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Hintergrund Prostatakrebs

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Prostatavergrößerung Welche Therapien gibt es?

Die Therapie einer gutartigen Prostatavergrößerung unterscheidet sich deutlich von der eines Prostatakrebses. Grob gesagt kommen bei der gutartigen Prostatavergrößerung in frühen Stadien Medikamente zum Einsatz und später Operationsverfahren. Beim Prostatakrebs ist es umgekehrt: Hier kommen in frühen Stadien eine Überwachung, eine Bestrahlung oder eine Operation zum Einsatz und in späteren Stadien Medikamente.

Stand: 23.01.2019

Bei einer Veränderung der Prostata gibt es zahlreiche Therapien. Im Bild: Greenlight Laser Vaporisation als besonders schonendes OP-Verfahren zur endoskopische Behandlung der gutartigen Prostatavergrößerung, hier im Werner-Forßmann-Krankenhaus Eberswalde. | Bild: picture-alliance/dpa

Therapie der gutartigen Prostataveränderung

Bei irritativen Beschwerden ohne wesentliche Vergrößerung können Alpha-Rezeptor-Blocker verordnet werden, welche Muskelzellen blockieren, die sich am Blasenauslass befinden. Dadurch werden der Widerstand beim Wasserlassen erniedrigt und die Beschwerden recht rasch verringert.

Therapie bei vergrößerter Prostata

Bei obstruktiven Beschwerden können sogenannte Alpha-Reduktase-Hemmer verschreiben werden: Während Testosteron überall im Körper zu finden ist, wird es in der Prostata durch die 5-Alpha Reduktase in das in der Prostata wirksame Dihydrotestosteron umgewandelt. Nur dies steuert das Wachstum sowohl der gutartigen als auch zum Teil der bösartigen Zellen. Bei Einnahme des Medikaments wird dieses Wachstum gehemmt und eventuell sogar die Prostata verkleinert, was aber länger dauert.

Operation bei gutartiger Veränderung

Resektion der Prostata (TURP)

Wenn eine medikamentöse Therapie nicht greift und die Prostata so vergrößert ist, dass sie den Harnstrahl deutlich beeinträchtigt, sollte operiert werden. Dabei stehen mehrere Optionen zur Verfügung. Wenn die Prostata nur mäßig vergrößert ist, also bis zu einem Volumen bis etwa 100 ml, ist die klassische Operation die sogenannte transurethrale Resektion der Prostata (TURP), bei der die inneren Anteile der Prostata über die Harnröhre in kleinen, exakt geführten Schnitten ausgeschält werden, bis nur noch die Kapsel steht. Es steht hier ein weiteres alternatives Verfahren zur Verfügung, das bei benötigter Blutgerinnungshemmung einen Vorteil bringen kann. Die sogenannte Laservaporisation (Greenlight) verdampft mit einer Laserfaser das Prostatagewebe über die Harnröhre ohne wesentliche Blutung. In vielen Fällen kommt es jedoch zu einer Überaktivität der Harnblase mit einem starken Harndrang. Wenn die Prostata deutlich größer ist, erfolgt eine Ausschälung dieser inneren Anteile klassischerweise über einen kleinen Schnitt oberhalb des Schambeins mit dem Finger, die sogenannte transvesikale Adenomenukleation (TVA). Es steht hier aber ein alternatives Verfahren zur Verfügung, das bei entsprechender Erfahrung Vorteile gegenüber dieser Operation über einen Schnitt bringen kann. Die sogenannte Laserenukleation (HoLEP oder ThuLEP) löst mit einer Holmium- oder Thulium-Laserfaser die inneren Anteile der Prostata in einem Stück von der Kapsel. Dieses Prostatagewebe, das für das erschwerte Wasserlassen verantwortlich ist, wird dann in der Blase zerkleinert und abgesaugt.

Therapie des Prostatakrebses

Das Frühstadium eines Prostatakarzinoms ist sehr gut behandelbar, wobei die am besten etablierten Methoden die Operation und die Bestrahlung sind. Bei einem Prostatakarzinom muss die gesamte Prostata inklusive der Kapsel entfernt beziehungsweise behandelt werden, da sonst bösartige Zellen zurückbleiben können. Bei einer sehr günstigen Ausprägung des Karzinoms mit einem nur geringen Risiko, dass der Tumor unbehandelt streuen wird, steht auch die intensive Überwachung zur Verfügung.

Die radikale Prostatektomie

Eine Operation bietet eine Heilung, da in den meisten Fällen eine komplette Entfernung der Prostata mit allen bösartigen Anteilen möglich ist. Hier können in vielen Fällen die an der Prostata verlaufenden Nerven, die für die Erektion zuständig sind, erhalten werden. Eine Harninkontinenz ist zwar eine mögliche, jedoch seltene Folge, denn meistens ist eine exakte Schonung der Bereiche um den Schließmuskel möglich. Dieser Eingriff kann mit einem offenen Schnitt oder auch minimal-invasiv erfolgen, wobei über kleine Hautschnitte die Instrumente in den Körper eingeführt werden, was dem Patienten eine recht rasche Regeneration ermöglicht.

Das DaVinci-System zur robotisch assistierten Operation

An einigen Kliniken kommt dabei das seit einigen Jahren etablierte robotische DaVinci-System zum Einsatz. Dieses ermöglicht dem Operateur einerseits den Einsatz von in allen Richtungen beweglich und exakt zu führenden Instrumenten und andererseits eine sehr gute Sicht, da eine hochauflösende 3D-Optik mit zehnfacher Vergrößerung des Operationsfeldes verwendet wird.

Die Bestrahlung der Prostata

Bestrahlung der Prostata

Das Prostatakarzinom ist durchaus strahlenempfindlich, so dass eine Bestrahlung der gesamten Prostata inklusive der Kapsel Tumorzellen abtöten kann. Dieser Effekt ist umso größer, wenn Medikamente gegeben werden, die die männlichen Geschlechtshormone unterdrücken - die sogenannte Hormontherapie. Diese wird oft begleitend gegeben. Die Bestrahlung braucht keine Narkose und kann in aller Regel ambulant erfolgen. Durch eine Gewebsveränderung der angrenzenden Blase und der Vorderwand des Enddarms sind eine Harninkontinenz und Probleme beim Stuhlgang mögliche Folgen, die aber wie auch Komplikationen bei der radikalen Operation nur selten auftreten. Die Potenz wird durch Gewebsveränderungen um die Prostata herum in der Regel schwächer. Es gibt keine belastbaren Hinweise darauf, dass eine Bestrahlung mit Photonen der bisher etablierten Form der Strahlentherapie überlegen wäre, so dass letztere der Standard ist.

Die aktive Überwachung

Wenn das Risiko eines Fortschreitens des Tumors gering ist, können der Arzt und der Patient gemeinsam beschließen, dass das Prostatakarzinom auch nur überwacht wird. Hierbei muss aber regelmäßig eine Kontrolle des PSA-Wertes erfolgen, und bei Hinweisen auf eine Veränderung, muss eine erneute Biopsie erfolgen. Gegebenenfalls kann auch ein MRT der Prostata wiederholt werden. Sollte sich dann zeigen, dass sich das Karzinom ungünstig verändert hat, wird eine Therapie eingeleitet.

Was ist zu empfehlen?

"Die Strahlentherapie ist nicht von vorne herein schonender als eine Operation, sondern jede Methode bietet ihre spezifischen Vor- und Nachteile. Idealerweise werden Patienten gemeinsam von Urologen und Strahlentherapeuten beraten, welche Maßnahme in ihrem individuellen Fall die beste ist. In sogenannten 'Tumorboards' diskutieren Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen ausführlich, was die optimale Therapieempfehlung für den einzelnen Patienten ist. Wenn Urologen und Strahlentherapeuten so zusammenarbeiten, eine ausreichende Erfahrung besitzen und eine hohe Zahl von Patienten in hoher Qualität behandeln, können sie von der Deutschen Krebsgesellschaft als Prostatakarzinom-Zentrum zertifiziert werden. Im Rahmen einer solchen Zertifizierung werden die Güte der Beratung und die Güte der Therapie regelmäßig überwacht. In diese Zentren sind niedergelassene Urologen eingebunden. Man empfiehlt also grundsätzlich, sich an einen niedergelassenen Urologen zu wenden, der mit einem zertifizierten Prostatakarzinom-Zentrum zusammenarbeitet."

Prof. Dr. Maximilian Burger, Urologe am Caritaskrankenhaus St. Josef in Regensburg

Fortgeschrittene Karzinome

Auch wenn ein Karzinom gestreut hat und eigentlich keine Heilung mehr möglich ist, stehen viele therapeutische Optionen zur Verfügung. Da das Prostatakarzinom in Abhängigkeit vom männlichen Geschlechtshormon wächst, können hier verschiedene Medikamente mit Erfolg ansetzen. Sollte das Karzinom darauf nicht mehr reagieren, kann auch eine milde Chemotherapie gegeben werden. Die meisten Metastasen finden sich in den Knochen, so dass knochenstabilisierende Medikamente zum Einsatz kommen. Auch können umschriebene Knochenherde bestrahlt und nuklearmedizinisch behandelt werden. Auch wenn trotz dieser Maßnahmen keine Heilung erreicht werden kann, kann das Tumorwachstum in vielen Fällen längere Zeit kontrolliert werden.

Blick in die Zukunft - Was wird es künftig geben?

Für Prostatakarzinome mit niedrigem Risiko gibt es den durchaus vielversprechenden Ansatz der fokalen Therapie, wobei nur die Tumorareale mittels hochintensiviertem fokussiertem Ultraschall (HIFU) gezielt zerstört werden, während nicht-tumorbefallene Anteile der Prostata unbehandelt bleiben.

Im Falle eines Wiederauftretens des Karzinoms können eine Bestrahlung oder Operation ohne Einschränkung durchgeführt werden. Hierdurch verspricht man sich eine weitere Minimierung der mit der Therapie des Prostatakarzinoms einhergehenden Nebenwirkungen. Diese neuartige Therapieform wird bislang an spezialisierten Zentren für geeignete Patienten angeboten und sollte am besten im Rahmen von klinischen Studien eingesetzt werden. Für Patienten mit einem bereits gestreuten Karzinom werden laufend neue Medikamente entwickelt; hier werden einerseits verschiedene Abfolgen der mittlerweile zahlreichen zugelassenen Wirkstoffe untersucht und andererseits sind aktuell vor allem Ansätze vielversprechend, bei denen Antikörper, die sich nur gegen Tumorzellen richten (sog. PSMA-Antikörper), mit nuklearmedizinischen Strahlungsquellen verbunden werden, sodass nur gegen die Tumorzellen ein Effekt auftritt. Diese Therapien werden an einigen Zentren in Studien angewandt.


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