Bayern 2

Hörspiel Helmut Heißenbüttel: Zwei oder drei Porträts

Samstag, 17.09.2016
15:05 bis 17:00 Uhr

BAYERN 2

Vorrede
Von Helmut Heißenbüttel
BR 1970

Zwei oder drei Porträts
Von Helmut Heißenbüttel in Zusammenarbeit mit Hansjörg Schmitthenner und Heinz Hostnig
Komposition: Amon Düül
Regie: Heinz Hostnig
BR/NDR/SWF 1970

Von der außergewöhnlichen Entstehungsgeschichte der "Zwei oder drei Porträts" von Helmut Heißenbüttel
Von Klaus Ramm
BR 2016
Als Podcast verfügbar im Hörspiel Pool

Zwei oder drei Porträts
Von Helmut Heißenbüttel
Mit Sebastian Blomberg, Wiebke Puls und Udo Samel
Regie: Ulrich Lampen
BR 2016
Ursendung
Als Podcast verfügbar im Hörspiel Pool

Helmut Heißenbüttels "Zwei oder Porträts" 2016
Von Ulrich Lampen
BR 2016
Als Podcast verfügbar im Hörspiel Pool

"Woraus setzt sich das Bild eines Menschen zusammen? Aus Eindrücken oder aus Sätzen?" Mit dieser Frage kündigte der Bayerische Rundfunk 1970 das erste Hörspiel Helmut Heißenbüttels an: Zwei oder drei Porträts. Der Büchner-Preisträger hatte nämlich der Hörspielredaktion - zu der Zeit noch eine kleine Provokation - nur eine Ansammlung von Sätzen geliefert, auf beliebig viele Sprecher zu verteilen: keine Rollen, keine Handlung, sondern nur Gerede, unbestimmte Aussagen, stereotype Beschreibungen, Widersprüche und Wiederholungen. Die Redefetzen scheinen zuerst einen Kunstkritiker zu umkreisen, dann eine zweite Person, einen jungen Maler, und anschließend stellte Heißenbüttel die Frage, ob sich "vielleicht aus Teilen dieser beiden Porträts ein noch künstlicheres drittes bilden" ließe. Als die Produktion dann überraschend den renommierten Hörspielpreis der Kriegsblinden erhielt, bestand Heißenbüttel
darauf, dass der Dramaturg Hansjörg Schmitthenner und der Regisseur Heinz Hostnig mit ihm gemeinsam als Autoren ausgezeichnet wurden, denn die
beiden hatten - mit Schere, Klebstoff und stereophoner Phantasie - aus dem Textmaterial heraus tatsächlich zwei Porträts und nebenbei ein neues drittes entstehen lassen: ein ernstes und amüsantes Spiel mit den Mechanismen unseres tagtäglichen Sprechens und mit der Illusion von der Identität des Subjekts, das in seinen satirischen Obertönen auch die kulturpolitische Situation um 1968 anklingen ließ. Zwanzig Jahre nach dem Tod von Helmut
Heißenbüttel, der in Theorie und Praxis die Entwicklung des Hörspiels in der Bundesrepublik maßgeblich geprägt hat, werden die Zwei oder drei Porträts noch einmal zur Diskussion gestellt: in der Originalversion von 1970 mit einem kurzen Essay von Klaus Ramm, der die ungewöhnliche Entstehungsgeschichte nachzeichnet, und vor allem in einer neuen, aktuellen Fassung. Wie sieht im Jahr 2016 ein Hörspiel aus, das sich noch einmal auf
Heißenbüttels Versuchsanordnung einlässt und das im Archiv entdeckte und rekonstruierte Ausgangsmaterial von damals verwendet?