Bayern 2

radioWissen am Nachmittag Sturm und Drang

Jakob Michael Reinhold Lenz | Bild: picture-alliance/dpa

Dienstag, 15.10.2019
15:05 bis 16:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Sturm und Drang
Der Kult ums Genie

Jakob Michael Reinhold Lenz
Die Zeiten ändern sich

Das Kalenderblatt
15.10.1940
"Der große Diktator" wird uraufgeführt
Von Justina Schreiber
Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

Sturm und Drang - Der Kult ums Genie
Autor und Regie: Martin Trauner
"Schule und Principium fesselt aller Kraft der Erkenntnis" - Natürlich kann dieser weise Satz nur von einem stammen, von Johann Wolfgang Goethe. Da war er Anfang Zwanzig und hatte sich einer neuen "Religion" verschrieben: dem Geniekult. Ein Kult, dem viele der jungen deutschen Dichter des 18. Jahrhunderts anhingen: Der Mensch steht im Mittelpunkt; nicht mehr die Vernunft zählt, sondern nur noch die pure ungefärbte Emotion. Und die Prinzipien und Regeln? Werden allesamt über den Haufen geworfen für eine neue Kunst, die ausschließlich aus der Individualität geboren wird. - Erkannt haben sich die jungen wilden Genies am Habitus oder wie sie es selbst ausdrückten: am Funken Gottes. Erst Jahre später bekommt diese kurze Epoche der deutschen Literatur einen richtigen Namen: Es ist der Titel eines Dramas von Maximilian Klinger. Ursprünglich sollte sein Stück "Wirrwarr" heißen. Doch dann nannte er sein Drama "Sturm und Drang".

Jakob Michael Reinhold Lenz - Die Zeiten ändern sich
Die Zeiten ändern sich
Autorin: Astrid Mayerle / Regie: Irene Schuck
1780 schreibt Jakob Michael Reinhold Lenz mehrere Briefe an seinen Bruder Friedrich David. Es sind allesamt Hilferufe: Erschöpft hat der 29-Jährige die Stadt Petersburg erreicht, versucht dort unter ärmsten Verhältnissen zurechtzukommen und braucht nun dringend ein Empfehlungsschreiben des Vaters. Und zwar eines, das er vorzeigen kann. Denn in den vorangegangenen Briefen hat der Vater seinen Sohn nur beschimpft und von „Schulden“, „Gefängnis“ sowie „Verfaulen in der Polizei“ geschrieben. Jakob Michael Reinhold Lenz ist ein Beispiel dafür, wie prekär sogar für einen höchst talentierten Autor wie ihn eine Schriftstellerexistenz im 18. Jahrhundert war. Heute würde der Sturm und Drang-Autor, der Tragödien, Komödien, Erzählungen, Gedichte und theoretische Schriften verfasste, vermutlich ein Schriftsteller-Stipendium nach dem anderen bekommen, wäre Herausgeber verschiedenster Anthologien und eine zentrale Figur im literarischen Leben. All das undenkbar vor 250 Jahren! Das bekannte Bonmot „Die Zeiten ändern sich“ stammt aus seinem Drama
„Der Hofmeister". Mit diesem und anderen seiner Stücke geht Jacob Michael Reinhold Lenz der menschlichen Existenz auf den Grund: wonach sollte man sein Leben ausrichten, was ist erstrebenswert und welche Rolle spielt dabei die Freiheit?

Moderation: Kristina Thiele
Redaktion: Andrea Bräu

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