Bayern 2

radioWissen am Nachmittag Arbeit in Mittelalter und früher Neuzeit

Zunftzeichen an einer Kunstschlosserei | Bild: picture-alliance/dpa

Montag, 14.12.2015
15:05 bis 16:00 Uhr

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BAYERN 2

Die Zünfte
Von der Ächtung zur Achtung der Arbeit

Die Hugenotten in Erlangen
Barocke Idealstadt für Flüchtlinge

Das Kalenderblatt
14.12.1881
Aufweckapparat zum Patent angemeldet
Autorin: Prisca Straub

Als Podcast verfügbar

Die Zünfte - Von der Ächtung zur Achtung der Arbeit
Autor: Leo Hoffmann / Regie:
Die Römer nannten sie "negotium": Arbeit war die Verneinung von "otium" - Muße. Bei die Germanen stand "arabi" für Mühsal und Plage! Bis ins Mittelalter bedeutet Arbeit Hörigkeit bzw. unfreie Dienstbarkeit bei einem Grundherrn - ein hartes Los! Doch ab dem 11. Jahrhundert geht’s mit der Arbeit bergauf. In den jungen Städten schließen sich die Handwerker zu Bruderschaften zusammen: Die Zünfte erfinden die Ausbildung, Lehre genannt. Sie entwickeln ein zukunftsträchtiges Weiterbildungsmodell: die mit der Wanderschaft gekoppelte Gesellenzeit. Das Ganze krönen sie mit dem Meistertitel. Zusätzlich übernehmen sie die Rohstoffversorgung, erfinden die Qualitätskontrolle, legen Preise fest und begrenzen die Konkurrenz. Ausbildung, Sicherung des Verdiensts und Aussicht auf Gewinn machen die Arbeit plötzlich zu einem Wert - einfach zünftig! Zünftig ist auch das gemeinschaftliche Leben der Zechen oder Bruderschaften: Gemeinsame Essen, gemeinsame Andachten, gemeinsames Auftreten bei kirchlichen Festen, gemeinsame Jenseitsvorsorge - in der Zunft ist man geborgen bis übers Grab hinaus. 800 Jahre lang funktioniert dieses Erfolgsmodell, das bis heute Spuren in Sprache, Gesellschaft und Wirtschaft hinterlassen hat.

Die Hugenotten in Erlangen - Barocke Idealstadt für Flüchtlinge
Autorin: Renate Währisch / Regie:
Das Städtchen an der Regnitz, das man damals Erlang hieß, war im 30jährigen Krieg dem Erdboden gleich gemacht worden. Danach wütete die Pest, kaum 500 Einwohner hatten überlebt. Der Markgraf Christian Ernst ließ über Agenten Hugenotten zur Ansiedlung anwerben. Innerhalb von 8 Jahren kamen 1.000 Glaubensflüchtlinge. Die französischen Familien wurden von der Obrigkeit zunächst einfach bei den Erlangern einquartiert, doch bald wurde gebaut: Eine Idealstadt sollte entstehen, so wie sie sich die Architekturtheoretiker des Barock ersonnen hatten. Die absolutistische Vorstellung: Mit Geometrie und strikter baulicher Ordnung könne der daselbst wohnende Untertan zum Positiven beeinflusst werden. Ob es daran lag, dass Erlang rasch zur wirtschaftlichen Blüte gelangte? Die Flüchtlinge brachten bis dahin unbekannte Handwerkskünste in die Region. Ihre Fertigkeiten lösten ein paar Jahrzehnte später einen Textilboom aus. Strümpfe, Handschuhe, Gobelins und Hüte aus Erlang wurden zum Exportschlager. Und der Markgraf hat sich mit seiner Idealstadt ein Denkmal gesetzt, das heute den Tourismus ankurbelt.

Moderation: Thies Marsen
Redaktion: Thomas Morawetz

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