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Psycho-Stress Individuelle Ursachen und Symptome

Sind wirklich immer die Kollegen schuld oder gar die beschleunigte moderne Gesellschaft? Nun ja. Es ist einfach, die Anderen für das eigene Gehetzt-Sein verantwortlich zu machen. Aber verändern kann man nur sich selbst. In Sachen persönliche Stressreduktion gibt es meist durchaus Optimierungsbedarf.

Von: Justina Schreiber

Stand: 21.12.2017

Frau steht am Herd und kocht, mit Kleinkind auf dem Arm und Telefon am Ohr. | Bild: BR

Zunächst scheinen die erhöhten Anforderungen oft wirklich von außen zu kommen: die Chefin verlangt dies, der Kollege will das, und dann gibt es auch noch diese blöde neue Software. Wenn aber z. B. bevorstehende Weihnachtsfeiertage zu hektischer Betriebsamkeit in der Küche führen, kommt zumindest beim Umfeld der Verdacht auf, dass hier nicht nur viel zu viele Plätzchen gebacken werden sollen, sondern auch überflüssiger Stress produziert wird.

Was steckt dahinter? Individuelle Stress-Treiber sind:

  • Perfektionismus und Ehrgeiz
  • Harmoniebedürfnis
  • Mangelnder Mut, Grenzen zu ziehen und auch mal "nein" zu sagen

"Mein Chef hat noch eine Zusatzaufgabe und natürlich sage ich: ja! Weil ich nicht als jemand dastehen möchte, der die Arbeit verweigert. Oder: Im partnerschaftlichen Bereich nehme ich Dinge hin, die mich eigentlich ärgern, aber ich sage nichts um des lieben Frieden willens. Aber auch: ich möchte allen gefallen. Deshalb sage ich zu allem ja und Amen. Und plötzlich habe ich sieben Jobs an der Backe, von denen ich nur fünf schaffen kann."

Prof. Dr. Reinhart Schüppel, Chefarzt der Johannesbadklinik Furth im Wald

Jeder Mensch reagiert anders auf Belastungen. Manche halten mehr aus, andere weniger. Ein Elternteil freut es, wenn das Kind am Abend Geige übt, dem anderen platzt deshalb nach einem anstrengenden Arbeitstag der Kragen. Ab wann es stressig wird, ist individuell verschieden.

Auf erste Anzeichen achten!

Erste Anzeichen dafür, dass der Stress-Level negative Folgen hat, werden oft bagatellisiert oder ignoriert. Aber besser wäre es, darauf zu achten und sich nicht darüber zu ärgern. Denn man kann die eigenen Körpersignale auch als Aufforderung verstehen: ändere etwas! Zieh die Stress-Bremse!

Warnsignale für Stress:

Besonders guter Indikator: der Schlaf

"Wenn man nach einem anspruchsvollen Tag am nächsten Tag frisch und gut erholt aufwacht, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass man negative Stressfolgen zu erleiden hat, nicht besonders hoch. Wenn man aber ein ganzes Wochenende braucht, um sich zu erholen, dann ist das schon ein Anzeichen für zu viel Stress. Und wenn man dringendst einen ganzen Urlaub braucht, dann sollte man mal grundsätzlich nachdenken, was im Leben nicht so gut läuft."

Prof. Dr. Reinhart Schüppel, Chefarzt der Johannesbadklinik Furth im Wald


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