Bayern 2

Bayerisches Feuilleton 60 Jahre Münchner Lach- und Schießgesellschaft

Das Ensemble der Lach und Schießgesellschaft in den 60er Jahren - (v.l.oben) Hans J. Diedrich, Jürgen Scheller, Klaus Havenstein; (v.l.unten) Ursula Noack und Dieter Hildebrandt | Bild: pwe/ddp images /Süddeutsche Zeitung Photo

Samstag, 10.12.2016
08:05 bis 09:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

"Der Laden"
60 Jahre Münchner Lach- und Schießgesellschaft
Von Katinka Strassberger
Wiederholung am Sonntag, 20.05 Uhr, Bayern 2

Es war ein erlesenes Ensemble von Kabarettisten, das am 12. Dezember 1956 mit dem Programm "Denn sie müssen nicht, was sie tun" in einem kleinen Schwabinger Theater Premiere feierte: Ursula Herking und Klaus Havenstein, die zuvor bei der "Kleinen Freiheit" waren, Hans Jürgen Diedrich von den "Amnestierten" und ein junger Student namens Dieter Hildebrandt. Dass diese Gruppe überhaupt zusammen kam und das Unternehmen "Lach- und Schießgesellschaft" schnell zu einem der erfolgreichsten Kabaretts der Republik avancierte, hatte sie nicht zuletzt ihrem Manager Sammy Drechsel zu verdanken. Der bestens vernetzte Sportreporter war bis zu seinem Tod 1986 das Herz der "Lach und Schieß", sorgte für volle Vorstellungen und regelmäßige Fernsehpräsenz.

Bis heute unvergessen: die alljährliche Silvestersendung "Schimpf vor 12". Achim Strietzel, Rainer Basedow, Renate Küster, Jochen Busse, Bruno Jonas: die Liste an herausragenden Kabarettisten, die Sammy Drechsel für den "Laden" verpflichten konnte, ist lang. Mit Klaus Peter Schreiner und Dieter Hildebrandt verfügte die "Lach und Schieß" zudem über zwei exzellente Texter, denen es auf unvergleichliche Weise gelang, auch komplexe politische Themen satirisch-pointiert zu durchdringen.

Die erfolgsverwöhnte Bühne hatte aber auch Krisen zu bewältigen. 1972 zum Beispiel, als das Ensemble auseinanderbrach und 1986, als Sammy Drechsel starb. Sein geniales Geschäftsmodell, nämlich mit traumhaften Fernseh-Einschaltquoten die Existenz des kleinen Ladens abzusichern, ging vor dem Hintergrund vieler neuer Sender, die auf den Markt drängten, nicht mehr auf. Bis 1999 gelang es dennoch, die Ensemble-Tradition des Hauses kontinuierlich fortzuführen. Danach wurde die "Lach und Schieß" immer mehr zu einem Ort für Gastspielauftritte anderer Kabarettisten. Mit Caroline Ebner, Norbert Bürger, Sebastian Rüger und Frank Smilgies gibt es nun erstmals seit Jahren wieder ein Ensemble, das hoffen lässt, dass der frühere Geist des Hauses wieder eine Zukunft hat.

Hörkino zum Frühstück statt Frühstücksfernsehen

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