Bayern 2

Bayerisches Feuilleton Wie risikobereit ist Bayern?

Sonntag, 12.02.2017
20:05 bis 21:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

"Hosd an Schnaid?"
Oder: Wie risikobereit ist Bayern?
Von Thomas Kernert
Als Podcast und in der Bayern 2 App verfügbar
Wiederholung vom Samstag, 8.05 Uhr

Sie verbreiten Angst und Schrecken, die Bayern. Sie sind Kleiderschränke, Giganten, Goliathe. Vor lauter Selbstbewusstsein scheinen sie kaum noch gehen zu können. Wenn der bayerische Löwe rülpst, herrscht Sturmwarnung. Was die Frage provoziert: Wie mutig sind sie, wenn man ihre imaginäre Muskelmasse außer Betracht lässt? Besitzen sie dann immer noch die Risikobereitschaft eines David? Oder entpuppen sie sich als ängstliche Elefanten, die vor jeder Maus hysterisch auf die Tische springen?

Historisch betrachtet, hat Bayern einige Haudegen vorzuweisen: Ludwig den Bayern (er legte sich mit dem Papst an), Maximilian I. (er fing den Dreißigjährigen Krieg an), den Schmied von Kochel (er kämpfte gegen die Österreicher), Horst Seehofer (er widersprach der großen Kanzlerin).

Auch viele bayerische Mutproben erfordern ein hohes Maß an Risikobereitschaft: Das Wildern, das Fensterln, der Wiesnbesuch. Vor steilen Felswänden weicht der Kraftbayer grundsätzlich nicht zurück und am Stammtisch brilliert er mit den halsbrecherischsten Thesen.

Andererseits: Vor dem Zahnarzt graut ihm, Frauen sieht er am liebsten am Herd und er leidet an partiellen Anfällen von Xenophobie. Das Schlimmste freilich sucht er zu verhindern mit dem kategorischen Imperativ: Nur nicht aus der Reihe tanzen!! Die Reihe (auch „Ordnung", „Sitte", „Brauch“ oder „Tradition" genannt) ist ihm heilig, vor ihr hat er einen Höllenrespekt. Denn er weiß: Mit dem Teufel ist nicht zu scherzen…

Hörkino zum Frühstück statt Frühstücksfernsehen

Das Bayerische Feuilleton erzählt keine Geschichten, die schon 100 Mal erzählt wurden. Alle Spielarten von Geschichte hinter den Geschichten sind möglich. Wir nutzen die Chance für Spott, Scherz, Satire und Ironie. Uns interessieren Themen, in denen sich reale Ortschaften mit Literatur und Kunst verbinden. Wir schätzen Originale in der schönen neuen Medienwelt der "Unauffälligen". Wir bieten radiophone Geschichten mit Gedankenstoff und Spielraum für Gefühle. Als journalistisches Genre hat das Bayerische Feuilleton eine anspruchsvolle Tradition.