Bayern 2

Hörspiel "Erinnerungen einer Überflüssigen" (1/2) von Lena Christ

Portrait Lena Christ | Bild: Münchner Stadtbibliothek/Monacensia/Atelier Veritas München

Sonntag, 31.05.2020
21:05 bis 22:00 Uhr

BAYERN 2

Zum 100. Todestag von Lena Christ
Erinnerungen einer Überflüssigen (1/2)
Von Lena Christ
Bearbeitung und Regie: Stefanie Ramb

Als Podcast verfügbar im Hörspiel Pool
Teil 2: Pfingstmontag, 1. Juni 2020, 21.05 Uhr

Zum 100. Todestag von Lena Christ
"Oft habe ich versucht, mir meine früheste Kindheit ins Gedächtnis zurückzurufen, doch reicht meine Erinnerung nur bis zu meinem fünften Lebensjahr und ist auch da schon teilweise ausgelöscht." So beginnt Lena Christs bewegende Autobiografie, die sie 1912 mit der Unterstützung von Ludwig Thoma veröffentlichte. Sie ist acht Jahre alt, als die Mutter sie bei den Großeltern abholt. Fortan wird die Mutter nicht müde werden, der außerehelichen Tochter deren Existenz vorzuwerfen, und sie als billige Arbeitskraft auszunutzen und schwer zu misshandeln. Lena schwankt zeitlebens zwischen heftiger Zuneigung und Abscheu vor ihrer vordergründig frommen, dabei harten und gewalttätigen Mutter. Mehrmals versucht sie sich vor den Widerwärtigkeiten im Elternhaus zu retten und davonzulaufen. Der Großvater, die Lichtgestalt ihrer Kindheit, dem sie sich anvertraut, vermag zu Lebzeiten noch für sie einzustehen. Nach seinem Tod ist Lena ganz auf sich allein gestellt. Um sich aus eigener Kraft zu befreien, beschließt sie, Ordensschwester zu werden, doch auch hier wird sie kleingehalten und genötigt. Eine Vernunftehe verspricht Freiheit. Die Mutter lässt sie ziehen mit den Worten: "Daß dir i nix guats wünsch, kannst dir denka, du undankbares Gschöpf! Kannt ma s' so guat braucha und muaß ma fremde Leut haltn, während die gnädig Fräuln heirat und si auf die faule Haut flackt!" Auch Benno entpuppt sich bald ebenfalls als unsensibel und gewalttätig.