Bayern 2

radioWissen Migrations- und Raubliteratur

Altes Buch mit ausgebrannter Kerze und einer Brille | Bild: colourbox.com

Dienstag, 12.10.2021
09:05 bis 10:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Migrationsliteratur
Weggehen, Ankommen, Weiterleben

Nazi-Raubliteratur
Plagiat im Holocaust

Das Kalenderblatt
12.10.1810
Therese von Sachsen-Hildburghausen und der bayerische Kronprinz Ludwig heiraten
Von Birgit Magiera
Diese Sendung hören Sie auch in der BR Radio App und ist als Podcast verfügbar.

Migrationsliteratur - Weggehen, Ankommen, Weiterleben
Autorin: Julia Devlin / Regie: Susi Weichselbaumer
Migration ist allgegenwärtig: Jedes Jahr verlassen Millionen von Menschen den Ort, das Land ihrer Herkunft, freiwillig, unfreiwillig oder irgendwo dazwischen. Sie fliehen vor Kriegen, vor Naturkatastrophen, vor Verfolgung, sie suchen nach einem besseren Leben für sich und ihre Kinder, oder sie gehen als Expats für ihre Firma ins Ausland.
Viele Wissenschaften haben sich mit Migration beschäftigt, haben ihre Ursachen und Auswirkungen unter demographischen, wirtschaftlichen, politologischen und anderen Blickwinkeln untersucht. Doch um Migration besser zu verstehen, ist auch die Literatur ein guter Wegweiser. Sie ermöglicht, die Menschen hinter dem Phänomen zu erkennen und den Zahlen ein Gesicht zu geben. Weggehen, Ankommen, Weiterleben und vielleicht auf die ein oder andere Weise zurückkehren - auf diese Gemeinsamkeit lässt sich Migrationsliteratur reduzieren. Darüber spannt sich ein Universum individueller Schicksale. So schreiben Bestsellerautorinnen Marina Lewycka und Natascha Wodin über die Verwerfungen, die die Zwangsmigrationen des Zweiten Weltkrieges noch in der Folgegeneration bewirken. Eva Hoffman, die als Dreizehnjährige von Polen nach Kanada migrierte, lässt uns an dem Heimischwerden in einer neuen Sprache teilhaben und Fabio Geda erzählt die dramatische Überlebensreise eines afghanischen Jungen.

Nazi-Raubliteratur - Plagiat im Holocaust
Autorin: Julia Smilga / Regie: Martin Trauner
Dass in der Nazizeit jüdische Fabriken und Kaufhäuser den Eigentümern entrissen wurden, ist bekannt. Weniger bekannt ist der intellektuelle Raub. So ließen die Nazis den Bestseller der jüdischen Autorin Alice Urbach „So kocht man in Wien!“ ab 1938 unter falschem Namen erscheinen - mit einem fast unveränderten Inhalt. Die Enkelin der Köchin, die Historikerin Karina Urbach hat die Geschichte ihrer Großmutter recherchiert - und ließ nach über 80 Jahren die Gerechtigkeit siegen. Der Verlag hat sich entschuldigt, nun gibt es eine kleine Neuauflage des Buches, mit der Autorenschaft von Alice Urbach.
Das geraubte Kochbuch Alice Urbach ist bei weitem kein Einzelfall. Ob Jura, Medizin, Finanzwesen oder ein Stil-Buch der deutschen Sprache - es deutet alles darauf hin, dass es noch viel mehr Plagiate und Raube geistigen Eigentums jüdischer Autoren zu entdecken gibt. Allerdings ist die Suche danach sehr mühsam und das Thema ist sowohl der Geschichtswissenschaft als auch der deutschen Gesellschaft noch völlig neu.

Moderation: Birgit Magiera
Redaktion: Andrea Bräu

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