Bayern 2

Bayerisches Feuilleton Wie anders darf Bayern sein?

Sonntag, 16.10.2016
20:05 bis 21:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

nix und ebbs
Wie anders darf Bayern sein?
Von Thomas Kernert
Als Podcast verfügbar
Wiederholung vom Samstag, 8.05 Uhr

Auch wenn es durchaus Menschen geben soll, die glauben, Sein und Nichts hätten substantiell nichts miteinander zu tun, weiß der Philosoph doch: "Omnis determinatio est negatio!" - Auf Deutsch: Ein Ding ist nicht ein Ding, weil es ein Ding ist, sondern weil es viele andere Dinge nicht ist. Ein Beispiel: Ein Seehofer zu sein, bedeutet vor allem kein Söder, kein Kretschmann, keine Angela und noch nicht einmal eine Ilse zu sein. Was er darüber hinaus tatsächlich ist, ist extrem variabel und hängt entscheidend davon ab, was die anderen (die Nicht-Seehofers) gerade gesagt oder getan haben. Sein und Nicht-Sein bilden insofern vielleicht bei Shakespeare, sicherlich jedoch nicht in Bayern einen Widerspruch. Die Kraft des Nichts, so viel steht fest, ist kein Kontrahent, sondern ein Amigo des Seins.
Weshalb es für Bayern schon immer unerlässlich war, sich zu nichten, sprich: sich zu allem und nichts als Gegenmodell in Position zu bringen. Nur so konnte Bayern philosophisch schlüssig "ebbs" werden. Nur so konnte Bayern im Kampf der Substanzen, Systeme und Nachbarländer bislang den Schein seiner Einmaligkeit sinnfällig aufrechterhalten.
Andererseits: Dass hinter den Kulissen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gehauen und gestochen wird, gehört zur Geschäftsordnung. Dennoch ermüdet dieser negative Definitionskampf mehr und mehr und wird immer verbissener geführt, je "globalistischer" die Welt wird. Um heute als Bayern noch "ebbs" zu sein, bedarf es einer Unmenge von Nichtigkeiten in allen Bereichen der Kulturproduktion. Thomas Kernert versucht auszurechnen, ob die Rechnung noch aufgeht ...

Hörkino zum Frühstück statt Frühstücksfernsehen

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