Bayern 2

radioWissen am Nachmittag Vom Verlust der Freiheit

Mit Stacheldraht gesichert | Bild: picture-alliance/dpa

Montag, 07.12.2015
15:05 bis 16:00 Uhr

  • Als Podcast verfügbar

BAYERN 2

Geschichte des Gefängnisses
Vom Loch zum Hochsicherheitstrakt

Hinter Stacheldraht
Deutsche Kriegsgefangene in der Sowjetunion

Das Kalenderblatt
7.12.1768
Cornelia Goethe hat Zukunftsangst
Autorin: Brigitte Kohn

Als Podcast verfügbar

Geschichte des Gefängnisses - Vom Loch zum Hochsicherheitstrakt
Autorin und Regie: Dorit Kreissl
"Wie sollte das Gefängnis nicht die Strafe par excellence in einer Gesellschaft sein, in der die Freiheit ein Gut ist, das allen gleichermaßen gehört und an dem jeder mit einem universalen und beständigen Gefühl hängt", schreibt Michel Foucault in seinem Standardwerk "Überwachen und Strafen". Das System der Haftstrafe wurde allerdings erst Anfang des 19. Jahrhunderts eingeführt. Vorher waren Todes- und Leibesstrafen, wie Folter, Pranger, Blenden, Handabhacken, aber auch Verbannung und Geldbußen vorherrschend. Delinquenten sperrte man in Burgverliese, Türme von Stadtmauern, in klösterliche Kerker, unterirdische Zellen von Rathäusern oder in Lochgefängnisse ein, oft unter grausamen Bedingungen. Die meisten warteten auf ihre Hinrichtung.
Die englische Haftanstalt Bridewell und das Amsterdamer "Zuchthaus" aus dem 16. Jahrhundert, gelten als Vorläufer der ersten Gefängnisse im modernen Sinn. Beide waren zunächst Einrichtungen der Armenpflege, nahmen Bettler, Obdachlose, Prostituierte und auch psychisch Kranke auf und verpflichteten sie zur Arbeit. Der moderne Strafvollzug hat sich dem Gedanken der Resozialisierung verpflichtet. Kritiker sehen den Anspruch nicht verwirklicht, Foucault meinte gar: "Das Gefängnis kann gar nichts anderes, als Delinquenten zu fabrizieren."

Hinter Stacheldraht - Deutsche Kriegsgefangene in der Sowjetunion
Autorin: Julia Smilga / Regie: Martin Trauner
Die Heimkehr der letzten Kriegsgefangenen aus Russland zählt zu den bewegendsten Kapiteln der deutschen Nachkriegsgeschichte. Nach zähen Verhandlungen mit der sowjetischen Regierung erreichte Kanzler Adenauer im Herbst 1955 die Freilassung der 10.000 deutschen Kriegsgefangenen, die zu diesem Zeitpunkt noch in sowjetischen Gefangenenlagern ihr Dasein fristeten. Von den etwa 11 Millionen deutschen Soldaten, die insgesamt während des Zweiten Weltkrieges gefangen genommen wurden, gerieten etwa 3,5 Millionen in sowjetische Gefangenschaft. Sie erwartete ein besonders hartes Schicksal. Hunger, Kälte, harte Arbeit im Gulag. Nur etwas mehr als die Hälfte überlebte die Gefangenschaft. Die Heimkehrer redeten oft erst viel später über das, was sie in der Zeit in Russland erlebt hatten. Für die Meisten war der ständige Hunger das Schlimmste. Doch nur Wenige entwickelten einen Groll auf Russen, denn der russischen Zivilbevölkerung ging es damals genauso schlecht. In der Sendung von Julia Smilga über den Alltag hinter Stacheldraht, erinnern sich einige Ex-Kriegsgefangene an ihre leidvolle russische Zeit, aber auch an manchmal unerwartete Freundschaftsgesten von den ehemaligen Feinden.

Moderation: Thies Marsen
Redaktion: Thomas Morawetz

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