Bayern 2

radioWissen Bewegung von unten: Volkstanz und Tango

Darstelung: Tango | Bild: picture-alliance/dpa

Dienstag, 16.07.2019
09:05 bis 10:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Bayerischer Volkstanz
Das bewegte Brauchtum

Tango Argentino
Getanzte Gedanken

Das Kalenderblatt
16.7.1951
Salingers "Der Fänger im Roggen" erscheint
Von Susi Weichselbaumer
Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

Bayerischer Volkstanz - Das bewegte Brauchtum
Autorin: Birgit Magiera / Regie: Eva Demmelhuber
Volkstanz - den Begriff assoziieren immer noch viele mit „Tümelei“, mit engstirnigen Hinterwäldern, mit schuhplattelnden Burschen und Madeln, die ausschließlich als schmückendes Beiwerk dienen. Mit Trachtengruppen, die konzentriert zu Marschmusik in Turnhallen und Festsäle einziehen und ihre lang eingeübten Tanzabfolgen präsentieren, kunstvolle Folklore.
Andere wiederum denken bei dem Wort Volkstanz an den Missbrauch der Volkskultur ganz allgemein, während der Nazizeit. Damals wurde traditionelles Brauchtum für Propaganda-Zwecke eingesetzt, in den Dienst der nationalen Sache gestellt. Die Nationalsozialisten hatten gut erkannt, dass man über Tanz und Gesang direkten Zugang finden kann zu den Menschen und ihrem Wunsch nach gelebter Gemeinschaft. Und heute? - ist Volkstanz nach einer jahrzehntelangen Durststrecke wieder voll im Trend: traditionell tanzen und modern leben, das geht (wieder) zusammen. Je mehr die globalisierte Welt zum Dorf wird, desto wichtiger wird für viele die ursprünglich dörfliche Kultur. Menschen suchen nach Verwurzelung und regionaler Identität. Nach dem Motto: wer ein offener Weltbürger sein will, braucht Gewissheit über das eigene kulturelle Zuhause, zum Beispiel im Tanz und der dazugehörigen Musik.

Tango Argentino - Getanzte Gedanken
Autor und Regie: Markus Mayer
Der Tango ist zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Buenos Aires unter bedrückenden politischen Verhältnissen entstanden: In Argentinien, einem klassischen Auswandererland, herrschte akuter Frauenmangel. Die einzige Möglichkeit, um mit Frauen in Kontakt zu kommen, stellte für viele Männer der Paartanz dar. Er nahm in den Spelunken der barrios, in den ärmlichen Vorstädten der argentinischen Metropole höchst eigenwillige Formen und mollgetönte, melancholische Klänge an. Obwohl Künstler wie Igor Strawinsky und Kurt Weill, Vertreter der Moderne früh der Faszination und der rhythmischen Kraft dieser Musik erlagen und ihre Strukturen in ihren Kompositionen überführten, galt der Tango lange Zeit als obszön. Heute, im Zeitalter des Postfeminismus, nimmt man die aneinander gelehnte Haltung der Tänzer, ihre katzenartigen Schritte und zuckenden Bewegungen unaufgeregter wahr: Tangotanzen ist in der westlichen Welt ein weitverbreitetes Vergnügen, das es erlaubt, scheinbar obsolete Geschlechterrollen wiederzubeleben: Der Mann darf führen, die Frau sich hingeben.

Moderation: Christian Schuler
Redaktion: Andrea Bräu

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