Bayern 2

Hörspiel "Das Unternehmen der Wega" von Friedrich Dürrenmatt

Friedrich Dürrenmatt zeigt in eine Richtung. | Bild: picture alliance

Samstag, 27.07.2019
15:05 bis 16:24 Uhr

BAYERN 2

Das Unternehmen der Wega
Von Friedrich Dürrenmatt
Mit Kurt Horwitz, Otto Brüggemann, Hans Herrmann-Schaufuß, Peter Lühr, Fritz Strassner und anderen
Regie: Walter Ohm
Komposition: Tibor Inczedy
BR 1954

Die Zukunft sah schon bei Dürrenmatt wenig verheißungsvoll aus, die Welt ist in politische Blöcke aufgeteilt. Die Wega oder Venus dient der Erde als Strafkolonie für Kriminelle, aber auch für unliebsame politische Gegner; der eine Staatenbund deportiert Kommunisten, der andere Demokraten. Ständig bedrohen Stürme, Erdbeben und Vulkanausbrüche die Bewohner, die Luft lässt sich kaum atmen. Eine Delegation der Freien Staaten von Europa und Amerika will die Verbannten für ihren Plan einspannen, von der Venus aus einen Überraschungsangriff gegen Russland und seine Verbündeten zu führen. Doch die vermeintlichen Verbrecher weigern sich zu töten. Auch das Angebot, auf die Erde zurückkehren zu dürfen, lockt die Deportierten nicht. Die extremen äußeren Bedingungen schweißen die Menschen zusammen, ihre Solidarität ist notwendig für das Überleben. Solche Menschlichkeit in der Hölle ziehen sie einem Leben auf der paradiesischen Erde vor. Einem der Deportierten legt Dürrenmatt sein pessimistisches Glaubensbekenntnis in den Mund: "Die Erde ist zu schön. Zu reich. Ihre Möglichkeiten sind zu groß. Sie verführt zur Ungleichheit. Auf ihr ist Armut eine Schande, und so ist sie geschändet ... Und so haben wir Furcht vor ihr. Furcht vor dem Überfluss, Furcht vor dem falschen Leben, Furcht vor dem Paradies, das eine Hölle ist.“

Friedrich Dürrenmatt (1921-90), Schweizer Schriftsteller. Theaterstücke unter anderem: "Der Besuch der alten Dame" (1956), "Die Physiker" (1962). Hörspiele unter anderem: "Der Prozess um des Esels Schatten" (1964), "Die Panne" (NDR 1956, Hörspielpreis der Kriegsblinden), "Abendstunde im Spätherbst" (ORF 1957, Prix Italia).