Bayern 2

radioTexte am Donnerstag Mechtilde von Lichnowsky: Der Stimmer (1/2)

Schriftstellerin Mechthilde Lichnowsky (1879-1958), zusammen mit Karl Kraus | Bild: picture-alliance / Imagno

Donnerstag, 14.03.2019
21:05 bis 22:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Eine Novelle wie eine Sonate, ein Klavierstimmer wie ein Virtuose, eine Liebesgeschichte wie eine Oper: Irina Wanka liest Mechtilde von Lichnowskys Prosa für Musik- und Flügelliebhaber
Redaktion und Moderation: Judith Heitkamp

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Esprit, Intelligenz, Schönheit und gesellschaftliche Stellung - eine umwerfende Kombination; und Mechtilde von Lichnowsky muss in den 1910er und 20er Jahren umwerfend gewesen sein. Sie war eine Urururenkelin von Maria Theresia, wurde 1879 auf einem Schloss im Rottal in Niederbayern geboren, tauchte musik- und literaturliebend in Kunst und Gesellschaft der Zeit ein und begann bald selbst zu schreiben. Spätestens seit der Novelle "Der Stimmer“ (1917) spottete niemand mehr über die "dichtende Fürstin“. Mechtilde von Lichnowsky war befreundet mit Eduard von Keyserling, Hugo von Hofmannsthal, mit Annette Kolb und Karl Kraus, für den sie Nestroy-Couplets vertonte. 1936 weigerte sie sich, der NS-Reichsschrifttumskammer beizutreten und wurde umgehend mit Pulikationsverbot belegt. Sie heiratete ihre Jugendliebe, einen Engländer, ging nach London - und machte den Fehler, für einen Besuch nach Deutschland zurückzukehren. Erst nach 1945 konnte sie nach England zurück. Ihren Mann, der den Krieg nicht überlebte, hat sie nicht mehr wiedergesehen. In den 50er Jahren wurden ihre Bücher in Deutschland neu aufgelegt, doch ihr Name ist heute zumeist in Vergessenheit geraten. Nicht bei den radioTexten!

In der klassischen Lesung liest Irina Wanka eine für das Radio bearbeitete zweiteilige Fassung von Mechtilde von Lichnowskys seinerzeit von der Kritik hochgelobtem "Stimmer“. Einem Text, der sich einiges traut: Er erzählt von Musik, ihren Zusammenhängen, ihrer Wirkung, und will auf gewisse Weise selbst Musik sein. Hauptfigur ist ein Klavierstimmer, der lieber Künstler geworden wäre. Eines Tages soll er in einem Haus den Flügel stimmen, das ihm von außen verlockend schön und harmonisch vorkommt. Wie einzelne musikalische Motive betreten die Bewohner nacheinander den Salon, in dem der Stimmer arbeitet. Bald stellt sich heraus, dass es mit der familiären Harmonie nicht sehr weit her ist. Die klassische Lesung an der Stimmgabel: Die Regie in dieser Neuaufnahme führte Irene Schuck. Redaktion und Moderation: Judith Heitkamp.

Bayern 2, radioTexte am Donnerstag, die klassische Lesung - auch als BR Podcast "Lesungen“.