Bayern 2

Bayern - Land und Leute Ludwig Marcuse als Remigrant am Tegernsee

Ludwig Marcuse | Bild: picture-alliance/dpa

Sonntag, 08.07.2012
13:30 bis 14:00 Uhr

BAYERN 2

"In einem Elfenbeinturm am Tegernsee"
Ludwig Marcuses Erfahrungen als Remigrant
Von Renate Eichmeier

Philosoph war er, Theaterkritiker, Schriftsteller, deutscher Emigrant mit amerikanischem Pass, selbsternannter Skeptiker und brillanter Aphoristiker: der Berliner Ludwig Marcuse, der in den 20er Jahren zu publizieren begann und sein Leben lang wie besessen schrieb - Essays und Kritiken, philosophische Bücher und Monographien über Heinrich Heine, Ignatius von Loyola, Richard Wagner.
Ab 1933 lebte Marcuse mit seiner Frau Sascha im Exil. Nach einigen Jahren in Südfrankreich fanden die beiden 1939 in den USA eine neue Heimat – wie viele ihrer Freunde: Fritzi Massary, Alfred Döblin, Erika Mann. Zweieinhalb Jahrzehnte unterrichtete Ludwig Marcuse deutsche Literatur und Philosophie an der University of California in Los Angeles. 1949 besuchte er Deutschland das erste Mal nach dem Zweiten Weltkrieg, aber seinen Wohnsitz in den USA hat er erst nach seiner Emeritierung und nach langem Zögern aufgegeben. Schließlich ließ er sich 1962 mit seiner Frau Sascha in Bad Wiessee nieder. In einer kleinen Wohnung mit Blick auf den Tegernsee und die Berge verbrachte er sein letztes Lebensjahrzehnt. In einem Reihenhaus am Ende einer Sackgasse. Ein einsamer Remigrant. Den politischen Auseinandersetzungen der APO-Zeit stand er skeptisch gegenüber. Den Glanz des gesellschaftlichen Lebens der Weimarer Jahre in Berlin konnte die Bonner Republik nicht bieten – jedenfalls ihm nicht, dem politisch abseits Stehendem.
Ludwig Marcuse schrieb regelmäßig für das „Nachtstudio“ des Bayerischen Rundfunks, veröffentlichte in verschiedenen Zeitschriften und publizierte nach wie vor Bücher. Eines seiner besten ist damals in Bad Wiessee entstanden: sein „Nachruf auf Ludwig Marcuse“, ein humorvolles Resümee seines Lebens, erstaunlich ehrlich und unpathetisch, wie Renate Eichmeier meint.