Bayern 2

radioFeature Mit Coburg hab ich Politik gemacht

Sonntag, 24.03.2019
21:05 bis 22:00 Uhr

BAYERN 2

Eine Stadt als Experimentierkammer des Dritten Reiches
Von Brigitte Baetz
DLF 2019
Wiederholung vom Samstag, 13.05 Uhr
Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar

Coburg war die erste Stadt in Deutschland, die nationalsozialistisch regiert wurde - und das schon vor 1933. Hier
erprobten NSDAP und SA die Strategien und Gemeinheiten, die später im Dritten Reich erfolgreich sein sollten:
Herrschaft durch Gewalt, Ausgrenzung der Juden, Übergriffe gegen Andersdenkende. „Mit Coburg habe ich
Politik gemacht”, erklärte Reichskanzler Hitler zum 15. Jahrestag seines ersten Besuches in der kleinen Stadt in
Oberfranken. „Nach diesem Rezept haben wir im ganzen Reich der nationalsozialistischen Idee die Bahn frei
gemacht und damit Deutschland erobert.” Die Weimarer Republik ließ es geschehen.
1929 erlangte die NSDAP im Coburger Stadtrat die absolute Mehrheit. Eine jahrelange Schmutzkampagne
gegen den jüdischen Unternehmer Abraham Friedmann hatte bei der Mobilisierung der Wählerschaft geholfen.
Herzog Carl Eduard, ein Enkel Königin Victorias, zeigte sich als einflussreicher NS-Aktivist, die evangelische
Kirche als willige Unterstützerin der NS-Bewegung. Warum das rechte Gedankengut gerade in Coburg auf
fruchtbaren Boden fiel und wie die Geschichte der Stadt auch heute noch ihre Spuren in der Enkelgeneration
hinterlassen hat, erzählt Brigitte Baetz.