Bayern 2


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Faszination Böhmerwald (1/2) Psychogramm einer Seelenlandschaft

Die Tschechen haben einen besonderen Namen für den Böhmerwald: Šumava, die Rauschende, nennen sie diese Landschaft, in der die Moldau entspringt, der "Schicksalsfluss" der Tschechen. Heidi Wolf berichtet über die eigenartige Schönheit dieser Gegend.

Von: Heidi Wolf

Stand: 25.12.2017 | Archiv

"Wenn ich im Böhmerwald unterwegs bin, fasziniert mich immer, dass es hier noch Orte gibt, da kannst du dich um 360 Grad drehen und du blickst nur auf Wald. In den Abendstunden vernimmt man keinen Lärm, man sieht keine künstlichen Lichtquellen und an Nebeltagen im November hat der Böhmerwald etwas sehr Melancholisches. Wenn man da, so wie hier vom Dreisessel zum Plöckenstein in so einer Nebelstimmung geht, dann ist das was sehr Emotionales, wo man sehr schnell wieder geerdet wird. Und für mich ist das meine persönliche Seelenlandschaft."

(Michael Held, Förster)

Riesige Wälder und wilde Natur

Grenzsteine am Dreiländereck

"Waldwoge steht hinter Waldwoge, bis eine die letzte ist und den Himmel schneidet!" So schwärmte der Dichter Adalbert Stifter vom Böhmerwald, der sich 120 Kilometer lang und 50 Kilometer breit entlang der deutsch-tschechisch-österreichischen Grenze erstreckt.

45 Jahre lang trennte ein undurchdringlicher Stacheldrahtzaun die Landschaft und die Menschen, die Jahrhunderte lang friedlich miteinander gelebt hatten, bis Hitler die Macht ergriff und die deutschsprachigen Sudentengebiete an sich riss. Die Rache folgte nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Bevölkerung wurde ausgewiesen, ihre Dörfer zerstört. Seit 1990 aber ist die Grenze wieder offen.

"Wir haben als Kinder richtig Angst vor dieser Grenze gehabt. Man hat nicht einmal gewagt, dass man da zwei, drei Meter rübergeht. Als kleines Kind war ich der Meinung, da drüben ist China, irgendwas in der Größenordnung."

(Katharina Eisch-Angus, Volkskundlerin)

Die Fichten in dieser Region wachsen nur langsam

Vom Sturm entwurzelte Bäume

Besuchern bietet sich eine traumhafte Landschaft mit riesigen Wäldern und wilder Natur. Auf dem Weg vom Dreisessel zum Plöckenstein versperren immer wieder umgestürzte Baumriesen den Weg. Mächtige Felsen türmen sich zum Steinernen Meer auf – der Frost hat sie nach der Eiszeit gesprengt. Die Fichten in dieser Region wachsen nur langsam. In der Nähe des Plöckensteiner Sees hat ein Nationalpark-Ranger einen abgestorbenen Baum gefunden, der 560 Jahre alt war, wie Wissenschaftler der Uni Prag anhand der Jahresringe herausgefunden haben. Für die ersten 18 Zentimeter brauchte die Fichte 370 Jahre!

Eine Seelenlandschaft von eigenartiger Schönheit

Förster Michael Held (r.) und Pavel Bečka (l.), Verbindungsmann zwischen den Nationalparks Bayerischer Wald und Böhmerwald

Der Förster Michael Held, Pavel Bečka, Verbindungsmann zwischen den Nationalparks Bayerischer Wald und Böhmerwald, und die  Volkskundlerin Katharina Eisch-Angus sind immer wieder angetan von der eigenartigen Schönheit dieser Landschaft. Davon handelt die Sendung "Faszination Böhmerwald 1. Teil. Psychogramm einer Seelenlandschaft."


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