nur das Krankheitsbild verschlechtern kann, sondern auch die Behandlung gefährdet.

Von: Uli Hesse

Stand: 27.03.2019

Gestresste Frau am Schreibtisch | Bild: Getty Images

Eine "Depression" bei Herzpatienten beschreibt ein anderes Krankheitsbild als es die Psychiatrie verwendet. Beim Herzen geht es um Erschöpfung, Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit. Die klassische psychiatrische Depression umfasst dagegen innere negative Bewertungen, Selbstvorwürfe oder eine Aggressivität, die sich gegen einen selbst richtet.

Diagnose

Erfahrenen Ärzten gelingt es mit zwei Fragen festzustellen, ob ein Patient depressiv ist und damit ein erhöhtes Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung hat:

  • "Haben Sie im letzten Monat oft unter Gefühlen von Niedergeschlagenheit, Depressionen oder Hoffnungslosigkeit gelitten?"
  • "Haben Sie im letzten Monat oft unter geringem Interesse oder Freudlosigkeit gelitten?"

Wer beide Fragen verneint, leidet mit großer Wahrscheinlichkeit (96 Prozent) nicht an einer Depression. Wer auch nur eine von beiden bejaht, der leidet mit 50 prozentiger Wahrscheinlichkeit an einer Depression.

Versteinerung statt Trauer

Depressive Menschen gelten als "traurig". Aber das Schlimme ist, dass Depressive gar nicht mehr Trauer fühlen können. Sie sind eher ausgebrannt und wie versteinert, obwohl sie sich eigentlich danach sehnen, wieder ein Gefühl zu haben.

"Sie fühlen sich wie abgetrennt von der Welt, und können sich weder über ein süßes kleines Kind mit einem Luftballon freuen, noch bei einer traurigen Situation mitleiden. Das alles berührt sie nicht mehr richtig."

Prof. Dr. Karl-Heinz Ladwig

Depression beeinträchtigt den Behandlungserfolg

Depressive rauchen eher zum Zeitpunkt ihrer Herz-Kreislauf-Diagnose und es fällt ihnen schwerer als anderen, es aufzugeben. Im Vergleich zu sogenannten Gesunden nehmen sie auch weniger regelmäßig die verschriebenen Medikamente ein – beispielsweise, weil sie sich entscheiden, eine Dosis auszulassen oder sie vergessen, sie einzunehmen.

Teufelskreis

Depressiv Erschöpfte kehren seltener an ihren Arbeitsplatz zurück. Sie sind einsam, sozial isoliert und finden es schwierig, intime Beziehungen aufrechtzuerhalten. Das wirkt sich natürlich auf das Selbstbild aus. Dazu können Potenzstörungen aufgrund der depressiven Neigung und der Herz-Kreislauf-Erkrankung kommen, so dass sich daraus ein sozialer und psychischer Teufelskreis entwickelt.


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