Bayern 2

Bayerisches Feuilleton Kulturgeschichte des Tätowierens in Bayern

Sonntag, 19.05.2019
20:05 bis 21:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Das große Stechen
Kleine Kulturgeschichte des Tätowierens in Bayern
Von Thomas Grasberger
Wiederholung vom Samstag, 8.05 Uhr
Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

Vor gar nicht langer Zeit galten eingeritzte Bildchen auf der Haut als Stigmata von Verbrechern, Taugenichtsen und Freaks. Höchstens im Varieté oder im Zirkus konnten großflächig Tätowierte als vielbestaunte Attraktionen publikumswirksam herumgereicht werden. Tätowierungen waren Randgruppen vorbehalten, von der Mitte der bürgerlichen Gesellschaft wurden sie eher missbilligt, ja nicht selten geächtet.

Das hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten kräftig verändert, was vor allem in der wärmeren Jahreszeit leicht zu beobachten ist, wenn die Erzeugnisse der Tätowier-Stuben auf zahlreichen entblößten Armen, Beinen und anderen Körperteilen nach Bewunderung gieren.

Vom Friseur-Azubi bis zum Banker, vom trendigen Jung-Journalisten bis zum Alt Rocker, von der Bundespräsidenten-Gattin bis zum Bundesliga-Profi - Tattoos sind in. Zehn Prozent der Deutschen sind heute tätowiert, bei den unter 30-Jährigen trägt sogar jeder Vierte mehr oder weniger gelungene Kunstwerke auf bzw. unter der Haut. Und selbst die bayerische Tourismusindustrie wirbt mit einem jungen Einheimischen, der nicht nur einen langen, roten Bart trägt, sondern auch den Oberkörper voller Tätowierungen hat.

Und der Trend hält an, auch wenn die Motive, die gerade angesagt sind, einem schnellen Wandel unterworfen sind. Was vor Jahren noch als sexy Tribal im Lendenwirbelbereich gehandelt wurde, erntet heute als "Arschgeweih" nur noch Hohn und Spott. Ungebrochen aber bleibt die jahrtausendealte Faszination, den eigenen Körper mit schmerzhaften Nadelstichen dauerhaft zu verzieren. Was im 19. Jahrhundert nicht nur Seeleute, Strafgefangene und Arbeiter schmückte, sondern auch weite Teile des europäischen Hochadels, gehört heute zum ganz alltäglichen Straßenbild.

Thomas Grasberger hat sich umgesehen in der Welt der bayerischen Tätowierten und Tätowierer und ist dabei auf ziemlich bunte Vögel gestoßen.

Hörkino zum Frühstück statt Frühstücksfernsehen

Das Bayerische Feuilleton erzählt keine Geschichten, die schon 100 Mal erzählt wurden. Alle Spielarten von Geschichte hinter den Geschichten sind möglich. Wir nutzen die Chance für Spott, Scherz, Satire und Ironie. Uns interessieren Themen, in denen sich reale Ortschaften mit Literatur und Kunst verbinden. Wir schätzen Originale in der schönen neuen Medienwelt der "Unauffälligen". Wir bieten radiophone Geschichten mit Gedankenstoff und Spielraum für Gefühle. Als journalistisches Genre hat das Bayerische Feuilleton eine anspruchsvolle Tradition.