Bayern 2

radioKrimi Virginie Despentes: Apokalypse Baby - Paris (1/2)

Junge Frau sitzt vor grauer Mauer. Symbolbild für Hörspiel Virginie Despentes: Apokalypse, Baby! | Bild: picture alliance / Taskoparan Erol

Mittwoch, 20.02.2019
20:05 bis 21:00 Uhr

BAYERN 2

Apokalypse Baby
Teil 1: Paris
Von Virginie Despentes
Aus dem Französischen von Dorit Gesa Engelhardt und Barbara Heber-Schärer
Bearbeitung und Regie: Martin Heindel
BR 2019
Ursendung
Teil 2: Mittwoch, 27. Februar 2019, 20.05 Uhr
Als Podcast verfügbar im Hörspiel Pool

Paris. Valentine Galtan ist verschwunden. Vor den Augen von Lucie Toledo, die das 15-jährige Mädchen aus reichem Haus observieren sollte - und die sie jetzt wiederfinden soll, im Auftrag der überaus aufgeregten Großmutter. Weil Lucie keine Erfahrung mit Vermisstenfällen hat, bittet sie die "Hyäne“ um Hilfe, eine schier mythische Figur der Ermittlerszene, der beim Aufspüren von Informationen und Menschen beinahe übersinnliche Fähigkeiten zugeschrieben werden. Die Hyäne scheint die erhoffte Hilfe zu sein, ihre großspurigen Belehrungen und kaum kontrollierten Gewaltausbrüche aber schockieren die kleinlaute und unsichere Lucie. Dennoch nehmen sie gemeinsam Valentines Fährte auf. Beim heimlichen Durchsuchen der Festplatten im Hause Galtan kommt heraus, dass die Familie Informationen zurückhält. Valentine hat ihre Stiefmutter wiederholt geohrfeigt und geschlagen. Gemeinsam mit der Großmutter plante sie Valentine in eine private psychiatrische Einrichtung abzuschieben.

"Apokalypse Baby ist Roadmovie, Gesellschaftsstudie und Coming-out in einem. Ein vielstimmiger Roman, der in wechselnden personalen Erzählsituationen in die Welt seiner Figuren eintaucht und dessen krasse Kontraste, bei aller Düsterkeit, auch humoristische Funken schlagen. Ein Roman mit einer hellsichtigen Ermittlerin und einem leeren Zentrum, in dem eine schwarze Madonna glüht, die wie ein schwarzes Loch alles verschlingt, was ihr zu nahekommt. Die größte Herausforderung bei der Adaption bestand für mich im Abbilden dieser personalen Erzählsituationen. Despentes erzählt da nämlich umfangreiche, off-text-lastige Kapitel aus den Perspektiven der Figuren. Das macht sie zwar in der dritten Person, aber es werden Dinge verhandelt, die die Ich-Erzählerin Lucie nicht wissen kann, und die ein auktorialer, also allwissender Erzähler so nie sagen würde. Die Frage war also für das Hörspiel: wer spricht da?" (Martin Heindel)

Martin Heindel, geboren 1976, Studium der Dramaturgie, Autor, Dramaturg und Regisseur für Radio, Theater und Film. Hörspiele unter anderem: "Tote Mädchen" (NDR 2014), "Small Wonders" (HR 2016), "Der Wald" (WDR 2017), "Neunuernberg" (WDR 2018)