Bayern 2

radioTexte am Donnerstag James Baldwin: Beale Street Blues (1/3)

James Baldwin an seiner Schreibmaschine | Bild: picture-alliance/AP

Donnerstag, 29.10.2020
21:05 bis 22:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

New York Mitte der 70er: Fonny und Tish kämpfen gegen eine rassistische Welt, in der Hautfarbe einen zum Verdächtigen stempelt. Klingt bekannt? James Baldwins Roman ist fast 50 Jahre alt und traurig aktuell. Dreiteilige Lesung mit Constanze Becker.

Redaktion und Moderation: Judith Heitkamp

Ausgewählte Beiträge als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

"Jeder in Amerika geborene Schwarze ist in der Beale Street geboren, ob in Jackson, Mississippi, oder in Harlem in New York: Die Beale Street ist unser Erbe", hat Baldwin über seinen Roman gesagt. Der Titel verweist auf die Beale Street in Memphis, einst Zentrum der schwarzen Musik in den USA und zeitweise Synonym für 'heruntergekommen, chancenlos, resigniert'. Und auf einen berühmten Blues-Song. Die Geschichte aber spielt in New York und wird erzählt von Tish, die unterwegs zum Gefängnis ist, um Fonny zu besuchen, ihren Freund und Vater ihres ungeborenen Babys. Fonny wird der Vergewaltigung beschuldigt - wegen seiner Hautfarbe ist für die weiße Polizei klar, dass er der Täter sein muss.

James Baldwin (1924-1987) war der führende literarische Kopf des Civil rights movement, doch Anfang der 1970er, als er die Geschichte von Tish und Fonny aufschrieb, hatte er desillusioniert die USA verlassen - auch, um Abstand zu bekommen nach den Morden an Martin Luther King und Malcom X. Beale Street Blues, das in New York spielt - "so nah an der Hölle, dass man riechen kann, wie die Menschen schmoren" - entstand in Europa, in Frankreich. Was tun rassistische Glaubenssätze den Menschen an, Tätern, wie Opfern? Baldwin hat immer gegen den Selbsthass als Produkt des Rassismus gekämpft und thematisiert ihn häufig, auch in diesem Roman: "Die Kinder kriegen eingetrichtert, dass sie einen Dreck wert sind, und alles, was sie um sich herum sehen, ist der Beweis dafür." Beale Street Blues ist fast 50 Jahre alt, ein Klassiker des Kampfes um Gleichberechtigung. 2020 hallt er wieder im Resonanzraum der Black-Lives-Matter-Bewegung und des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfs. Nur rauchen würden Schwangere heute nicht mehr.
In der klassischen Lesung liest Constanze Becker aus der Neuübersetzung von Miriam Mandelkow am 29. Oktober sowie am 5. und 12. November 2020 (Produktion: Hessischer Rundfunk). Redaktion und Moderation: Judith Heitkamp.

Bayern 2, radioTexte am Donnerstag, die klassische Lesung - auch als BR Podcast "Lesungen".