Bayern 2

radioWissen Österreich und der Balkan nach 1918

Montag, 09.09.2019
09:05 bis 10:00 Uhr

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BAYERN 2

Der Vertrag von Saint-Germain
Was übrig bleibt, ist Österreich

Gabriele D'Annunzio
Dichter und Erfinder des Faschismus

Das Kalenderblatt
9.9.1893
Erstes Baby im Weißen Haus geboren
Von Isabella Arcucci
Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

Der Vertrag von Saint-Germain - Was übrig bleibt, ist Österreich
Autoren: Simon Demmelhuber und Volker Eklkofer / Regie:
1918 zerbricht das Habsburgerreich, als sich die militärische Niederlage im Ersten Weltkrieg abzeichnet. Der Vielvölkerstaat löst sich noch vor dem Waffenstillstand auf. Serben, Kroaten, Slowenen, Polen, Tschechen, Slowaken und Ungarn gehen von nun an eigenstaatliche Wege. Über das Schicksal der deutschsprachigen Gebiete, die sich im November 1918 als Republik Deutschösterreich gründen, entscheiden die Sieger in einer gesonderten Friedenskonferenz. Am 10. September 1919 unterzeichnet Österreichs Kanzler Karl Renner im Pariser Vorort Saint-Germain den Friedensvertrag. Österreich gilt als schuldig am Kriegsausbruch, entsprechend hart sind die Bestimmungen. Sie besiegeln die Zerschlagung der Donaumonarchie und regeln Reparationsauflagen. Fatale Folgen hat vor allem die Zementierung der Eigenständigkeit Österreichs: Der Friedensvertrag unterbindet den von allen politischen Lagern gewollten Anschluss an Deutschland. Der als zutiefst ungerecht empfundene Verstoß gegen das allseits propagierte "Selbstbestimmungsrecht der Völker" ist ein wesentlicher Grund für das Scheitern der ersten Republik. Er stürzt Österreich in eine tiefe Identitätskrise. Eine breite Mehrheit lehnt den wirtschaftlich und politisch gebeutelten, von seinen "deutschen Bruderstaaten" abgetrennten Kleinstaat ab. Die unterdrückte Selbstbestimmung rächt sich bitter. Der Anschluss kommt 1938. Ein gebürtiger Österreicher erzwingt ihn: Adolf Hitler.

Gabriele D'Annunzio - Dichter und Erfinder des Faschismus
Autor: Thomas Grasberger / Regie: Sabine Kienhöfer
Er gilt als eine Leitfigur für den italienischen Faschismus und als einer der Mentoren Benito Mussolinis. Der italienische Schriftsteller Gabriele D’Annunzio liebte schnelle Autos, die Frauen und die Oper. Seine Villa am Gardasee, "Il Vittoriale degli Italiani" (heute ein vielbesuchtes Museum) legt beredtes Zeugnis davon ab. Nicht nur in seinem Privatleben, sondern auch als Politiker verstand er sich auf die große Inszenierung. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wollte er im September 1919 mit einer kleinen Gruppe Freischärler die Adria-Stadt Fiume, das heutige Rijeka "befreien“. D'Annunzio, der Prophet des Vaterlandes, geriert sich als politischer Führer. Konservative, Nationalisten, Syndikalisten, Kommunisten oder Futuristen - aus allen Gruppierungen kommen Anhänger und Sympathisanten, die D'Annunzios Abenteuer von Fiume unterstützen. Uniformierte Aufmärsche und patriotische Reden vom Balkon des Gouverneurspalastes, große rauschhafte Feste in den Straßen von Fiume, Paraden, Fackeln, Standarten, Fahnen und Rituale. Das ist die Welt der Zeichen und Symbole, die Welt des Ästheten und Dichters D'Annunzio, für den Politik Teil eines Gesamtkunstwerkes sein soll. Er ist der Regisseur einer neuen Massenbewegung: Die Fixierung auf den Führer, die Massenmobilisierung - alles Elemente, die die Faschisten später aufgreifen. Fiume ist also das Laboratorium, in dem zum ersten Mal mit den ästhetischen und irrationalen Elementen des frühen Faschismus experimentiert wird.

Moderation: Michael Zametzer
Redaktion: Thomas Morawetz

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