Bayern 2

radioWissen Armut und Pauperismus

Donnerstag, 12.12.2019
09:05 bis 10:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Gesellschaft und Armut
Der Umgang mit Mittellosen

Pauperismus
Verelendung im vorindustriellen Deutschland

Das Kalenderblatt
12.12.1956
Erstes Programm der Münchner Lach- und Schießgesellschaft
Von Justina Schreiber
Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

Gesellschaft und Armut - Der Umgang mit Mittellosen
Autorin: Maike Brzoska / Regie: Sabine Kienhöfer
Armut hat es zu allen Zeiten gegeben. Sehr unterschiedlich war aber, historisch betrachtet, der Umgang mit armen Menschen. In der Antike beispielsweise wurden Bettler und Habenichtse verhöhnt und bespuckt. Denn Armut galt als Strafe der Götter. Das änderte sich mit Ausbreitung des Christentums, das Nächstenliebe und das Teilen mit Bedürftigen propagierte. Jesus selbst lebte ja mit den Armen und Ausgestoßenen. Im Mittelalter dann, als zeitweise so viele Menschen hungerten, dass Bettlerhorden durchs Land zogen, wurde Armut kriminalisiert. Öffentlich um eine Spende zu bitten, war fortan verboten. Ein paar Jahrhunderte später internierte man Bedürftige sogar in Arbeitshäuser. Auf diese Weise wollte man sie an Arbeit gewöhnen. Denn wer arm ist, müsse ein Faulenzer und Schmarotzer sein, so die Idee dahinter. Ganz anders blickte Karl Marx auf Armut. Er sah in der Armut weniger ein persönliches Versagen, sondern hielt sie für systemisch bedingt. Er ging davon aus, dass die Verelendung der Massen schließlich zu revolutionären Umbrüchen führen würde. Über die Zeit hinweg hat sich so die Sicht auf Armut immer wieder stark gewandelt. Wobei man in heutigen Debatten viele der Argumente aus den Jahrhunderten wieder findet.

Pauperismus - Verelendung im vorindustriellen Deutschland
Autorin: Renate Eichmeier / Regie: Eva Demmelhuber
Weite Landstriche verarmten, Hungersnöte wüteten, Aufstände drohten: Ab dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts kam es in den deutschen Territorialstaaten zu einer massenhaften Verelendung vor allem in den ländlichen Gebieten. Die Bevölkerung wuchs rapide. Die Landwirtschaft konnte nicht Schritt halten. Lebensmittel waren knapp. Erste Fabriken entstanden und bedrohten die fragile Existenz jener Kleinbauern, die sich mit Heimarbeit als Schneider, Spinner oder Weber ein Zubrot verdienten. Industriezentren begannen sich erst zu bilden. Wer in die Städte floh, landete in den Armenvierteln: Arbeitslosigkeit, "Branntweinwuth", Kriminalität, Bettelei … "Pauperismus", nannten die Zeitgenossen die grassierende Massenarmut, abgeleitet vom Lateinischen "pauper", arm, die staatliche Obrigkeiten genauso beunruhigte wie das aufstrebende Bürgertum. Über ihre Ursachen herrschte damals keine Einigkeit. Heute wird sie als Folge der wirtschaftlichen und sozialen Umbrüche der beginnenden Industrialisierung gesehen.

Moderation: Thies Marsen
Redaktion: Nicole Ruchlak

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